Zum Tod von Gunther von Hagens Der Plastinator
Anatom Gunther von Hagens
Foto: Christoph Schmidt / dpaFür sein Schaffen brauchte er die Körper anderer Menschen. Gunther von Hagens spülte das Blut aus und tauschte in einem von ihm erfundenen Verfahren das Wasser und Fett im Gewebe gegen Kunststoff aus, der aushärtete. So entstanden lebensechte Präparate mit ungekannten Eigenschaften: Sie waren geruchsfrei, trocken und so robust, dass sie sich von Ort zu Ort transportieren ließen. Der promovierte Mediziner stellte seine plastinierten Menschen von 1995 an aus, gern in provokanten Posen: Da war der Körper eines gehäuteten Mannes, der sich über ein Schachbrett beugte. Die Schädelkalotte wurde mit der Säge entfernt, das Gehirn war zu sehen. Viele Millionen Menschen weltweit sind in »Körperwelten«-Ausstellungen geströmt, die übrigens bis heute laufen. Die Schau war anfangs heftig umstritten. Ein Kieler Anatom warf Hagens vor, Körperspender für ein »Kasperletheater« zu missbrauchen. Die Universität Heidelberg verließ er im Streit. Hagens genoss den Ruhm. Stets trug er einen Filzhut und nahm den klangvollen Namen seiner ersten Frau an, geboren war er als Gunther Liebchen. Die akademische Anerkennung bekam er in Kirgisistan, wo man ihn zum Ehrenprofessor berief. Hagens gründete ein Institut in der Hauptstadt Bischkek des zentralasiatischen Landes, wohl auch weil es gute Bedingungen bot: Körper, auf die niemand Anspruch erhob, fielen in die Hände der Anatomen. 2008 erkrankte er an Parkinson. Zu Lebzeiten hatte er angekündigt, dass er der Nachwelt als Plastinat erhalten bleiben wolle. Jetzt wird sich zeigen, ob es so kommt. Gunther von Hagens starb im Alter von 81 Jahren in Heidelberg.