Robert-Wilson-Videos: Brad Pitt in Boxershorts - DER SPIEGEL
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Robert-Wilson-Videos: Frau von Teese auf der Schaukel

Foto: Robert Wilson

Robert-Wilson-Videos Brad Pitt in Boxershorts

Der einst gefeierte Regisseur Robert Wilson ist zurück mit Videoporträts von Prominenten wie Johnny Depp, Dita von Teese und Caroline von Monaco. Ja, da gibt's dann auch mal nackte Haut zu sehen. Aber wo bleibt der Spaß?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tankred Dorst

Hamburgs Theater und Bob Wilson , das war eine ganz große Geschichte in den achtziger und neunziger Jahren. Sie begann 1986 mit der "Hamletmaschine", ein Jahr später wurde der Amerikaner für "Parzival" von am Thalia Theater gefeiert, wo er 1990 auch "The Black Rider" als Uraufführung inszenierte. 1991 folgte Wagners "Parsifal" an der Staatsoper. 1992 und 1993 gab Wilson "Alice", 1996 "Time Rocker" und 2000 "POEtry" am Thalia Theater.

Dann verlor man Wilson in Hamburg aus den Augen. Keine Ahnung, ob das Publikum ihn vermisst hat. Zu vermuten ist, dass sich nach so viel Wilson eine gewisse Ermüdungserscheinung am immer gleichen Pathos, den feierlich langsamen Bildern, der geschminkten Androgynität und den routinierten Bizarrerien in perfektem Licht und Kostüm eingestellt hatte.

Aber natürlich gibt es in Hamburg, wie überall, wo er gearbeitet hat, eine Wilson-Fangemeinde. Und für die gibt es am kommenden Freitag etwas zu feiern. Robert Wilson wird von der Freien und Hansestadt Hamburg geehrt: mit der "Medaille für Kunst und Wissenschaft", die ihm die Kultursenatorin in der Kunsthalle überreichen wird, in einer Wilson-Ausstellung mit fünf Videoporträts. 40 weitere Porträts - meist bekannte Künstler, aber auch ein paar Tiere - sind in den Phoenix Fabrikhallen auf großen Flatscreens zu sehen.

Unter Porträts versteht man eigentlich, dass sich im Abbild, egal ob Film, Video oder Foto, die Persönlichkeit des Porträtierten vermittelt. Wilson sieht das anders, ihm gehe es nicht um Interpretationen, sagt er, das sei nicht seine Aufgabe. "Ich bin ein Künstler, kein Philosoph. Ich mache keine Sinndeutungen. Ich mache Kunst."

Brad Pitt

Und "als Kunst" sieht so aus: hinter einem Regenvorhang stehend, in nassen Boxershorts und weißen Socken, eine Wasserpistole in der rechten Hand, die er unsäglich langsam auf den Betrachter richtet und irgendwann abdrückt. Dazu ein gesprochener Text aus "Apple Peaches Pumpkin Pie" und Musik.

Dita von Teese auf einer Schaukel

Ziemlich viel Handlung, jedenfalls im Vergleich mit dem Porträt von Dita von Teese. Die sitzt 3 Minuten und 28 Sekunden lang auf einer Schaukel, nackt bis auf rosa Höschen, Nylons, High Heels und Nipple Covers. Manchmal klimpert sie mit den Wimpern und ein paar Mal wendet sie den Kopf nach oben, von wo Flugzeuglärm zu hören ist.

Johnny Depp

Noch regloser, und das immerhin gut zwölf Minuten lang, ist . Stark geschminkt mit schwarz umrandeten Augen, die sich unaufhörlich röten, hält er sich in femininer Pose einen Fuchspelz an sein Gesicht. Dazu Hundegebell, Telefonklingeln, Radio- und Tropfgeräusche.

Fast neun Minuten lang ist das Porträt des Schriftstellers Gao Xingjian. Sein regungsloses Maskengesicht wird langsam von einer unsichtbaren Feder mit dem Satz "la solitude est une condition necessaire de la liberté" beschrieben. Nach zwei Minuten ist der Satz fertig, der Mann öffnet langsam die Augen, blinzelt, die Schrift verschwindet, er schließt die Augen, und alles wiederholt sich.

Caroline von Monaco im eleganten Kleid

Caroline von Monaco

So ähnlich sind alle Porträts. Wilson diktiert, er gibt Anweisungen, zum Beispiel wie der kleine Junge namens Alexis Broschek im blauen Anzug seine grüne Fuchsmaske in Zeitlupe abzunehmen hat und wie er die Mundwinkel langsam zu einem Lächeln hochziehen soll. Oder er manipuliert mit ausgeklügeltem Licht und gibt dem schwarzen Schattenriss von in siebeneinhalb Minuten immerhin einen hellen Rückenschlitz ins elegante Kleid und für kurze Zeit auch ein Profil.

"Absolut Wilson" ist das alles, perfekter Stummfilmpathos und Drag-Queen-Glamour in ausgeklügelten Farben, strategische Ästhetisierung und possierliche Stilisierung, viel glitzernde Oberfläche und intensive Leere, die an edles Kunsthandwerk und Design denken lässt.

Ironie? Die gab es bei Wilson noch nie.


Robert Wilson. Video Portraits. Hamburg. Kunsthalle , Galerie der Gegenwart (5 Porträts) und Sammlung Falckenberg  in den Phoenix Fabrikhallen (rund 40 Porträts). 17.10. 2009 - 10.1.2010; Wilsons Videos  im Netz.