Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Nur Verlierer
Nr. 31/2026 Titel: Böses Blut
Wen interessiert eigentlich dieser Klatsch und Tratsch über eine außerhalb Hamburgs wohl weitgehend unbekannte Familie? Mehrere Beiträge in dieser SPIEGEL-Ausgabe hätten sich besser als Titelgeschichte geeignet!
Klaus Müller, EssenDer Artikel zeigt eindrücklich, wie die Blocks an ihrer öffentlichen Zerstörung arbeiten in einem Prozess, der nur eines produzieren wird: Verlierer, auf Kosten der so von Eugen Block geliebten vier Enkelkinder.
Jens Hinrichsen, Eystrup (Nieders.)Der Beitrag hat mich sehr berührt. Thomas Mann lässt grüßen: Auch bei den Buddenbrooks hatte ein erfolgreicher Senior Schwierigkeiten mit den Familienangehörigen, was zu dramatischen Ereignissen und schließlich zum Untergang führte. Aber es gibt auch das Gegenteil, wie die über Generationen erfolgreiche Familie der Brennikmeyers (C&A), deren strenger und für alle verbindlicher Verhaltenskodex erst gar keine Probleme aufkommen lässt.
Dr. Helmut Förster, EssenZehn Seiten plus Titelbild zu einem einzigen Thema, das gibt es nicht so oft. Ärgerlich, dass es dabei um den Familienstreit irgendwelcher Millionäre geht. Das ungleich wichtigere Thema »Missbrauch« muss mit drei Seiten auskommen, versteckt auf Seite 85. Umgekehrt wäre es richtig gewesen.
Ulf Blender, OffenburgEs hat schon ein negatives Geschmäckle, wie sich die Öffentlichkeit um die traurigen Zerwürfnisse der Block-Familie zerreißt. So was nennt man Klatsch. Auf der anderen Seite spiegelt es aber auch zutiefst menschliche Probleme wider, die in beinahe allen Familien zutage treten. Daher sollte jeder mit vorschnellen Urteilen vorsichtig sein. Wenn die ganze Sache einen positiven Effekt hat, dann nur diesen, dass sie als Lernbeispiel dienen kann. Ich wünsche der Familie Block alles Gute.
Erich Breuer, Hagen im Bremischen (Nieders.)
»Ihre Formulierung klingt so, als führten die Juden die Welt ins Verderben«
Die Leserin Regina Beckel aus Stuttgart hat das Titelstück über den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad »Das Institut« kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Nahost-Korrespondent Thore Schröder hat sie angerufen.
SPIEGEL: Frau Beckel, Sie stören sich an einer bestimmten Formulierung. Welcher?
Beckel: Sie schreiben in der Unterzeile von einer »Organisation, die die Welt in den Irankrieg geführt hat«. Das lese ich als antisemitisches Klischee: Als wäre die Welt völlig passiv und der Mossad allmächtig.
SPIEGEL: Wir wollten deutlich machen, dass vom Krieg nicht nur die unmittelbaren Akteure betroffen sind, sondern durch die Blockade der Straße von Hormus tatsächlich die ganze Welt. Durch den Rohstoffschock und die gesteigerte Inflation leiden in Afrika mehr Menschen Hunger, in Europa wachsen die sozialen Spannungen, und in Asien leidet die Industrieproduktion.
Beckel: Trotzdem liegt die Verantwortung dafür nicht allein beim Mossad, sondern vor allem beim US-Präsidenten. Ihre Formulierung klingt so, als führten die Juden die Welt ins Verderben, das könnte jedenfalls hängen bleiben. Ich beschäftige mich sehr mit der jüdischen Perspektive und sehe die Gefahr, dass sich Vorurteile verschärfen.
