Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 60 / 62

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Wahlverhalten von Frauen und Männern, Leitartikel über Linke, SPIEGEL-Mediation über AfD-Berichterstattung – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 41/2026

Klischees aufgewärmt

Nr. 40/2026 Titel: Männer rechts, Frauen links 

  • Ich zolle Ihnen meinen tiefsten Respekt für diesen reflektierten und wohlrecherchierten Titelartikel. Mein Wunsch ist, dass wir uns alle – egal, ob Mann oder Frau – einen Spiegel vorhalten und uns fragen, wie wir Vorurteile überwinden und wieder zueinanderfinden können.
    Lutz Alexander, Frankfurt am Main

  • Wann ist Mann ein Mann? In dem Liedtext von Herbert Grönemeyer steckt mehr Informationsgehalt als in diesem SPIEGEL-Titel, der Klischees aufwärmt und AfD-Geschwurbel bedient.
    Harald Dupont, Ettringen / Eifel (Rhld.-Pf.)

  • Warum junge Menschen heute Linke und AfD wählen? Sie haben genug von den etablierten Parteien ihrer Elterngeneration, genug von den derzeitigen Politikerinnen und Politikern der Mitte, die für ihr eigenes Leben finanziell ausgesorgt haben, aber die Sorgen und Nöte der jungen Menschen nicht ernst nehmen. Junge Menschen, die keine Jobs finden und keine Wohnungen bezahlen können, sollen wieder zum Kriegsdienst eingezogen werden. Im Kriegsfall sollen sie gut genug dafür sein, Deutschland mit ihrem Leben zu verteidigen. Alte Menschen werden bald sterben, junge Menschen wollen leben. Weg mit Brandmauern, weg mit Feindbildern, weg mit sinnlosen Investitionen in die Rüstung. Hin zu politischen Verhandlungen, hin zum Gedankenaustausch mit Andersdenkenden, hin zu gemeinsamen Lösungen in der Klimafrage. Hin zum Leben!
    Ute Latendorf, Buxtehude (Nieders.)

München wird deutscher Olympiabewerber – eine gute Wahl?

Ja

»München hat eine bereits exzellente Infrastruktur mit dem Olympiapark und den dortigen Sportstätten. Die Wege sind kurz, die Stadt schön und die Leute offen für ein solches Großereignis, wie die vorherige Abstimmung gezeigt hat.«

Mirko Novák

Nein

»Der ›Ruhrpott‹ hätte die Chance bekommen sollen zu zeigen, dass Deutschland Strukturwandel kann. München kennt jeder als erfolgreichen Tourismus- und Wirtschaftsstandort.«

Markus Bartholomäus

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

So ein Quatsch!

Nr. 39/2026 Leitartikel: Linke stellen die richtigen Fragen, liefern aber falsche Antworten 

  • Oje. Erst das Debakel mit den verunglückten Titelbildern. Und jetzt auch noch kompletter Murks mit Marx. Auf der Basis von altvertrauten Weisheiten der immer wieder hervorgekramten Sekundärliteratur kommt der Autor zu hinlänglich bekannten Parolen vergangener FDP-Parteitage. Liest man dagegen Karl Marx im Original hat man den Eindruck, der Mann lebt im Hier und Jetzt. Ich kann es nur empfehlen!
    Norbert Umlandt, Schrozberg (Bad.-Württ.)

  • Wieso wird ein journalistisch so schwacher Artikel als Leitartikel und nicht als Kommentar bezeichnet? Das autokratische Regime der DDR mit Mamdani und der Linken zu vergleichen, ist der erste von vielen Fehlern. Der Artikel strotzt nur so von Strohmännern. Wer fordert denn, die 257 Milliardäre in Deutschland komplett zu enteignen und dafür alle anderen steuerfrei zu stellen? Niemand. Genauso wenig fordert eine breite Masse, DDR-ähnliche Verhältnisse einzuführen. Der Bundesrepublik geht es wirtschaftlich viel besser, entsprechend hat der Staat das Geld, um Wohnungen instand zu halten. Anstatt nur zu pöbeln, könnte der Autor Lösungsvorschläge machen. Außer dem vagen Vorschlag, die Erbschaftsteuer zu reformieren, bleibt er hier komplett blank.
    Luca Zimmermann, Mannheim

