Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 58 / 60

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Der neue KI-Kapitalismus, der Leitartikel zur AfD, Sterbehilfe, die Lebensretter vom DLRG – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 34/2026

Das entfesselte Kapital zähmen

Nr. 33/2026 Titel: Marx hat es geahnt 

  • Starker Artikel, auch mit dem leicht positiven Spin am Ende. Solche Hintergründe zu teilweise noch sehr verborgenen Themen braucht es mehr. Danke für Ihre Arbeit!
    Linus Kleschin, Riehen (Schweiz)

  • Mein Kompliment für diese herausragende Titelgeschichte. Der Klimawandel wird den KI-Rechenzentren eines Tages die Kühlung verweigern. Noch kann die Menschheit den Klimawandel beeinflussen und die Techunternehmer einhegen.
    Gernot Hilge, Münster

  • Marx mag es geahnt haben, trotzdem greift der Artikel zu kurz: Die Vorstellung, dass KI roboterassistiert im großen Stil echte, dreckige oder einfühlsame Arbeit erledigt (Chirurgie, Pflege, Brücken-/Leitungs-/Straßenbau, Haustechnik et cetera), originelle wissenschaftliche, mathematische oder ingenieurtechnische Kreativität aufbringt oder wohl abgewogene Entscheidungen trifft (Rechtsprechung, Politik, Gesetzesvollzug), ist vorerst absurde Panikmache. Es ist doch gut, wenn die wirklich Dienstleistenden und Produktiven endlich bemerkt und finanziell angemessen gewürdigt werden und ihnen technisch optimal assistiert wird, um Fehler zu minimieren. Und: Wie viele Menschen können Computer, Smartphones oder die Informationen im Internet in der ganzen Breite der Möglichkeiten souverän nutzen? Nur autodidaktische Nerds! Dort muss Politik in Bezug auf Bildung und Regulierung ansetzen – gern KI-assistiert.
    Klaus Büschel, Bonn

  • Wenn die Hälfte aller Arbeitsplätze abgebaut wird, gibt es eine riesige »Nachfragelücke« (wie Ökonom Keynes das nannte): Entlassene verdienen kein Geld mehr – und wem sollen die Unternehmen dann die ohne menschliche Arbeit hergestellten Produkte verkaufen?
    Peter Schuh, Nürnberg

  • Künstliche Intelligenz ist kein unaufhaltsames Schicksalsmonster, das über uns hereinbricht, sondern das mächtigste Werkzeug zur Lösung unserer drängendsten Probleme – von der Energiewende über die globale Medizin bis hin zur Effizienzsteigerung in einer alternden Gesellschaft. Wer den technologischen Fortschritt allein den Gesetzen des Marktes und dem Egoismus von Techmilliardären überlässt, verspielt die Zukunft des Sozialstaats. Wir brauchen keine Almosenmodelle wie universelle Grundeinkommen, sondern eine demokratische und steuerliche Zähmung dieses entfesselten Kapitals. Wenn die KI-Revolution uns allen nützen soll, müssen die Gewinne und die Verfügungsgewalt über diese neuen Produktivkräfte auch der Allgemeinheit gehören.
    Patrick Kuntz, Heppenheim (Hessen)

  • Zu Ihrer bemerkenswerten Titel­geschichte hier die Fundstelle, in der Karl Marx ankündigt: »Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhende Produktion zusammen.« Sie findet sich auf Seite 593 der »Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie« (Berlin 1974). Detailliert beschrieben hat Marx das allerdings aus einem schlichten Grunde nicht: Von selbst, so wusste er, bricht da gar nichts zusammen – das müssen die Menschen schon selbst bewirken und werden es tun, bevor das Leben im Kapitalismus vollends unerträglich wird. Diese Handlung, für die er folglich zeit seines Lebens zusammen mit seinem Freund Friedrich Engels wirkte, nennt sich sozialistische Revolution. Wer mehr davon wissen will: Uns Marxistinnen und Marxisten gibt es immer noch.
    Manfred Sohn, Vorsitzender der Marx-Engels-Stiftung e. V., Wuppertal

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge.

»Sie halten sich zu sehr an Stilfragen auf«

Der Leser Ode Van Hove aus Bielefeld hat den Leitartikel von Roland Nelles, Leiter des Hauptstadtbüros, über die Führungsschwäche von Kanzler Friedrich Merz kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Eine Auseinandersetzung.

SPIEGEL: Herr van Hove, was hat Sie an meinem Text gestört?

