Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Ein unaufgeregter Blick
Nr. 41/2026 Titel: Wer ist wirklich Autist?
Ich möchte Ihnen danken. Dabei geht es nicht so sehr um Ihren aktuellen Titel. Der ist sehr kompetent verfasst, und Sie haben nicht irgendwelche hochintelligenten »Musterautisten« als Protagonisten ausgewählt, sondern ganz normale Menschen, die täglich mit ihrem Schicksal kämpfen müssen. Vor mehr als 25 Jahren haben Sie zum ersten Mal über das Thema berichtet. Damals ging es noch um das Asperger-Syndrom. Durch diesen Artikel haben wir verstanden, was mit unserem damals fünfjährigen Sohn los war. Wir haben erfahren, dass es Experten zu dem Thema gibt, und wir hatten sehr frühzeitig eine eindeutige Diagnose. Niemand in der breiten Öffentlichkeit wusste damals von dem Thema Asperger, aber durch den Artikel hatten wir die Möglichkeit, nach einer passenden Schule und nach unterstützenden Therapien zu suchen. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön.
Jörn Lutat, Mettmann (NRW)Die hervorragende Analyse, wie ADHS- und Autismus-Diagnosen helfen, aus dem »Rattenrennen« des »Turbokapitalismus« auszusteigen, polarisiert unnötig in rechts und links. Robert F. Kennedy Jr. hat in den USA als Anwalt die Umweltbewegung entscheidend vorangebracht. Er versucht nun als Gesundheitsminister, den Einfluss der Pharmaindustrie auf Wissenschaft und Politik einzudämmen. Dass sich Rechtspopulisten der »woken« Inflation von Diagnosen annehmen, ist nicht »befremdlich«, sondern verständlich. Die De-Diagnostik-Debatte in Schweden zeigt, dass Menschen sich nicht nach Diagnosen, sondern nach einem gesünderen Leben sehnen. Und dem kommen wir mit der gegenwärtigen Reform- – sprich Sparpolitik – kein bisschen näher.
Dipl.-Psych. Hanna Tlach, Allensbach (Bad.-Württ.)Ein unaufgeregt und nachvollziehbar formulierter Blick. Er entlastet uns nicht davon, den wirklich schwer Betroffenen sozial und medizinisch zu helfen. Aber die Idee des Gauß-verteilten menschlichen Verhaltens teile ich.
Tobias Sierig, Berlin
»Will er sein Fähnlein in den Wind hängen?«
Der Leser Klemens Hofmann aus Marbach hat das Interview »Wir waren viel zu langsam« mit Verkehrsminister Steffen Bilger (hier die ganze Geschichte ). Redakteur David Böcking hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Herr Hofmann, was hat Sie an unserem Interview gestört?
Hofmann: Mir hat nicht gefallen, dass der Verkehrsminister einfach behaupten konnte, ein Tempolimit bringe wenig für die Umwelt. Das ist laut Studien erwiesenermaßen falsch. Darauf hätten Sie ihn hinweisen müssen.
SPIEGEL: Ich gebe Ihnen recht, wir hätten nachhaken sollen. Das Verkehrsministerium argumentiert jedoch, die berechneten CO₂-Einsparungen seien gering im Vergleich zu anderen Maßnahmen wie einer Ausweitung der E-Mobilität oder des ÖPNV. Angesprochen haben wir ihn ja immerhin darauf, dass eine Mehrheit der Deutschen ein Tempolimit unterstützt.
Hofmann: Und er hat geantwortet, dass es trotzdem viele Menschen verärgern würde. Da habe ich mir gedacht: Will der sein Fähnlein in den Wind hängen? Außerdem hat er behauptet, unsere Autobahnen seien auch für hohe Geschwindigkeiten gut ausgebaut. Aber dadurch lassen sich keine Todescrashs durch Raser verhindern – da spricht einfach die Physik dagegen.
Gewaltige Klatsche
Nr. 40/2026 Der Kanzler gibt den eigenen Leuten Rätsel auf
Der taumelnde Kanzler. Aha. Seit Adenauer taumelten ausnahmslos alle Kanzler irgendwann ihrem Amtsende entgegen. Immer dann, wenn zur Unzufriedenheit des Volkes die Unzufriedenheit der eigenen Partei hinzukam. Und immer ging es nicht unbedingt nur um die Person, sondern auch um die Ansprüche der Einzelnen im Regierungsapparat. Der Unterschied diesmal: Die Wortmächtigkeit eines Helmut Schmidt, die Wirkmächtigkeit eines Willy Brandt oder die bloße Wucht eines Helmut Kohl sind den meisten noch präsent. Nach solchem suchte man schon bei Olaf Scholz vergebens. Man sehnt sich Eigenschaften zurück, die vor allem eines abbilden – Führungsstärke. Die erreicht man nur, wenn man seinen Laden im Griff hat, und das lässt sich von Friedrich Merz nun wirklich nicht behaupten.