  • Marx’ Analyse, dass die Wirtschaft und ihre Struktur für das Sozialsystem entscheidend sind und nicht die Ideen einiger Führungspersonen, hat sich wohl mittlerweile durchgesetzt. Sein Vorschlag der Enteignung der Produktionsmittel zur Herstellung von Gleichheit hat sich dagegen nicht bewährt. Deswegen wollen weder Mamdani noch Eralp alle Reichen enteignen und ihr Vermögen zu gleichen Teilen auf alle umverteilen. Früher hörte ich oft, wer für Klimaschutz ist, der will, dass wir wieder auf Bäumen leben. Menschen anderer Meinung lächerlich machen, indem man Dinge behauptet, die er oder sie niemals will: Dieses Diskursniveau hat sich zum Glück leicht angehoben. Leider nicht auf allen Feldern und nicht überall.
    Albrecht Ansohn, Potsdam

  • Auch dieser Artikel dient, ob bewusst oder unbewusst, allein der Ablenkung von der für die Gesellschaft überaus maßgeblichen Frage: »Warum werden die – allein in Deutschland 250 – superreichen Milliardäre nicht endlich nach den verfassungsmäßig gebotenen Grundsätzen der Steuergerechtigkeit herangezogen?« Der Reichtum dieser Menschen soll nicht zerschlagen werden, sie sollen dieselben prozentualen Bürden zum Wohl der Allgemeinheit auf sich nehmen wie alle anderen Bürger auch. Dazu gehört, dass die Steuerbehörden Steuerschlupflöcher stopfen und aufgedeckte Steuervergehen umfänglich verfolgen können. Hier ist vor allem die Personalpolitik gefordert.
    Alfred Sebbel, Ahnatal (Hessen)

  • Christian Reiermann schreibt davon, dass Unternehmer voller Edelmut Neues schaffen, das vorher niemandem gehört hat. So ein Quatsch! Sie benutzen dafür Luft, Wasser und Rohstoffe aus dem Besitz der Allgemeinheit, ohne dafür angemessen zu bezahlen. Sogar der Energieverbrauch der Unternehmen wird von allen Steuerzahlern alimentiert. Sie brauchen dafür eine gut ausgebaute Infrastruktur, die vor allem aus den Abgaben der Arbeiter und Angestellten bezahlt wird. Und schließlich wären sie ohne ihre Arbeitnehmer auch völlig aufgeschmissen. Christian Reiermanns Utopie eines radikalen Raubtierkapitalismus ist auf jeden Fall noch viel übler als jeder bisherige Versuch des Kommunismus oder Sozialismus. Immerhin hält auch der Autor eine »Reform der Erbschaftsteuer, die Schlupflöcher für Reiche schließt« für lohnender und wünschenswert. Das lässt doch noch hoffen.
    Wolfgang Schmidt, Lage/Lippe (NRW)

  • Auch wenn ein Leitartikel nur eine Meinung repräsentiert, sollte er nicht offensichtlichen Unsinn propagieren, wie »es gibt wenig, das in Theorie und Praxis gründlicher widerlegt wurde als die Ideen von Karl Marx«. Wenn die Wirtschaftsredaktion einem Autor so was durchgehen lässt, lässt das an ihrer ökonomischen Expertise zweifeln.
    Bernd von Ostrowski, Hamburg

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Leser können sich ihre eigene Meinung bilden«

Die Leserin Brigitte Schellnhuber aus Ingolstadt hat durch die SPIEGEL-Mediation »Wie berichten wir über eine Partei, die uns zu Feinden erklärt?« erfahren, dass der SPIEGEL keine Wortlaut-Interviews mit AfD-Politikern veröffentlicht (hier das ganze Gespräch ). Sie findet das falsch. Redakteurin Susanne Beyer hat sie angerufen.

SPIEGEL: Frau Schellnhuber, Sie finden, der SPIEGEL solle Wortlaut-Interviews mit AfD-Politikern veröffentlichen. Warum?

Schellnhuber: Ich denke, dass der SPIEGEL-Leser gut informiert und vielseitig interessiert ist. Wenn jetzt ein AfD-Politiker im SPIEGEL-Gespräch fragwürdige Aussagen macht, können sich Leser eine eigene Meinung bilden.

SPIEGEL: Haben Sie keine Sorge, dass der SPIEGEL mit solchen Interviews eine Plattform bietet für Desinformation und Fake News?

Schellnhuber: Nein. Journalisten sollten mehr Vertrauen haben in ihre eigene Leserschaft. Sie sollten dem Leser nicht das Denken abnehmen. Und wenn ein AfD-Politiker Ministerpräsident wird, wie das jetzt in Sachsen-Anhalt möglich ist, dann führt doch kein Weg daran vorbei, solche Interviews zu veröffentlichen. Sie tun es mit Vertretern anderer Parteien ja auch. Und übrigens: Meine Meinung hier hat nichts mit meinen eigenen parteipolitischen Vorlieben zu tun.

