Schwabinger Kunstfund: Gurlitt-Taskforce zieht Bilanz - DER SPIEGEL
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Abschlussbericht der Gurlitt-Taskforce Etikettenschwindel

Kulturstaatsministerin Grütters versucht ein Kunststück: Sie lobt die Arbeit der "Taskforce Schwabinger Kunstfund". Dabei hat das Expertengremium von 499 Kunstwerken aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt nur die Herkunft von elf Bildern genau geklärt.
Ingeborg Berggreen-Merkel (links) mit Monika Grütters: "Ein Pilotprojekt"
Ingeborg Berggreen-Merkel (links) mit Monika Grütters: "Ein Pilotprojekt"

Ingeborg Berggreen-Merkel (links) mit Monika Grütters: "Ein Pilotprojekt"

Foto: Jörg Carstensen/ dpa
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Angestrengt wirkte das Lächeln von Monika Grütters (CDU) in dem Moment, als ihr Ingeborg Berggreen-Merkel, die Leiterin der "Taskforce Schwabinger Kunstfund", an diesem Donnerstag den Abschlussbericht des Expertengremiums überreichte.

Nachdem sie für die Fotografen posiert hatte, lobte die Staatsministerin für Kultur tapfer die Arbeit der Taskforce. Das Gremium war vor zwei Jahren gegründet worden, um die Herkunft der Bilder zu klären, die Cornelius Gurlitt von seinem Vater, dem Nazi-Kunsthändler Hildebrandt Gurlitt, geerbt hatte.

Die Expertengruppe sei die "richtige Antwort" gewesen, sagte Grütters, "ein Pilotprojekt, für das es keine Vorbilder gab" und gleichzeitig ein "politisches Signal der Transparenz".

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Laut ihrem Abschlussbericht hat die Taskforce 499 Kunstwerke untersucht, die in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt beschlagnahmt wurden und bei denen der Verdacht des "verfolgungsbedingten Entzugs" in der NS-Zeit gegeben war.

Von diesen 499 Werken konnte die Expertengruppe bei lediglich elf die Provenienz zweifelsfrei klären. Bei vier dieser Werke bestätigte das Gremium einen "verfolgungsbedingten Entzug", bei fünf Werken wurde dies ausgeschlossen. Vier Bilder wurden an die Erben der einstigen jüdischen Besitzer zurückgegeben. Bei 152 Werken konnte die Taskforce nur "geringe", bei 143 "keine Provenienzhinweise" ermitteln.

Ausgerechnet Ingeborg Berggreen-Merkel

Mit dem Begriff "Taskforce" wird gewöhnlich eine schlagkräftige Einsatzgruppe assoziiert, die zügig ihren Auftrag erfüllt. Die Taskforce Schwabinger Kunstfund ist, so betrachtet, ein krasser Etikettenschwindel. Für sie gilt das gerne von Joschka Fischer zitierte Wort: "Als Tiger losgesprungen, als Bettvorleger gelandet."

Schon nachdem die Bundesregierung im November 2013 beschlossen hatte, die Taskforce zur unverzüglichen Aufklärung zusammenzurufen, fiel die erste nicht nachvollziehbare Entscheidung. Zur Leiterin der Truppe wurde ausgerechnet Ingeborg Berggreen-Merkel berufen. Sie war als stellvertretende Kulturstaatsministerin frühzeitig über die Beschlagahme der Gurlitt-Sammlung informiert worden, aber hatte die brisante Angelegenheit völlig unterschätzt.

Es dauerte drei Monate, bis Berggreen-Merkel die Mitglieder der Taskforce benannt hatte, doch in der 15 Köpfe starken Gruppe fand sich nur eine einzige aktive Provenienzforscherin. Die große Mehrheit vertrat Institutionen aus insgesamt sieben Ländern, die aus diplomatischen Gründen benannt worden waren, wie das polnische oder französische Außenministerium. Die Mitglieder waren zudem mit ihren Jobs voll ausgelastet. Die Arbeit in den Archiven, an den Quellen, leisteten dann rund 30, oft unerfahrene Hilfskräfte.

Von Anfang an schief gegangen

Schon zuvor war so gut wie alles schief gegangen mit der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt. Als die Staatsanwaltschaft Augsburg Ende Februar 2012 in Gurlitts Münchner Wohnung mehr als 1280 Bilder beschlagnahmt hatte, tat sie das ohne ausreichende rechtliche Grundlage. Erst bald ein Jahr später zogen die bayerischen Strafverfolger eine einzige Berliner Kunsthistorikerin hinzu, um die Herkunft der Bilder zu klären. Sie war hoffnungslos überfordert.

Das Nachrichtenmagazin "Focus", das im November 2013 erstmalig über die Sammlung berichtete, fabulierte dann von Milliarden Euro teuren Bildern, viele davon Raubkunst. Daraufhin behauptete Ronald Lauder, Kosmetik-Erbe, Kunstsammler und Vorsitzender des Jüdischen Weltkongresses, dass die deutschen Amtsstuben voll von Bildern seien, die in Nazi-Deutschland Juden geraubt worden waren. Den Bericht der Taskforce nennt Lauder jetzt "mager und unbefriedigend".

Gurlitt starb im Mai 2014. Entnervt von der unmöglichen Behandlung durch die bayerischen Behörden hatte er in seinem Testament verfügt, dass das Kunstmuseum Bern die Bilder erben sollte. Eine Cousine Gurlitts klagte allerdings gegen die Erteilung des Erbscheins an die Schweizer, das letzte Urteil des Oberlandesgerichts München steht noch aus.

Kulturstaatsministerin Grütters erklärte im November 2014, dass sich "Deutschland seiner historischen Verantwortung" stelle. "Wir werden alles in unserer Möglichkeit stehende tun, um NS-Raubkunst zeitnah an die Nachkommen der Opfer des NS-Regimes zurück zu geben."

"Bestenfalls ein Zwischenbericht"

Heute spricht sie vage von einer "vielleicht endlosen Recherche". Die Taskforce, deren Kosten sich auf knapp 1,9 Millionen Euro beliefen, hat ihre Arbeit jedenfalls zum Ende des Jahres eingestellt. Demnächst soll das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste die ewige Recherche übernehmen.

Die Taskforce-Mitglieder, die nicht Deutsch sprechen, wissen leider nicht, was Berggreen-Merkel auch in ihrem Namen vorgelegt hat, sie konnten den Entwurf des Abschlussberichtes nicht lesen, da er nur auf Deutsch vorlag.

Ruediger Mahlo, Vertreter der Jewish Claims Conference in Deutschland, konnte das kryptische Werk vorab gründlich studieren und sagte, es sei "bestenfalls ein Zwischenbericht".

Die Arbeit des Expertengremiums sieht er generell kritisch: "Mangel an Transparenz und administratives und operatives Missmanagement werden von den Mitgliedern der Taskforce beklagt." Aus Sicht der Holocaust-Opfer sei die Bilanz der Taskforce "mehr als enttäuschend".