Neo Rauch Bleiche Helden der Arbeit
Sie sind so bunt, die Bilder von Neo Rauch. Smartiesbunt. Doch welche Farben er auch immer auf die Leinwand bannt, stets wirken sie seltsam blass. Als läge ein großer Grauschleier über seinen Gemälden, in denen er Helden der Arbeit zeigt. Helden des sozialistischen Realismus. Helden aus einer untergegangenen, verblichenen Welt.
Der Leipziger Maler Neo Rauch, dem das Münchner Haus der Kunst derzeit eine große Schau widmet und der sich auf dem Weg zum neuen Liebling der westlichen Kunstwelt befindet, entwirft großformatige Kompositionen voller adretter, müde ins Nirgendwo schauender Proletarier. Ingenieure, Bauarbeiter und Forscher hantieren in martialischen Posen mit Presslufthämmern und Spitzhacken, werkeln roboterartig zwischen Fabrikgebäuden und Lagerhallen an der Zukunft einer vermeintlich schönen neuen Welt.
Rauch selbst nennt diese mit dem Rüstzeug der Moderne bewaffneten Figuren "Pappkameraden", womit schon klar wird, dass es ihm nicht um Pathos und Propaganda geht, sondern um ein ironisches Spiel mit dem verblassten Heroenkult.
Kritiker haben dem 40-jährigen Künstler, einst Meisterschüler des umstrittenen DDR-Malers Bernhard Heisig, vorgeworfen, er recycle die Alltagsästhetik des untergegangenen Arbeiterstaats. Das ist nicht ganz falsch, vor allem aber kennzeichnen seine Werke eine verstörende Lähmung, ein erlahmter, manchmal auch bedrohlich wirkender Fortschrittsglaube zwischen Sachlichkeit und Surrealismus, zwischen Agitprop-Montagen und Comic-Elementen. Da hängen leere Sprechblasen in der Luft, quellen Kabel aus kaputten Fernsehgeräten, stehen wacklige, mühsam gestützte Kulissen in der leeren Landschaft herum.
Rauchs Bilder künden von einer gesichts- und geschichtslosen Welt voller überdimensionierter Werktätiger und bunt zerplatzender Ideologien. Zugleich macht er immer auch den Akt künstlerischer Produktion zum Thema. Weshalb oft Tropfspuren oder staffeleiähnliche Gerüste in seinen Bildern auftauchen - eine eigenwillige, bewusst künstliche und höchst interessante Bildsprache. Der Aufstieg von Neo Rauch, der zurzeit in Amerika großen Erfolg hat, scheint jedenfalls unaufhaltsam zu sein: Neben dieser Münchner Schau, die im Sommer nach Zürich wandert, werden ihm in den kommenden Monaten weitere Ausstellungen in Mannheim, Berlin und Leipzig gewidmet.
Neo Rauch: "Randgebiet". Haus der Kunst, München; bis 27. Mai 2001.