Nicht aus Nächstenliebe
Nr. 31/2026 Leitartikel: Die Regelungen zur Leihmutterschaft in Deutschland sind absurd
Als Spahn und die CDU/CSU im Februar 2026 gegen eine Leihmutterschaft in Deutschland gestimmt haben, war die Leihmutter in den USA schon schwanger. Und genau das ist das »Verwerfliche«. Wasser predigen und selbst Wein saufen. In manchen Dingen lebt die CDU/CSU noch im Mittelalter. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Lothar Wirth, BerlinWelche Frauen erklären sich denn dazu bereit, ein Kind für jemanden anderen auszutragen? Es sind Frauen, die in prekären Verhältnissen leben und ihren Körper im wahrsten Sinne des Wortes verkaufen. Vom emotionalen Standpunkt will ich gar nicht anfangen. Möchten Sie das also auch hier in Deutschland? Dass Frauen das als Perspektive sehen? Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass eine Frau dies aus Nächstenliebe macht.
Monika Lüders, Magdeburg
In der ganzen Debatte fehlt mir eine Möglichkeit, zu ersehnten Kindern zu kommen: die Adoption! Es gäbe doch unzählige arme, kleine, elternlose Kinder, denen eine Adoption ein sauberes Leben ermöglichen könnte. Ist dieser Weg in Deutschland möglich – nach Eignungsprüfungen? Ich glaube ja. Also.
Manfred B. Müller, Stötten am Auerberg (Bayern)
Gut
»Aber nur, weil es besser ist als gar nichts. Es ist am Kanzler, jetzt das Miteinander der Regierung zu fördern und das Gegeneinander zu blocken.«
Jost Schneider-Pungs
Schlecht
»Wenn ein CEO (Bundeskanzler) nach nur gut einem Jahr seinen Vorstand (Ministerriege) umbauen muss, zeigt das fehlende Führungsfähigkeit.«
Thomas Gambke
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Benzin ins Feuer
Die Privilegien der Beamten sind nur schwer mit dem Gerechtigkeitsempfinden in Einklang zu bringen. So erhalten angestellte Lehrer wesentlich weniger Rente als ihre verbeamteten Kollegen. Und sie werden im Vergleich zu Beamten miserabel bezahlt, obwohl sie denselben hochwertigen Unterricht abliefern.
Klemens Hofmann, Marbach (Bad.-Württ.)Der Beschluss vom Bundesverfassungsgericht, dass ein verheirateter Beamter mit zwei Kindern grundsätzlich nicht weniger verdienen dürfe als 80 Prozent eines mittleren Haushaltseinkommens, ist fragwürdig, weil die meisten der 80 Prozent keine Beamte sind und ihre Einkommen somit durch Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge reduziert werden. Des Weiteren erhalten Beamte noch Zulagen, also eine deutliche Erhöhung der Nettoeinkommen. Somit hat ein A5/A13-Beamter bei gleichem Bruttoeinkommen im Vergleich zum Angestellten ein höheres Nettoeinkommen und eine höhere Pension. Eine Grundgesetzänderung wäre sinnvoll.
Peter Hildenbrand, Beimerstetten (Bad.-Württ.)Schade, dass Sie erneut Benzin ins Feuer gießen und Ihren Artikel durchweg negativ konnotieren. Die Alimentierung (Beamte bekommen kein Gehalt) soll dafür sorgen, dass die staatlichen Aufgaben neutral von auskömmlich besoldeten Beamten im Sinne der Verfassung geregelt werden. Die Alternative bestünde in einem Staat, in dem Lobbyisten und die politischen Extreme für Instabilität sorgten. Dann sollte man bitte aber dem Bürger nicht ständig das Narrativ vom faulen, überbezahlten Beamten erzählen. Beamte haben in den letzten Jahren nicht nur immer wieder sogenannte »Sonderopfer« gebracht, sondern sind konsequent zu niedrig alimentiert worden. Eine Besoldungserhöhung ist somit kein »sagenhafter Wahnsinn«, es ist das Nachholen der Zahlung von Alimenten, zu denen jeder Dienstherr verpflichtet ist, um einen funktionierenden Rechtsstaat zu gewährleisten. Einen Großteil der Debatte, den über die Pensionen, hätten wir heute nämlich gar nicht, wenn die Politik die von Frau Färber beschriebenen Rücklagen tatsächlich gebildet beziehungsweise diese nicht zweckentfremdet ausgegeben hätte.