Peter Trauden, Heilbach (Rhld.-Pf.)Deutschland braucht Reformen, aber nicht die, die von der CDU propagiert und von einer unsozialen SPD unterstützt werden. Merz, unser Bundeskanzlerazubi, hat einfach nicht verstanden, wie Politik für alle gemacht wird. Man macht in einer Demokratie nicht gegen das Volk Politik. Merz hat jetzt bei drei Landtagswahlen eine gewaltige Klatsche erhalten und setzt stur seine Politik fort, die das Volk aber nicht will. Die CDU ist sogar zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik aus einem Landesparlament geworfen worden. Bei jedem anderen Politiker würde das zu einem Umdenken führen, aber nicht bei Friedrich Merz, dem jegliche Einsicht in sein Unvermögen als Bundeskanzler fehlt. Merz hat ganz klar gezeigt, dass er Kanzler nicht kann.
Manfred Sommerfeld, HamburgRichtig ist, dass eine Politik, die einseitig auf die Interessen von Unternehmen sowie Reichen und Superreichen setzt, nicht mehrheitsfähig ist, sondern nach und nach dazu führt, dass man – wie die FDP auch – an der Fünfprozenthürde scheitert.
Frank Beeger, Pinneberg (Schl.-Holst.)
Halbwahrheiten und Tricksereien
Nr. 40/2026 Die Gefahr in überfüllten Notaufnahmen
Die geschilderte Notlage in den Notaufnahmen der Schwerpunkt- und Zentralversorgungskrankenhäuser in Deutschland entspricht den Tatsachen. Änderungen der Finanzierung bei Notfallaufnahmen sind dringend erforderlich. Beim Eintritt in der Notaufnahme sollte der sogenannte Notfallpatient zu mindestens 100 Euro Kostenerstattung verpflichtet werden. Dass circa zwei Drittel der sogenannten Notfallpatienten wieder nach Hause geschickt werden, ist eine unnötige Beanspruchung von personellen und technischen Ressourcen. Warum werden für eine sogenannte Notfallaufnahme mit allen Erstuntersuchungen nur 32 Euro erstattet, obwohl durchschnittlich 126 Euro Kosten anfallen? In einem Krankenhaus mit circa 30.000 »Notfallaufnahmen« könnten somit bei Vollkostenerstattung circa drei Millionen mehr eingenommen und somit das Defizit bei 70 Prozent der Krankenhäuser reduziert werden. Ist die Hilfe für einen Patienten in Not nicht mehr wert als zwei Kilogramm Rindfleisch oder fünf Kilo Brot?
Franz Engert, Lauda-Königshofen (Bad.-Württ.)Der Artikel spiegelt gut die Situation in den Krankenhäusern wider, wenn es sich auch um ein extremes Beispiel handelt. Mit der Gesundheitsreform soll aber die Finanzierung der Krankenhäuser weiter gekürzt werden. Die generellen Finanzierungskürzungen im Rahmen der Gesundheitsreform begründet Minister Linnemann damit, dass ansonsten die Beiträge steigen müssten. Dies ist ein reines Zugeständnis an die Arbeitgeber. Die Arbeitnehmer und die übrigen Bürger müssen die höheren Kosten sowieso tragen (etwa durch Erhöhung der Zuzahlungen für Medikamente und Zahnersatz), beziehungsweiseLeistungskürzungen in Kauf nehmen. Der Bund selbst setzt die Krankenkassenfinanzierung unter Druck, wenn er für die Bürgergeldempfänger anstelle der erforderlichen neun Milliarden Euro (entspricht der Hälfte der Einsparungen von 18 Milliarden Euro im Rahmen der Gesundheitsreform) nur einige Millionen in das System überweist. Diese Milliarden dürfte der Bund zur Finanzierung der militärischen Aufrüstung und des Ukrainekrieges benötigen. Das sagt sagt Gesundheitsminister Linnemann nicht. Man begnügt sich lieber mit Halbwahrheiten und Tricksereien.
