Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 58 / 60

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Hanning-Affäre, Rente, Linke in Berlin und Robert Habeck – zu diesen Themen haben uns in der vergangenen Woche die meisten Leserbriefe erreicht.
• aus DER SPIEGEL 43/2026

Beschädigt das Vertrauen in den Staat

Nr. 42/2026 Titel: Abgrund BND 

  • Personen wie Herr Hanning ­tragen dazu bei, das Vertrauen der Bevölkerung in Behörden und Politik weiter zu schwächen. Steile Thesen, wenn es um ande­re geht – aber ein Höchstmaß an Flexibilität, sobald es um den eigenen Vorteil geht. Snowden hatte ein Gewissen, Hanning hatte mutmaßlich eine Brief­tasche.
    Dolores Apelles, Berlin

  • Die fragwürdigen Beratergeschäfte eines früheren BND-­Präsidenten waren jahrelang ­bekannt, ohne dass jemand eingeschritten ist. Das beschädigt das Vertrauen in den Staat mehr als jeder Einzelfall. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung, doch der Eindruck bleibt: Hier hat wohl einmal mehr die Gier den Verstand gefressen.
    Dr. Mohammad Behechtnejad, Winsen an der Luhe (Nieders.)

  • Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihr Land verraten. Eini­ge handeln aus ideologischer Überzeugung. Das kann ich bei aller Ablehnung noch am ehesten respektieren. Andere werden erpresst und handeln aus Zwang. Das kann ich menschlich nachvollziehen. Auf der untersten moralischen Stufe stehen diejenigen, die ihr Land für Geld verraten. Wenn sich der ­Verdacht bestätigt, dass der ehemalige BND-Präsident August Hanning über Jahre hinweg geheime Infor­mationen gegen Geld beschafft und gewinnbringend verwertet hat, würde er für mich zu dieser Gruppe gehören. Dann hätte er seine Integrität verkauft und sein Land verraten – nur weil er den Hals nicht voll genug bekommen konnte.
    Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern (Bad.-Württ.)

  • Weder der Fall Hanning noch der des Ex-Verfassungsschutzchefs Maaßen dürften die letzten ihrer Art sein. Dass solche fragwürdigen Charaktere erst nach einer Dienstzeit von etwa 40 Jahren auffällig werden, ist kaum glaubhaft. Ich würde eher nach der Kompetenz und Qualifizierung der Gremien fragen, die diese Spitzenbeamten in ihre Positionen befördern. Ob hinter den Entscheidungen solcher Berufungskommissionen Kumpanei oder schlicht Blödheit steckt, sie sind die Verantwortlichen und in ihrer Ignoranz gefährlicher als deren Favoriten für diese wichtigen Ämter.
    Dieter Hilbig, Castrop-Rauxel (NRW)

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Die Bevölkerung wird nicht autistischer«

Der Leser Gunnar Hemmann aus Sundhagen hat die Titelgeschichte »Wer ist wirklich Autist?« (hier die ganze Titelgeschichte ) kritisiert. Redakteurin Veronika Hackenbroch hat sich mit ihm ausgetauscht.

SPIEGEL: Herr Hemmann, Sie haben kürzlich mit 50 Jahren die Diagnose Autismus bekommen und finden, wir klagen in unserer Titelgeschichte zu viel über hohe Diagnosezahlen, statt über die wahren Probleme der Betroffenen zu berichten. Warum?

Hemmann: Ihr Beitrag stellt Menschen wie mich unter Generalverdacht, ohne die entscheidende Frage zu beantworten, die sich jeder Spätdiagnostizierte stellt: Warum hat es fünf Jahrzehnte gedauert? Man kann das Leben von undiagnostizierten Autisten mit dem von Linkshändern vergleichen, die früher auf rechts umgeschult wurden. Viele lernten, gut mit rechts zu schreiben. Die Rechnung kam später: Stottern, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen.

SPIEGEL: Warum bekommen jetzt auch mehr ältere Menschen eine Autismusdiagnose?

Hemmann: Die Bevölkerung wird nicht autistischer. Derselbe Mensch, der 1985 als Werkstattleiter mit festen Abläufen und wenig Small Talk unauffällig war, fällt heute in einer Organisation mit Großraumbüros, Gruppenarbeit, ständiger Erreichbarkeit und Networking durch.