Beide haben irgendwie recht

Nr. 39/2026 Die Kollegen Ann-Katrin Müller und René Pfister in der SPIEGEL-Mediation 

  • Eine ausgezeichnete SPIEGEL-Mediation, die ich mit großem Interesse und ganz viel Nachdenklichkeit las (wie übrigens auch die entsprechenden Texte aus »Das wird man wohl noch sagen dürfen« in Heft 35/2026). Wenn allerdings Herr Pfister sagt, die AfD sei die derzeit erfolgreichste Partei Deutschlands, darf bitte nicht übersehen werden, dass dies eine rein quantitative, mithin ganz oberflächliche Betrachtung ist. Was hat diese Partei denn bisher geleistet? Wo haben diese Politsektierer bis dato gezeigt, dass sie die drückenden Probleme unseres Landes wirklich lösen und Deutschland wieder auf die Erfolgsspur bringen können? Man kennt krause, rückwärtsgewandte Ideen im Sinne eines Hitlerismus in Tateinheit mit Witwe Bolte (»Wovon sie besonders schwärmt/Wenn es wieder aufgewärmt«). Aber die »erfolgreichste Partei Deutschlands«? Dieser Kotau geht gar nicht, sehr geehrter Herr Pfister.
    Eckhart Boelger, Berlin

  • Dies hätte ein hervorragender Artikel zu einem faszinierenden Thema werden können. Leider war er nach dem Format des »lösungsorientierten Journalismus« aufgebaut. Diese Vorgehensweise wirkt äußerst künstlich, ist eine theoretische Fantasie und zielt darauf ab, zwei Debattierende, unter dem Deckmantel der Suche nach einer Lösung, dazu zu bringen, einander nach dem Mund zu reden. Das macht die Leser nicht glücklicher, und ich bezweifle, dass die Disputanten dabei ein gutes Gefühl davontragen werden. Und es bietet keine wirklichen Lösungen. Was noch wichtiger ist: Harmonisierung oder sogar Gleichmacherei oder Reduktion auf einen Nenner trägt nicht zu gutem Journalismus bei. Lasst den Diskussionsteilnehmern doch den nötigen Freiraum, sie selbst zu sein! Je schärfer sie diskutieren, desto mehr kommen die Fakten und die Wahrheit ans Licht. Was ist falsch daran, zu »sagen, was ist«, und »die Realität so zu beschreiben, wie sie ist, ohne parteiisch zu sein«?
    Raymond Van Dijck, Edegem (Belgien)

  • Danke für das Gespräch der Kollegen Müller und Pfister in Sachen AfD-Berichterstattung; auch uns bei der »Hildesheimer Allgemeinen Zeitung«, bei der ich mich mit Kommunalpolitik befasse, stellt das Thema vor Herausforderungen. Und auch wenn der SPIEGEL die »Lösungen«, die am Ende in einer Zwischenüberschrift angekündigt werden, nicht wirklich liefert: Der Einblick in die Gedanken der Kollegen relativiert meine eigene Unsicherheit und Ohnmacht in Sachen Umgang mit der AfD. Denn tatsächlich haben beide Kollegen irgendwie recht.
    Rainer Breda, Hildesheim

Verspätete Aufklärung

Nr. 39/2026 Das neue Buch »Augstein. Ein deutsches Leben« berichtet von ehemaligen Nationalsozialisten beim SPIEGEL 

  • Soll man nun den SPIEGEL loben dafür, dass er dieses für das Magazin höchst unrühmliche Kapitel – zumindest auszugsweise – auch selbst veröffentlicht, oder ihn eher wegen des späten Zeitpunktes tadeln? Denn die Autoren der Biografie, Martin Doerry und Hauke Janssen, waren ja selbst viele Jahrzehnte im Verlag in herausragenden Positionen tätig. Die Skrupellosigkeit, mit der Augstein in den Anfangsjahren des Blattes Positionen mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern besetzte, dürfte nicht nur den Autoren bekannt gewesen sein. Auf jeden Fall wird einem bei der Lektüre übel, und das Denkmal Augstein wackelt bedenklich. Immerhin – besser spät als nie.
    Hans-Dieter Schabram, Berlin

  • So gut es jederzeit ist, über die NS-Vergangenheit aufzuklären, so geschieht es in Deutschland meist erst, nachdem die Täter Opfer der Biologie wurden. Diese verspätete Aufklärung ist wohlfeil. Da steht der SPIEGEL jenen nicht nach, die den Aufarbeitungsmut erst fanden, als er – pekuniär wie moralisch – nichts mehr kostete, aber Ansehensgewinne einbrachte: wie der Bundesgerichtshof, das Auswärtige Amt, das Bundeskriminalamt, der Bundesnachrichtendienst, dazu Unternehmen und viele mehr.
    Christian von Ditfurth, Autor, Berlin

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