Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Unser Erfolgsmodell
Nr. 36/2026 Titel: Straßenkampf
Was für eine Offenbarung! Vielen Dank für diese Recherche und die unbequemen Wahrheiten. Wer die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht mit »technologieoffen« vernebeltem Blick verfolgt hat, muss beim Lesen unweigerlich permanent nicken und an all die Arroganz und katastrophalen Fehler deutscher Autobauer der letzten 15 Jahre denken. Viel schlimmer: Es ist die dritte Wiederholung derselben benzinverseuchten deutschen Selbstherrlichkeit, die in den Siebzigern die Japaner und in den Neunzigern die Koreaner als Deppen und automobile Nobodys beschimpft, aber jedes Mal einigermaßen verlustreich die Kurve gekriegt hat. Jetzt aber geht’s ums Ganze.
Dr. Jan Borck, ChemnitzAlle, die sich ein chinesisches Auto kaufen, um Geld zu sparen, sollten die Chinesen bei dieser Gelegenheit auch gleich fragen, ob sie in Zukunft unsere Sozialsysteme finanzieren möchten!
Hartmut Listberger, Dietachdorf (Österreich)Unverschämt: Da kopieren die doch einfach unser Erfolgsmodell! Wir haben die Chinesen mit Millionen Kraftfahrzeugen überschwemmt, und jetzt wollen die das mit uns machen. Das geht doch nicht! Deutschland hat seit den Fünfzigerjahren durchgängig Waren-Exportüberschüsse, die halbe Welt ist bei uns verschuldet. Die Chinesen machen einfach nach, was wir erfolgreich seit Jahrzehnten vorgemacht haben.
Gert Wagner, Frankfurt am MainDer Artikel enthält eigentlich nur lächerliche Panikmache und das übliche Deutschland-Bashing des SPIEGEL. Die Chinesen haben derzeit nur fünf Prozent Marktanteil in Deutschland, und das Premiumsegment werden sie nie erobern. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die chinesische Autoindustrie hoch subventioniert ist und im freien Wettbewerb absolut keine Chance hat.
Robert Hauser, Salzburg (Österreich)»Vorsprung durch Technik«? Das ist in Deutschland vorbei und wird dank der rückwärtsgewandten Politik von Herrn Merz und Frau Reiche auch nie wieder zurückkehren. Und jetzt wollen die Leute – als Lösung! – eine Partei wählen, die aus der EU austreten will und den Klimawandel leugnet?
Mathieu Wrack, Neu-Ulm (Bayern)Nüchtern betrachtet stellt China genau das massenhaft und billig her, was die Welt zum Klimaschutz braucht: Elektroautos und Solarmodule.
Lutz Baumgärtner, HamburgSchade! Es ist vorbei mit der deutschen Automobilindustrie. Arroganz führt eben dazu, dass die Zukunft verschlafen wird. Sich für das Aus des Verbrennerverbots starkzumachen, ist so, als würde man fordern, dass wir alle wieder in Höhlen leben sollten. Und die Arbeitnehmer dieser Branche dachten, dass sie so etwas wie einen Beamtenstatus haben. Es tut mir sehr leid, dass es hier ein schreckliches Erwachen geben wird. Schuld sind aber einmal mehr nicht die hohen Lohnkosten, sondern die mangelhaften Leistungen des Managements.
Paul Winter, Hamburg
»Meckern, aber selber nix tun«
Die Leserin Ulrike Graf aus Iffeldorf in Oberbayern hat die Kolumne »Warum ich es insgeheim bereue, mich ans Gießverbot gehalten zu haben« von Redakteurin Anna Clauß kritisiert (hier die ganze Kolumne ). Eine Auseinandersetzung.
SPIEGEL: Mein Geständnis, den eigenen Rasen trotz Hitze gießen zu wollen, hat Sie geärgert. Warum?
Graf: Wasser ist für die Menschheit immens wichtig. Keine KI kann es herbeizaubern. Der Klimawandel ist da. Wir können ihn nicht aufhalten. Aber wir können lernen, uns anzupassen. Dazu gehört auch ein vertrockneter Rasen. Wer ihn heimlich gießt, sollte sich schämen.