Mehr getan als andere

Nr. 41/2026 Leitartikel: Die SPD sollte sich von der Rente mit 63 verabschieden 

  • Endlich mal eine Erklärung, was ist, und nicht Parteien-Blabla darüber, wie es sein sollte. Die Wahrnehmung der offensichtlichen unzähligen Dachdecker-Schicksale kann die SPD natürlich nicht links liegen lassen. Obwohl die kaum profitieren, wie man lesen kann. Von der CDU/CSU hört man dagegen nur wenig Substanzielles, und dann nur getarnt als Gerechtigkeitsgeschwurbel, mit dem sich seit Neuestem alles erklären, verhindern und leugnen lässt. Ungerecht war die Rente mit 63 aber schon zum Zeitpunkt der Gesetzgebung, also 2014 unter der Großen Koalition. Damals war noch Geld im Überfluss vorhanden. Eine Buchprüfung kommt aber ausgerechnet dann, wenn Geld knapp ist oder Wahlen anstehen. Herr Adenauer hätte die momentane Problematik wohl so kommentiert: »Dat ham wa uns so nich vorjestellt.« Herrn Sauga ist dafür zu danken, die Sachlage nüchtern und deutlich für jedermann beschrieben zu haben.
    Wolfgang Kessler, Bonn

  • Es ist kein Privileg, was Herr Sauga beschreibt. Meine Frau hat mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten. In diesem Alter saß ich vormittags fünf Stunden in der Schule und genoss nachmittags und am Wochenende meine Freizeit. Sie dagegen arbeitete im Schichtdienst, auch am Wochenende, in einem sehr belastenden und fordernden Job, der nicht besonders gut bezahlt war. Als sie schon 14 Jahre im Job war, begann ich mit 30 Jahren nach Schule, Zivildienst und Studium meinen ersten richtigen sozialversicherungspflichtigen Job. Meine Frau ist vorzeitig abschlagsfrei verdient in Rente gegangen. Nach der Lesart Herrn Saugas ist sie also privilegiert. Ich glaube, an diesem Beispiel, von dem es sehr viele gibt, zeigt sich, dass diese These das Thema sehr vereinfacht, einseitig und pauschaliert darstellt.
    Martin Dregelies, Kiel

  • Wenn jeder Schulabgänger nach zehn Jahren Schulbesuch gleich in die Rentenkasse einzahlen würde, hätten wir keine Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler, Juristen und andere wichtige Berufsgruppen mit Hochschulabschluss zeitnah. Hierzu ist nach dem Abitur (drei Jahre) ein Hochschulstudium (fünf Jahre) erforderlich. Diese Zeit ist geistiger Arbeit gleichzusetzen, welche allerdings nicht vergütet wird, und somit kann auch kein Geld in die Rentenkasse eingezahlt werden. Sollen diese Berufsgruppen für ihr Engagement bestraft werden, indem sie länger arbeiten dürfen, um Rente zu erhalten? Der Vorschlag von Finanzminister Klingbeil ist, offen gesagt, geistiger Dünnpfiff. Vielmehr sollte man überlegen, Leistungsträger, die körperlich schwerste Arbeit verrichten, den abschlagsfreien Renteneintritt eher zu ermöglichen.
    Reinhard Helmut, Leipzig

  • Brillant! Wenn der Regierung auch nur ein wenig an rational glaubwürdiger Politik gelegen ist, kommt sie an der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nicht vorbei. Die Maßnahme ist kein Peanut im Rentenpaket. Viele waren sicher froh, als sich nach der letzten Wahl eine Koali­tion jenseits extremer Positionen mit eigener Mehrheit gefunden hat. Schafft sie es aber nicht, die selbst gesteckten und tatsächlich wichtigen Ziele wenigstens annähernd zu erreichen, und streitet sich stattdessen lautstark untereinander, darf sie sich nicht wundern, wenn auch die wohlgesinnten Wähler sich abwenden. Der Auftrag (an alle Regierungen) lautet: Vertragt euch und bringt die Welt in Ordnung!
    Friedhelm Berlitz, Solingen

  • Ich bin sehr irritiert über diesen Artikel. Ich bin 61, habe bereits 45 Beitragsjahre erreicht und werde von Ihrem Autor als privi­legiert bezeichnet. Das Gegenteil ist der Fall: Mit 16 habe ich eine zweijährige Ausbildung begonnen, mit 20 das Abitur am Abendgymnasium abgeschlossen, mich beruflich weitergebildet und nebenher noch ein VWA-Studium erfolgreich absolviert. Da beruht nichts auf einem Privileg, das war alles harte Arbeit und Verzicht. Nebenher habe ich auch noch acht Jahre Wehrersatzdienst geleistet. Ich habe mehr für diese Gesellschaft getan als andere, die erst nach dem Studium mit 26 Jahren anfangen, zu ar­beiten und Beiträge abzuführen. Und natürlich habe ich mit meinen Beiträgen das System mitfinanziert.
    Rainer Petri, Hagen