Markus Wasserfall, Rudersberg (Bad.-Württ.)
Ein neues Steuersystem
Nr. 30/2026 Mit BASF steckt auch Ludwigshafen in der Krise
Sie nennen Ihren Text »Leerstand, Verfall, Trümmer, Niedergang. Wird bald ganz Deutschland aussehen wie Ludwigshafen?« Das ist ein Clickbait-Titel, den ich angesichts der herrschenden Stimmung für absolut unverantwortlich halte. Maximaler Alarm, Wasser auf die Mühlen von AfD und anderen Untergangspropheten. Das Fragezeichen ist nur ein Trick, um sich gegen Kritik abzusichern. Dabei schreiben Sie selbst, dass die Lage in Ludwigshafen sehr besonders ist. Ich erwarte keine Jubelberichterstattung, natürlich müssen Probleme dargestellt werden. Die Krise ist real. Aber wäre es nicht angemessener, ausgewogene Schlagzeilen zu finden, statt Panik anzustacheln?
Jan Langehein, BerlinDie Finanzkrise in Ludwigshafen ist kein bloßes lokales Versagen, sondern ein systemisches Mahnmal. Wie das Beispiel zeigt, ist die Stadt in einer »Abhängigkeitsfalle« gefangen: Während Konzerne wie die BASF global agieren und Gewinne durch komplexe Strukturen optimieren, bleibt die Kommune auf der maroden Infrastruktur sitzen. Die Stadtführung durch »Deutschlands hässlichste Stadt«, wie sie Herr Buchholz anbietet, macht dabei schmerzhaft deutlich, dass dies kein kurzfristiges Problem ist, sondern ein schleichender Niedergang, den die Lokalpolitik über Jahrzehnte hinweg geschehen ließ.
Patrick Kuntz, Heppenheim (Hessen)
Leicht in einer schweren Welt
Nr. 30/2026 Wie bekämpft man die eigene Gier?
Was für ein berührender und einfühlsamer Artikel, für mich der beste seit Langem im SPIEGEL. Vor zwei Wochen habe ich einem afghanischen Flüchtling seine Stromrechnung bezahlt und einige Tage danach bezahlte mir ein fremder Mann meinen Kaffee in einem Restaurant, das nur Karten akzeptiert, als er sah, dass ich Schwierigkeiten mit meiner neuen Kreditkarte hatte. Ich wollte ihm das Geld in bar erstatten, aber er lehnte es ab. Er wollte mich zum Kaffee einladen. Wie leicht man sich dann in einer schweren Welt fühlt.
Dr. Klaus Steinvorth, Norderstedt (Schl.-Holst.)
Exquisiter Journalismus
Nr. 30/2026 Reise von San Diego bis Chicago im WM-Sommer der USA
Dieser Artikel ist großartig, mir fehlen fast die Worte. Ich kenne vieles davon aus eigener Erfahrung. Vielleicht hätten die vielen Unterprivilegierten und Herausgefallenen noch mit hineingehört. Falls du vorhattest, hinzufahren – nach diesem Artikel kannst du es dir fast sparen.
Herbert Schönke, Schülp b. Nortorf (Schl.-Holst.)Sorry, den Artikel finde ich einfach langweilig, weil es keine wirklich neuen Erkenntnisse gibt. Ein paar Details aus der Geschichte der USA – okay. Warum soll ich nun ein anderes Bild von den USA bekommen? Jeder, der hin und wieder mal Podcasts der BBC oder Ähnliches hört, bekommt jedes Mal x-fach mehr Infos zu der aktuellen Situation der USA als aus diesem Artikel. Die meisten Artikel des SPIEGEL bringen deutlich mehr Informationen und Nachrichten.
Henning Vollert, Bad Segeberg (Schl.-Holst.)Eigentlich überblättere ich die Rubrik »Sport« regelmäßig; diesmal bin ich irgendwie hängen geblieben und war sofort gefesselt: eine eindrückliche und ergreifende Kurz-Soziologie der USA. Danke für den exquisiten Journalismus.
Rudolf Mengersen, Freiburg
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