SPIEGEL: Mir ging es darum, selbstkritisch darauf aufmerksam zu machen, wie schwierig Klimaschutz ist, wenn er von einem selbst verlangt wird.
Graf: Was Sie nur kurz antippen, ist ein gesellschaftliches Problem: Wir meckern über so vieles, tun dann aber selber nix. Reagiert die Politik mit Verboten, fühlt man sich bevormundet. Nur, wenn jeder im Kleinen etwas tut, kann der Kampf gegen Wassermangel gelingen.
Tat richtig gut
Marina Kormbaki und Juliane Löffler, Ihr SPIEGEL-Gespräch mit Frau Brosius-Gersdorf tat richtig gut. Sachlichkeit, keine Häme, kein Zorn, nur eine Richtigstellung der so unmenschlich geführten Debatte und der beschämenden Behandlung der damaligen Kandidatin fürs Bundesverfassungsgericht. Durch diese Haltung von Frau Brosius-Gersdorf qualifizierte sie sich noch einmal auf eine ganz besondere Weise. Alle Gegner im letzten Jahr müssten sich vor Scham verstecken. So geht man nicht mit einer anerkannten und fachlich qualifizierten Wissenschaftlerin um. Allen voran trifft meine Kritik auf die AfD-Frau von Storch zu. Einfach widerlich war das. Und das soll die künftige Richtung der Politik in unserem Land darstellen? Hoffentlich niemals! Bürger, steht auf!
Rita Lepski, Hochdorf (Bad.-Württ.)Nachdem ich diesen Beitrag gelesen habe, muss ich sagen: Fast schäme ich mich heute, dass ich damals auch zu ihren (Meinungs-)Gegnern gehörte, was ihre Einstellung zu Schwangerschaftsabbrüchen betraf. Ich bin vielleicht bei manchen Fragen noch etwas abweichender Meinung, aber ich bewundere ihre Bewältigung dieser persönlichen Krise und ihre zuversichtliche Einstellung zur Zukunft unserer Meinungsfreiheit.
Siegfried Woidniak, Düsseldorf
Ein hundertprozentiger Treffer
Nr. 35/2026 Politologin Julia Reuschenbach kritisiert das SPIEGEL-Cover mit dem AfD-Politiker Ulrich Siegmund
Frau Reuschenbach spricht mir aus der Seele! Muss man diesem Herrn – der nichts anderes als Macht, Macht, Macht zum Ziel hat, auch noch ein solches Forum bieten? Das SPIEGEL-Titelbild? Geht’s noch? Es gibt auch Menschen, und das sind nicht nur Rechts-außen-Menschen, die damit beeinflusst und geängstigt werden können. Da haben Sie dem Land einen Bärendienst erwiesen. Ich bin langjährige SPIEGEL-Leserin, aber das war total daneben.
Anna Maria Koch, MünchenJa, der SPIEGEL hat mit diesem Titelbild eine große Chance vertan, aber noch mehr hat man sich einer Verharmlosung hingegeben. Dem Bild fehlt der Hintergrund, der ja im Artikel durchaus beschrieben wird. Also nur ein paar einschlägige Symbole oder Tattoos hätten es schon getan. Erstaunlich, dass man das nicht erkannt oder für nötig gehalten hat.
Christa Korell, Karben (Hessen)Ein hundertprozentiger Treffer von Julia Reuschenbach. Und nach hinten raus immer stärker. Leider, lieber SPIEGEL.
Wolfgang Kirkamm, BerlinLieber Chefredakteur Kurbjuweit, ich schwanke zwischen Verblüffung und Hochachtung: Sie haben die Veröffentlichung dieses Artikels von Frau Reuschenbach im SPIEGEL abgesegnet? Wow! Verrückt ist die unterschiedliche menschliche Rezeption von Bildern: Ich hatte in meinem Leserbrief zu jenem Titel die Sorge geäußert, die Fotos (Titelbild und Artikel) könnten als Werbung missverstanden werden (der Haloeffekt eines optisch gut aussehenden Menschen) – Frau Reuschenbach sieht hingegen eine Art »Fahndungsfoto« – sie scheint bewusst und unbewusst gegen seine Reize immun zu sein. Herr Kurbjuweit: aufstehen, Krone richten, weitermachen. Nach diesem September sind wir alle schlauer.