Van Hove: Sie werfen dem Kanzler Führungsversagen vor, dabei hat er bei seiner Personalauswahl einfach nur Pech gehabt. Dass zum Beispiel der Kandidat für das Amt des Verkehrsministers, Herr Güntzler, kurzfristig wieder abspringt, kann man nicht Friedrich Merz anlasten.

SPIEGEL: Aus unserer Sicht hätte das nicht passieren dürfen: Der gesamte Prozess, nicht nur diese eine Personalie, war nicht ausreichend durchdacht und schlecht gemanagt. Merz hat so ohne Not seine Autorität in der Partei untergraben.

Van Hove: Sie halten sich zu sehr mit Stilfragen auf. Sie sollten Merz eher daran messen, was er als Kanzler wirklich für das Land erreicht. Er hat einige wichtige Reformen angeschoben, die überfällig waren. Ich finde auch nicht alles gut, was er macht. Aber das allgemeine Merz-Bashing in den Medien ist völlig unverständlich. Wer soll es denn stattdessen machen? Etwa Hendrik Wüst? Bitte nicht.

Halten Sie die »Rente mit 63« für sozial ungerecht?

Ja

»Die Rente für besonders langjährig Versicherte hätte niemals eingeführt werden dürfen. Sie belastet insbesondere die jungen Beitragszahler unverhältnismäßig.«

Axel Boysen

Nein

»Nach 45 Jahren Arbeit ist man durch – nicht nur als Dachdecker. Auch Menschen mit Bürojobs sind irgendwann nicht mehr aufnahmefähig.«

Philipp Schlichting

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Ärgerlich

Nr. 32/2026 Wie seriös ist Deutschlands größte Sterbehilfeorganisation? 

  • Wenn man Suizide verhindern will, muss es für alle – auch für Kassenpatienten – kompetente Therapeuten und Fachärzte geben. Und für alte Menschen bezahlbare, menschenwürdige Pflegeheime. Stattdessen wird aber gerade da wieder gespart. Wenn sich ein Mensch dann für ein selbstbestimmtes Sterben entscheidet, sollte man das respektieren und ihm das Ende nicht noch schwerer machen. Wenn die Bundesregierung es irgendwann endlich einmal fertigbringen sollte, ein derartiges Gesetz zu verabschieden, befürchte ich leider das Gegenteil. Vor allem durch die CDU/CSU.
    Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt

  • Aus diesem Artikel spricht eine sehr kritische Haltung gegenüber der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. (DGHS) sowie der Suizidhilfe generell. Die Sichtweise Betroffener kommt kaum vor. Warum maßen sich Angehörige und Teile der Gesellschaft an, Sterbewillige zu bevormunden und ihren Entschluss als Ausdruck einer psychischen Störung abzuqualifizieren? Das lobenswerte und klare Urteil des Bundesverfassungsgerichts räumt Hinterbliebenen kein Mitspracherecht ein. Ich bin 76 und seit fast einem Jahr Mitglied der DGHS, weil ich auf keinen Fall in ein Seniorenheim ziehen werde und auch nicht gepflegt werden möchte. Für mich endet meine persönliche Würde mit dem Verlust der Fähigkeit zur eigenständigen Körperpflege oder einer beginnenden Demenz; niemand anderes als ich selbst hat das Recht zu einer solchen Definition. Die Mitgliedschaft in der DGHS gibt mir die beruhigende Gewissheit, meine persönliche Würde wahren zu können.
    Gisela Klein, Würselen (NRW)

  • Ärgerlich, dieser negativ klingende Bericht über die DGHS anhand von wenigen komplex und schwer beurteilbar gelagerten Einzelfällen. Als Mitglied wehre ich mich entschieden dagegen, dass meine hoffentlich noch in weiter Ferne liegende Entscheidung, mein Ende mithilfe der DGHS einzuläuten, von einer zusätzlichen Beratungspflicht erschwert, verzögert und verteuert werden soll. Danke der DGHS für ihre Arbeit – und ja, ich stimme dem Präsidenten Roßbruch zu: Die Forderung nach einer solchen Beratungspflicht ist abstrus.
    Monika Moschko, Winden (Rhld.-Pf.)

