meinung •Zum 30. Geburtstag Bitte komm zurück, Harry Styles
Steht für eine neue, weicher wirkende Männlichkeit: Harry Styles (beim Coachella, 2022)
Foto:Kevin Mazur / Coachella / Getty Images
Wie Harry Styles heute wohl seinen 30. Geburtstag feiert? Wir können nur raten. Denn seit er im Juli 2023 seine internationale Konzerttournee »Love On Tour« beendet hat, ist es ruhig geworden um den britischen Sänger. Ab und zu ein Schnappschuss von Styles und Schauspielerin Taylor Russel, begleitet von Dating-Gerüchten, zuletzt ein Aufschrei in den sozialen Netzwerken, als er sich einen neuen Kurzhaarschnitt zulegte, mehr hört und sieht man nicht von ihm.
Nach zwei Jahren Tour macht Styles eine Pause – die vermutlich auch dringend notwendig war. Trotzdem finde ich: Harry, es wird Zeit für ein Comeback!
Die Welt braucht »Kindness«
»Treat People With Kindness«. Das ist nicht nur ein Song auf Styles’ zweitem Album, »Fine Line«, der Satz hat sich längst zur tragenden Image-Säule des Sängers entwickelt: Auf seinen Konzerten stehen die Nettigkeit und das Miteinander im Mittelpunkt.
Ich erinnere mich an mein erstes »Love On Tour«-Konzert: vorletzte Reihe im Hamburger Volksparkstadion, Harry Styles vorn auf der Bühne bloß ein hüpfender gelber Fleck, kaum größer als mein Daumennagel. Das war mir aber egal, denn wichtiger als das, was auf der Bühne passiert, ist bei Styles’ Konzerten das, was davor geschieht. Wo Menschen glücklich Hand in Hand tanzen, meterlange Polonaisen bilden und sich bei Balladen auf den Rücken legen und die Augen schließen. Es ist genau dieses Gefühl von Gemeinschaft, das wir gerade gebrauchen könnten.
Fans auf einem »Love On Tour«-Konzert: Gemeinsam ganz viel fühlen. Foto: Lloyd Wakefield
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Manche sagen, dass viel von Styles’ nettem Image reine PR sei, eine fein ausgeklügelte Imagestrategie, um vor allem junge Frauen zu begeistern. Ich habe den Sänger 2018 zufällig getroffen – als er in das Café kam, in dem ich damals arbeitete. Von Abgehobenheit keine Spur, selbst der Kellnerin (also mir) gegenüber nicht. Styles ist auch im echten Leben nett.
Ein queerer Safe Space
Noch aus einem anderen Grund brauchen wir Styles wieder: Im Landtag von Baden-Württemberg wird über ein »Genderverbot« gestritten, im Fußballstadion halten Fans ein Banner in die Höhe, das behauptet, es gebe »nur 2 Geschlechter«. Vielleicht merkt man es noch nicht überall, aber da rollt ein konservativer Backlash an – der vor allem queere Menschen bedroht. Deshalb brauchen wir Safe Spaces. Solche wie Styles’ Konzerte. Denn dort empowert er seine Fans, sich zu outen (wenn sie mögen!), begleitet von Jubel und geschwenkten LGBTQ-Flaggen.
Obwohl er sich zu seiner Sexualität nicht klar positioniert, weicht er auch in seiner Selbstdarstellung die Geschlechtergrenzen auf: Styles trägt Perlenketten und Kleider, Pastellfarben und Klammern in den Haaren. Mit »Pleasing« hat er außerdem eine Marke für Pflegeprodukte geschaffen. Styles steht für eine neue, weicher wirkende Männlichkeit. Eine, in der alle Gefühle erlaubt sind, Härte nicht glorifiziert wird und »Kindness« geübt wird. Davon können wir gut mehr gebrauchen, gerade jetzt.
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Klar, eigentlich soll Harry heute beim Ausblasen seiner Geburtstagskerzen einen Wunsch ins Universum schicken. Aber ich möchte auch einen an ihn senden: Happy Birthday, Harry – du fehlst uns, bitte komm zurück!