Dr. Hans-Günther Reuther, Bannewitz (Sachsen)
Ja
»Das ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens. Die Unterstützung sollte intensiviert werden, um das Sterben zu beenden und die Sicherheit des freien, souveränen Europas zu bewahren.«
Frank Hubig
Nein
»Wir sind durch das Ausmaß unserer Unterstützung zur Kriegspartei geworden. Das geht zu weit. Ich habe keine Lust, wegen eines Regionalkonfliktes um die Ukraine in einen Weltkrieg mit Russland reinzuschlittern.«
John F. Steegmayer
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Wen interessiert der Volkswille?
Nr. 40/2026 Verkehrsminister Bilger über seine Strategie für die Bahn
Wieso stellt sich unser Verkehrsminister vor die, die sich ärgern, wenn wir ein Tempolimit auf Autobahnen einführen würden? Wieso stellt er sich nicht vor die Mehrheit in unserem Land, die sich ärgert und zittert, wenn ein Geschwindigkeitsjunkie an ihr vorbeidonnert?
Werner Kloos, Königswinter (NRW)Die Führungselite hat nichts aus den letzten Wahlniederlagen gelernt. Die Mehrheit der Deutschen wünscht ein Tempolimit, der Verkehrsminister wischt es zwischen zwei Fragen vom Schreibtisch. Emotionale Diskussion. Fertig. Wen interessiert schon der Volkswille? Herr Bilger ist einer der Wegbereiter für blau-rotes Politchaos.
Jürgen Lindner, NürnbergWarum reagieren die Interviewer des SPIEGEL nicht auf Lügen wie »Ein Tempolimit würde nur einen kleinen Klimaschutzeffekt bringen«? Ich erwarte ehrlichen Journalismus, keinen Kuschelkurs mit Politikern.
Norbert Reisdorff, BonnDer neue Verkehrsminister Steffen Bilger spricht im Interview über verschiedene Verkehrsthemen. Beim Tempolimit ist er wenig zugänglich, obwohl er »einen kleinen Klimaschutzeffekt« einräumt. Hier frage ich: Können wir es uns leisten, auf einen kostenlosen kleinen Klimaschutzeffekt zu verzichten? Angesichts der deutlich sichtbaren Zeichen des Klimawandels, der verheerenden Trockenheit des Jahres 2026? Von der prognostizierten geringeren Anzahl an Verkehrstoten durch Tempo 100 spricht er nicht. Aber er berichtet davon, dass bewusst langsamer gefahren würde »wegen der hohen Spritpreise«. Auch dazu habe ich Fragen: Ist es in diesem Zusammenhang sinnvoll, einen Tankrabatt einzuführen? Wäre es nicht konsequent, zum Tankrabatt parallel ein Tempolimit gesetzlich vorzuschreiben? Wie lässt sich die Mehrheit der Deutschen erklären, dass die Bundesregierung – hier der Verkehrsminister – den folgerichtigen Schritt in die richtige Richtung, nämlich das Tempolimit, seit Jahren strikt (oder stur) entgegen dem Willen der Mehrheit ihrer Wähler verweigert?
Ursula Bartels, Dedenbach (Rhld.-Pf.)Bei all dem Geschwätz über die Bahn wurde nicht erkannt: Die sowieso verspäteten ICEs werden zulasten des Regionalverkehrs unbarmherzig bevorzugt. Mit dem Effekt, dass Hunderte Verbindungen nicht mehr funktionieren, weil ein ICE jetzt nur noch 60 statt 80 Minuten Verspätung hat. Die größte Wählerschar sitzt nicht im ICE, sondern in den Regionalzügen. Tägliche Pendler, Schüler und Familien, die mit dem Deutschlandticket mal unser Land erkunden wollen. Für diese Zielgruppe ist eine Fahrt von A nach B nur noch mit Verspätung zu bewältigen. Von A über B, dann noch C+D bis E zurzeit völlig unmöglich. Man bleibt trotz Planung irgendwo in der Republik hängen.
Ulrich Derndorff, Seesen (Nieders.)
Tränen gelacht
Nr. 40/2026 Bekenntnisse einer Small-Talk-Versagerin
Ich bin erst seit einem halben Jahr Abonnent und freue mich jede Woche auf eine neue Print-Ausgabe. Besonders Artikel wie dieser, die einem ein Schmunzeln entlocken und in denen man sich vielleicht ein kleines bisschen selbst wiedererkennt, machen das Lesen des SPIEGEL, speziell Storys von Sylvie Gühmann, für mich zu etwas Besonderem.
Bastian Althammer, MünchenVielen Dank für diesen Artikel, ich habe Tränen gelacht.
Dr. Marius Schumann, Berlin
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