ZERO-Gründer Heinz Mack Ein Kleid aus Licht
Ist die "Kunst am Nullpunkt"? Ja, ist sie, wenn auch nicht finanziell, sondern in einer Ausstellung. Unter diesem Titel feiern zwei Mega-Ausstellungen in New York und im Berliner Martin-Gropius-Bau (bis 8.6.) die ZERO-Bewegung der Fünfziger- und Sechzigerjahre, die in Düsseldorf begann und derzeit ihr Revival feiert.
Einer der bekanntesten ZERO-Künstler war der im vergangenen Jahr verstorbene Otto Piene. Ihm widmete die Neue Nationalgalerie in Berlin zusammen mit der Deutschen-Bank-Kunsthalle eine große Ausstellung; wenige Tage nach dessen Tod hatten sie in Berlin seine Luftskulpturen realisiert. Nun wird auch endlich der ZERO-Gründer Heinz Mack mit einer Einzelschau geehrt - im Museum Frieder Burda in Baden-Baden.
Die Düsseldorfer Mack und Piene waren es, die 1957/58 die Künstlergruppe ZERO gründeten, wenig später kam Günter Uecker dazu. Ein Experiment war ZERO, die Suche nach einer neuen künstlerischen Ausdrucksform im Nachkriegswestdeutschland. Ein Neuanfang sollte es sein, eine "Stunde Null". Ein Motto gab es auch: "Wir leben. Wir sind für alles." Und zu allem gehörte künstlerisch auch das Nichts, nämlich Luft und Licht, Form und Bewegung.
"Das Material muss das Licht lieben"
Und ZERO hielt sich daran: Günther Uecker mit seinen Nagel-Skulpturen, Otto Piene mit seinen Arbeiten im Luftraum und vor allem Heinz Mack mit seinem Wechselspiel von Licht und Schatten. Sie bewiesen, dass man den Ballast einer an ihre Grenzen gekommenen Kunst, vor allem der Malerei, abwerfen kann. So standen sie an einem Nullpunkt, mussten ihre individuellen Schaffenskrisen überwinden und ihre eigenen Themen, Medien und Materialien finden. Für den 1931 im hessischen Lollar geborenen Heinz Mack war es das Licht und seine Magie im Zusammentreffen mit den verschiedensten Materialien.
"Das Licht ist das Kleid der Materie und zugleich der Raum der Materie. Das muss der Bildhauer wissen; das Material bildet den Widerstand des Lichtes, und das geformte Material muss die Kritik des reinen Lichts ertragen. Das Material muss das Licht lieben - sonst rächt sich das Licht." So beschreibt er selbst sein Schaffen.
Welches Medium spiegelt diesen Ansatz besser wider als das Relief, ein durch die Bewegung des Betrachters bewegt erscheinendes Bild, das von der Fläche ausgeht und sich optisch im Wechselspiel von Licht und Schatten selbst mobilisiert. Ab 1960 erhalten Macks Lichtreliefs aus gepressten Metallfolien, Plexiglas und Aluminium dann auch Motoren - die sogenannten Rotoren entstehen. Damit vollzieht Mack einen Sprung zur kinetischen Kunst, in der die Bewegung ein ästhetischer Bestandteil des Objekts ist.
All die verschiedenen Formen des Reliefs stehen nun im Zentrum der aktuellen Heinz-Mack-Ausstellung im Museum Frieder Burda. Die große untere Halle des lichtenen Museums widmet sich vor allem den großen Aluminiumreliefs, die eine eigene kühle Eleganz im Raum verbreiten. Viele von ihnen sind in diesem Umfang zum ersten Mal zu sehen, Mack hat sie erstmalig aus seinem Mönchengladbacher Atelier entlassen.
Das vielfach verwendete Material Aluminium erzählt eine Geschichte: "Es ist das Zeitalter der beginnenden Raumfahrt, die mit dem Flug von Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 ein erstes sichtbares Zeichen im All setzt und mit der Mondlandung am 21. Juli 1969 einen einzigartigen Höhepunkt erreicht, wodurch die neue Kunst wesentlich geprägt wurde", so der Kurator Helmut Friedel. Prägnantestes Material der Raumfahrt war Aluminium. Und so wird der Silberton dieses Metalls zum charakteristischen Merkmal der Kunst der Sechzigerjahre.
Später wendet sich Mack dann von den Weiten des Weltraums ab und den Wellen des Wüstensands zu: Die Sahara wird sein künstlerisches Terrain, hier avanciert er zum Pionier der Land Art, indem er vergängliche Reliefs in den Wüstensand eingraviert.
Noch später wiederum setzt er als Material Gold ein. Seine monumentalen Goldstelen auf der letztjährigen Architekturbiennale, glänzend im abendlichen Sonnenlicht, waren unübersehbar - auch wenn hier der Reiz des Materials im venezianischen Licht wohl etwas überstrapaziert war. In den früheren Arbeiten besticht hingegen die maximale Wirkung minimaler Mittel.
HEINZ MACK. LICHT SCHATTEN. Museum Frieder Burda , Baden-Baden, bis 20.9. 2015. Parallel im Kabinett: Fontana, ZERO und die Folgen