Susanne Hartmann, Harsum (Nieders.)Julia Reuschenbach ist eine kluge Frau. Ich kann mich nicht erinnern, ihr jemals bei ihren öffentlichen Verlautbarungen im Geiste widersprochen zu haben. Andererseits steht Dirk Kurbjuweit ihr in Sachen Intelligenz nicht nach und ist dazu ein mutiger Mann. Dass er solch eine Kritik in seinem Magazin veröffentlicht, ist ein weiterer Beleg dafür. Es wäre kein Problem gewesen, der Titelzeile der Ausgabe 34 ein Fragezeichen anzuhängen. Ich nehme an, dass das durchaus erwogen, aus guten Gründen aber mutig (!) unterlassen wurde. Warum? Weil gesagt werden sollte, was ist. Der erwartbare Furor trat ein. Na und? Dass über »die Inhalte der Titelgeschichte nicht debattiert wurde«, wie Frau Reuschenbach schreibt, ist nicht dem Beitrag anzulasten. Der spricht in bester Journalistenart dann für sich.
Hans-Dieter Schabram, Berlin
Ja
»Ja, auf jeden Fall sollte die CDU mit allen zusammenarbeiten, um eine AfD-Regierung zu vermeiden. Ich weiß, Linke und CDU werden kein Liebespaar, aber in dieser Situation muss Pragmatismus herrschen.«
Hans Mair
Nein
»Es sollte in einer Demokratie kein Paktieren um jeden Preis geben. Eine solche Koalition wäre ein weiterer kurzer Sprung hin zu einem immer größer werdenden Vertrauensschwund im Hinblick auf unser demokratisches System.«
Bianca Dausend
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Völlig untauglich
Nr. 35/2026 Warum steigende Mieten helfen könnten
Ich habe im SPIEGEL selten so einen Quatsch gelesen. Die Mieten sind in vielen Großstädten jetzt schon zu hoch. In einigen Branchen wird es immer schwerer, Personal zu bekommen, auch aufgrund der Lebenshaltungskosten und der immer weiter steigenden Mieten. Fragen Sie zum Beispiel mal in Krankenhäusern nach, wie »leicht« es dort fällt, Stellen im Pflegebereich nachzubesetzen. Die Lösung liegt in Ihrem Vorschlag? Wohl kaum. Was spricht gegen eine staatliche Regulierung wie in Schweden oder Österreich?
Alexander Wädlich, Plochingen (Bad.-Württ.)Alle Jahre wieder kursiert der Ansatz »wir müssen nur die Mieten mehr erhöhen« als neuster Schrei durch die Medien. Und es bleibt ein völlig untaugliches Mittel. Wir bekommen die älteren Menschen aus verschiedenen Gründen nicht aus den Wohnungen: Die höchste Durchschnittswohnfläche haben ältere Wohnungseigentümer. Die sind von Anpassungen im Mietrecht völlig unberührt – kleinere, barrierearme Wohnungen stehen auf den meisten Märkten schlicht nicht zur Verfügung – die Haltekraft des angestammten Wohnraums ist immens. Werden Mietregulationen zurückgenommen, dann kostet das vor allem den Staat Unsummen, weil das Wohngeld und der wohnungsbezogene Anteil der Grundsicherung steigen werden. Das Geld wird aber nur in sehr geringem Umfang in Neubauwohnungen fließen, der Großteil der Profite wird einfach mitgenommen.
Axel Burkhardt, TübingenHerzlichen Dank für diesen Artikel, der der irrwitzigen Idee der Enteignung zumindest journalistisch und faktenbasiert den Stecker zieht. Mir ist aber sauer aufgestoßen, dass Sie wieder den Brandschutz als Kostentreiber benennen. Welche Paragrafen und Vorschriften identifizieren Sie da denn konkret als Kostentreiber?
Johannes Bayer, Zwiefalten (Bad.-Württ.)
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