  • Die DGHS vermittelt Suizidhilfe. Der Auftrag der vermittelten Juristen und Ärzte (oder selbstverständlich der Juristinnen und Ärztinnen) ist es, bei einem Suizid zu assistieren. Es beruht auf einem schwerwiegenden Missverständnis, von diesen Leuten zu erwarten, dass sie dem Sterbewilligen in der Stunde seines Ablebens mit Alternativen zum Suizid und gegebenenfalls den Bedenken Angehöriger kommen. Die Formulierung »stumpfe Abwicklung« in diesem Zusammenhang empfinde ich als respektlos.
    Renate Birkle, Hamburg

  • Bei drei Beispielen im Artikel hätte doch mindestens eines dabei sein können, das zeigt, wie die DGHS vielen leidenden Menschen ermöglicht, würdevoll und selbstbestimmt aus einem für sie unerträglichen Leben zu kommen, ohne sich vor einen Zug zu werfen oder aus einem Fenster zu stürzen. Und viele Menschen, die ihre leidenden Angehörigen sehr lieben, sind erleichtert, dass es die DGHS gibt, die ihren Lieben hilft, ein für sie unwürdiges Leben und Leiden zu beenden. Für mich ist es ein Segen, dass das Verfassungsgericht der Entscheidung des Einzelnen mehr Bedeutung gibt und so Institutionen wie die DGHS ermöglicht.
    Hans Reidl, Denzlingen (Bad.-Württ.)

  • Sie kritisieren, dass Angehörige sich ausgeschlossen fühlen oder danach unter leicht depressiven Symptomen leiden. Ja, was erwartet man nach einem Suizid? Dafür können nicht die Helfer kritisiert werden. Hätte die Person auf traditionelle Weise ihre Tage selbst beendet, wäre es nicht leichter. Wenn Angehörige, trotz ihrer Nähe und dem zeitlichen Vorlauf, es nicht schaffen, jemanden von seinem Sterbewunsch abzubringen, warum sollten sie es dann von einer DGHS erwarten?
    Karl Jetter, München

  • Was ist so unglaubhaft daran, dass ein alter, kranker Mensch freiwillig sterben will? Er hat das ganze Leben gekämpft, Schule abgeschlossen, Beruf ausgeübt, Kinder geboren, Haus gebaut. Nun ist er alt und krank und möchte gehen. Diesen Wunsch erfüllen wir ihm nicht, wir stecken ihn in eine Psychiatrie. Das zeigt doch, dass es uns gar nicht um den Menschen geht, sondern um uns. Wir wollen nicht allein sein und können unseren Egoismus nicht überwinden.
    Angelika Görbert, Waiblingen (Bad.-Württ.)

Man kann sie nicht genug loben

Nr. 32/2026 So läuft der Wachdienst der DLRG in Berlin-Tegel 

  • Vielen Dank für diesen informativen Bericht über Ehrenamtliche bei der DLRG! Vielleicht werden dadurch Menschen sensibilisiert, sich an Gewässern achtsam zu verhalten – und der eine oder andere registriert die aufgestellten DLRG-Spendendosen in den Geschäften.
    Barbara Knobloch, Essen

  • Seit 13 Jahren bin ich bei der DLRG aktiv, zuletzt als Wachführer und Ausbilder. Ich lebe für mein Ehrenamt, und Ihr Artikel spricht mir aus der Seele: Die unglaubliche Gemeinschaft und das Engagement unter den Rettungsschwimmern, die Nachwuchsförderung und die Begeisterung, jungen Menschen etwas auf ihrem Lebensweg mitgeben zu können, aber auf der anderen Seite auch der Leichtsinn der Badegäste, die zunehmende Ablenkung von Eltern bei der Aufsicht ihrer Kinder. Vielen Dank für Ihren Artikel!
    Alexander Peppel, Bietigheim-Bissingen (Bad.-Württ.)

  • Was für eine großartige, unaufgeregte, höchst wertschätzende Geschichte! Man kann die jungen und nicht mehr ganz jungen Ehrenamtlichen der DLRG gar nicht genug loben für den Einsatz, in dem sie sich die Wochenenden um die Ohren schlagen. In Zeiten, in denen immer weniger Kinder schwimmen lernen, in denen Eltern stundenlang aufs Handy starren, statt sich um den Nachwuchs zu kümmern, haben diese Lebensretter – nicht nur in Berlin – allerhöchsten Respekt verdient. Danke dem SPIEGEL und danke an Pelikan 31.
    Heinz Holtgrefe, Lilienthal (Nds.)

  • Frauke Hunfelds Artikel hat mich sehr angerührt. Ich finde es immens wichtig, dass solches Engagement immer wieder und umfassend in die Öffentlichkeit getragen wird. Und dass die Frauen und Männer das auch noch nur für die Ehre tun, habe ich bisher nicht gewusst. Dabei finde ich schon die »Aufwandsentschädigung« bei der Freiwilligen Feuerwehr beschämend.
    Klaus Kutzner, Greifswald

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