Steuerberater über seinen Job »Die Wahl der Steuerklasse ist einer der größten Irrtümer«
Er arbeitet meist 60 Stunden die Woche, und wenn er es dann abends auf eine Party geschafft hat, wird er doch wieder mit der Frage konfrontiert, um die sich sein Job dreht: Wie kann ich Geld bei der Steuer sparen?
Aber Leon Keul nimmt das niemandem übel. Er hat Spaß daran, sich durch den, wie er es nennt, »Dschungel« der Steuergesetze zu wühlen: »Ich sehe das nicht als Arbeit, das ist eher eine kleine Berufung.«
Leon Keul
Foto: Bernhardt Link / Fotostudio FarbtonwerkDas Finanzamt mit einer Argumentation zu überzeugen, das zählt für ihn zu den schönsten Momenten seines Jobs.
Für Angestellte, die nur Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit haben, gebe es allerdings wenig Spielraum, gibt er zu: »Da lohnt es sich in vielen Fällen auch nicht, einen Steuerberater zu engagieren.«
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Wenn es nach ihm ginge, würde er ohnehin den Arbeitnehmer-Pauschbetrag auf 5000 Euro erhöhen, dann könnten sich die meisten Angestellten nämlich die Steuererklärung sparen, und auch der Fiskus hätte weniger Arbeit: »Ich glaube, das wäre eine Win-win-Situation«, sagt Keul. »Aber das sind politische Diskussionen.«
Voraussetzung für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung sind in der Regel ein abgeschlossenes wirtschafts- oder rechtswissenschaftliches Studium oder eine kaufmännische Ausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung.
Die Teilnahme an Vorbereitungslehrgängen ist nicht verpflichtend, aber ohne diese ist die Prüfung kaum zu schaffen.
Wer die anspruchsvolle Klausur nicht abgibt, zählt nicht als durchgefallen. Dennoch sind die Durchfallquoten sehr hoch: 2022/23 haben 3878 Kandidat:innen die Prüfung abgelegt. 51,2 Prozent von ihnen haben die schriftliche Prüfung nicht bestanden, die Durchfallquote bei der mündlichen Prüfung betrug 7,5 Prozent. Insgesamt haben damit nur 1750 Prüflinge bestanden. Das entsprach einer Besteherquote von 45,1 Prozent.
Die Jobaussichten für Steuerberater:innen sind sehr gut, es gibt einen Mangel an qualifizierten Angestellten, insbesondere in ländlichen Gebieten. Im Mittel verdient man laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit etwa 7000 Euro brutto monatlich.
Dass viele Menschen allein schon von den umständlichen Steuerformularen abgeschreckt sind, versteht er. In vielen Fällen wisse er mittlerweile auswendig, in welche Zeile was gehört, »aber auch bei mir kommt es durchaus vor, dass ich suchen muss, wo man was einträgt«.
Im Podcast verrät er, welche zwei Steuertipps er am häufigsten auf Partys gibt, wieso er 12.000 Euro für die Prüfung zum Steuerberater ausgegeben hat und wie es ist, mit Hunderten Menschen in den Berliner Messehallen mehrere sechsstündige Klausuren zu schreiben.
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