  • Sie haben noch einen Punkt vergessen – die Lebenserwartung. Die »Abschläge« sind eigentlich eine Umrechnung der zu erwartenden gesamten Bezüge über einen insgesamt längeren Rentenzeitraum. Die »männlichen Gutverdiener mit überdurchschnittlicher Gesundheit« haben eine höhere Lebenserwartung, für die »früher Sterbende« (und das sind im Allgemeinen die mit niedrigeren Renten) zahlen. Diesen demografischen Faktor berücksichtigt unser Rentensystem nicht.
    Kerstin Hendess, Frankfurt am Main

Ist der Rücktritt von Bärbel Bas eine Chance für die Bundesregierung?

Ja

»Es ist vor allem eine Chance für die SPD, sich personell neu aufzustellen – so leid mir der Abgang von Bärbel Bas auch tut.«

Jochen Proehl

Nein

»Ohne sie wird es für die Regierung einfacher, soziale Kürzungen als Reformen zu verkaufen. Das ist eine Chance für die AfD, nicht aber für die Regierung.«

Frank Wiltner

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Wohltuend!

Nr. 41/2026 Leitkultur 

  • Danke für diesen wie immer treffsicheren Kommentar zur allgemeinen Hysterie über das Berliner Wahlergebnis. Prädikat: Wohltuend! Alle mal runterkommen …
    Sabine Ketels, Hamburg

  • Vielen Dank, Herr Osang, nicht nur für dieses Stück! Ich lese Sie immer sehr gern. Ich muss sagen, ich bin ebenfalls höchst irritiert, wie viele meiner Freunde und Bekannten bei einem Crémant den Untergang des Abendlandes fest einplanen, weil a) die Linke!, b) Enteignung! (»die Investoren!«), c) die Antisemiten, d) Clanmitglieder und die »extremen Spinner«, die jetzt aus dem Roten Rathaus dieser blühenden Stadt den Todesstoß versetzen werden. Die politische Mitte, die uns vor der Wahl allen zu lau badete und die wirklichen Probleme nicht anging, sie muss dringend gestärkt werden! (»och ja, ein Glas nehm ich noch …!«) Danke für Ihren Artikel und noch viele Besuche im wunderschönen Venedig!
    Max Gertsch, Berlin

Fehlt er oder fehlt er nicht?

Nr. 41/2026 Robert Habeck wollte Kanzler werden, dann hat er sich aus der Politik nach Kopenhagen zurückgezogen. Wie guckt er heute auf Deutschland? 

  • Lieber Herr von Cranach, Kompliment! Ich hatte so viel Spaß beim Lesen. Dazu passt inhaltlich und atmosphärisch der Titel »Waiting for My Man« aus dem bekannten Album von The Velvet Underground. Klaus Westerhaus, Köln

  • Ehrlich gesagt hätte ich mir vom Porträt Habecks mehr inhaltliche Tiefe und gern auch eine kritische, dafür sachliche Auseinandersetzung gewünscht. So wirkt der launische Artikel eher wie eine Kolumne. Von einem SPIEGEL-Artikel mit dem Aufwand einer Dienstfahrt nach Dänemark hätte ich mir deutlich mehr erwartet, gerade in Zeiten zunehmender Zentrifugalkräfte an die politischen Ränder. Ich schätze das Kulturressort, aber in diesem Fall war entweder das Ressort oder der Autor die falsche Wahl. Schade.
    Jakob Fischer, Leipzig

  • So sind Typen seiner Art. Sie fühlen sich einzigartig und lassen sich herab, dem Volk zu dienen. Aber wehe, ihr Erbarmen wird nicht erwidert, etwa durch Nichtwahl. Dann ist er weg und ward nie wieder gesehen. Aber der SPIEGEL muss ihn wieder aus der Versenkung holen. Lasst ihn bloß da. Bis ans Lebensende soll er dort möglichst unbeachtet herumradeln.
    Reinhardt Heinrich, Hagen im Bremischen (Nieders.)

  • Ihr Artikel macht schön schmerzlich bewusst: Robert Habeck fehlt!
    Ulrike Stille, Siegen (NRW)

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