Silvester: Pyrotechniker machen Feuerwerke als Beruf - DER SPIEGEL
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Foto: TMN

Pyrotechniker Ganz großes Knisterfeeling

Zisch, Knall, Bumm: Prosit Neujahr. An Silvester verpulvern die Deutschen wieder Millionen Euro für Feuerwerk. Martin Kowallik hat das Ballern zum Beruf gemacht: weil Geld verbrennen so viel Spaß macht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Einmal richtig viel Geld verpulvern - wer hat sich das nicht schon einmal gewünscht? Martin Kowallik tut es einfach, verballert in manchen Nächten bis zu 5000 Euro. Zisch. Knall. Bumm. Auch an Silvester wird er wieder Geld in die Luft jagen. Und anschließend wird ihn kein schlechtes Gewissen quälen. Wieso auch? Die Tausender sind gut angelegt - in bunten Funkenregen und glitzernden Sternennebel.

Beruf: Pyrotechniker. Für den Wirtschaftsingenieur aus Magdeburg ist es ein Kindheitstraum, der in Erfüllung ging. Er darf jetzt immer ballern: nicht nur an Silvester, sondern das ganze Jahr über. Schießt Raketen in die Luft und ist glücklich, wenn am Himmel gewaltige Brokat-Buketts aufblitzen, Glitzerfontänen sprühen und farbige Sterne auf die Erde rieseln. Wenn dann das Publikum "ah" und "oh" haucht, steht er an seiner "Abschussrampe" und freut sich, wie damals als Kind.

Zu Silvester begrüßt Martin Kowallik das neue Jahr, an Geburtstagen lässt er Jubilare hochleben, bei Hochzeiten explodieren seine Raketen für die Liebe: Dann stehen Braut und Bräutigam unter Funkelsternen und in der Luft knistert es - in solchen Momenten ist nicht einmal Disney schöner.

Eine formelle Ausbildung ist nicht nötig

Kowallik ist eigentlich Wirtschaftsingenieur. Als Student hat er jedes Jahr an Silvester im Hotel seiner Mutter das Feuerwerk organisiert. Zunächst schoss er nur Raketen ab, dann legte er Musik unter das Spektakel, und schließlich suchte er das passende Feuerwerk zur richtigen Musik. "Ich wollte es immer größer, immer schöner machen." Schließlich hat er gedacht: "Komm, mach' das Ganze professionell."

Dazu musste Kowallik zunächst den fünftägigen Pflichtlehrgang "Grundlagen Großfeuerwerke" an einer Spreng- und chemieindustriellen Schule besuchen. Dort hat er gelernt: Wie funktioniert ein Funkzünder? Welches Metall explodiert rot, welches blau? Aber auch: Wo darf ich wann zündeln, wann brauche ich wozu eine Genehmigung?

"Pyrotechniker ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf", erklärt Dirk Abolins vom Berufsverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk. Da Bewerber keine abgeschlossene Ausbildung und auch keinen Schulabschluss vorweisen müssen, kann hierzulande nahezu jeder Feuerwerksexperte werden. Voraussetzung: Er ist mindestens 21 Jahre alt, hat 26 Praktika gemacht und besitzt eine Unbedenklichkeitserklärung.

Ein Praktikum zu bekommen, ist aber nicht leicht: Martin Kowallik beschäftigt in seiner kleinen Firma Pyro-Magic  nur selten Praktikanten. Dazu ist die Auftragslage zu mau: Nach der Hochsaison zu Silvester laufe das Geschäft bis April nur sehr schleppend. "Im Schnitt komme ich mit der Agentur auf etwa 2000 Euro im Monat," sagt Kowallik. Und die Konkurrenz ist groß: Als er anfing, war er noch allein. Jetzt, ein paar Jahre später, gebe es rund 15 Firmen im Raum Magdeburg.

Mehr als zündeln

Eines der größten Unternehmen auf dem deutschen Markt ist Flash Art aus Bielefeld, das auch Feuerwerke in Dubai oder Monaco zündet. "Wir bilden im Schnitt im Jahr ein bis zwei Veranstaltungstechniker mit Schwerpunkt Pyrotechnik aus", sagt Projektleiter René Hofmeister. Bewerber sollten vor allem handwerklich geschickt sein, spontan ein Holzgestell umbauen und schwere Kisten schleppen können.

Hofmeister warnt jedoch vor allzu großen Vorstellungen: Wer irgendwann ein eigenes Veranstaltungsunternehmen für Feuerwerke aufmachen und gar Feuerwerke auf Stadiondächern anbringen wolle, müsse lernen, lernen, lernen. Nur mit Zündeln ist es nicht getan: Experten müssen Computerprogramme zur Visualisierung bedienen können und sich mit der musikalischen Synchronisierung von Feuerwerken beschäftigen.

Vom Praktikanten bis zum Profi - Martin Kowallik wird wahrscheinlich nie reich. Aber er ist zufrieden: "Ich kann anderen Menschen eine Freude machen."

Samuel Acker/dpa/end