Theater: Neuer Herr aus eigenem Haus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Theater Neuer Herr aus eigenem Haus

Der aus Dresden stammende Regisseur und Schauspieler Hasko Weber wird neuer Intendant des Stuttgarter Schauspielhauses. Weber, bislang Hausregisseur, soll ab 2005 die Nachfolge des nach Hamburg wechselnden Friedrich Schirmer antreten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart - Das Stuttgarter Intendanten-Quartett ist wieder vollzählig: Nachdem erst kürzlich Albrecht Puhlmann die Leitung der Stuttgarter Oper übernommen hat, ist nun mit Hasko Weber auch der Chefsessel im benachbarten Schauspielhaus wieder besetzt. Die Findungskommission informierte den Verwaltungsrat des Staatstheaters am Montag über ihren Vorschlag.

Weber, der bisher als Hausregisseur in Stuttgart arbeitet, soll in zwei Jahren den amtierenden Theaterchef Friedrich Schirmer ablösen, der an das Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg wechselt. Am Freitag soll der 40 jährige Dresdner in Stuttgart offiziell als neuer Intendant vorgestellt werden.

Weber, der sich die Verantwortung mit Johanna Heidrich teilen wird, sprach in diesem Zusammenhang bereits von einer Leitung mit "Doppelspitze". Heldrich ist derzeit noch Leiterin des "Theaters in der Fabrik" in Dresden. Welche Stellung sie genau in Stuttgart einnehmen wird, ist noch unklar. Während sich die Suche nach einem Opern-Chef schwierig gestaltet hatte, bis man in Hannover fündig wurde, konnten die Theater-Kollegen recht zügig einen Nachfolger aus den eigenen Reihen rekrutieren.

Regiedebüt in Stuttgart mit Ibsen

Webers erste Inszenierung, das sperrige Ibsen-Drama "Brand", wurde mit dem Bayerischen Theaterpreis in der Sparte Schauspiel ausgezeichnet, es folgten "Peer Gynt" und am vergangenen Samstag die musikalische Komödie "Die Drei von der Tankstelle".

Vor allem bei "Brand" und "Die Drei von der Tankstelle" wurde deutlich, wofür Webers Regieführung bereits oft gelobt worden ist: Er besitzt keinen festen Stil und entwickelt spezielle, kaum wiedererkennbare Interpretationen für die jeweiligen Texte. Außer mit Klassiker-Inszenierungen wie "König Ödipus", "Antigone", "Hamlet" und "Wallenstein" machte Weber auch durch seine Interpretation der Heiner-Müller-Stücke "Der Auftrag" und "Hamletmaschine" von sich reden. Seine Arbeit für die Mannheimer Schillertage 2001 fand große Beachtung.

Die ersten Lorbeeren verdiente sich Weber noch zu DDR-Zeiten als Schauspieler in Chemnitz, später dann als Mime, Regisseur und schließlich Schauspieldirektor in Dresden. Bereits damals hatte Weber für "das Theater als Ort authentischer Ereignisse" plädiert. "Die Kraft liegt auch in der Authentizität der Schauspieler auf der Bühne", sagte Weber gegenüber dpa am Montag.

"Fairer Wechsel mit neuen Zielen"

Der Wechsel von Schirmer und zu seiner Leitung solle "fair und mit neuen Zielen" ablaufen, kündigte Weber an. "Wir werden gemeinsam den Wechsel in Angriff nehmen, es läuft aber auf einen Neubeginn 2005 hinaus." Er wolle auch künftig Stücke inszenieren und in Zusammenarbeit etwa mit Universität und Schauspielschule" ein vitales und geistiges Zentrum" am Theater schaffen, erklärte der Dresdner.

Mit der Nominierung Webers dürft den Verantwortlichen in Stadt und Land ein Stein vom Herzen gefallen sein. Wegen des Weggangs von Opernchef Klaus Zehelein und Schauspiel-Intendant Schirmer waren sie zuvor heftig in die Kritik geraten. So aber können sie noch vor Weihnachten die neue Staatstheater-Quadriga präsentieren und mit den Planungen für die Bühne und damit auch die Kassen der Häuser beginnen. Zudem ist der neue Mann im Schauspielhaus bestens mit Strukturen und Ensemble vertraut, so dass es nur wenig Sorgen um eine neue Bühnenmannschaft geben dürfte.

Martin Dommer

Mehr lesen über