Zum Tode der Holocaustüberlebenden Edith Eger Alles ist jetzt
Psychologin Eger 2019 in San Diego: »Wir können uns aussuchen, dass wir frei sein wollen«
Foto: Howard Lipin / ZUMA Press / picture allianceDie im damals tschechoslowakischen Košice geborene Tochter jüdischer Eltern wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Ihre Eltern wurden in dem Vernichtungslager ermordet, der KZ-Arzt Josef Mengele habe die Selektion vorgenommen, berichtete sie später. Eger überlebte, emigrierte in die USA und wurde dort eine erfolgreiche Psychologin. Sie beschäftigte sich immer wieder mit posttraumatischen Belastungsstörungen.
Lange habe sie ihre Erfahrungen im Lager zu »begraben« versucht, so Eger. Ihre Lebensfreude habe sie erst wiedergefunden, nachdem sie viele Jahre später nach Auschwitz zurückgekehrt sei. Nur so habe sie ihre »Unschuld zurückgewinnen« und die »Scham und Schuld« den Tätern zuweisen können.
Über ihr Leben veröffentlichte Eger 2017 das Buch »The Choice«, das unter dem Titel »Ich bin hier, und alles ist jetzt« auf Deutsch erschien. »Wir können uns kein Leben ohne Leid aussuchen«, schrieb sie darin. »Aber wir können uns aussuchen, dass wir frei sein wollen, dass wir die Vergangenheit hinter uns lassen, egal, was uns zustößt.«
Basierend auf ihren eigenen Erfahrungen entwickelte Eger Ratschläge, wie Menschen ihr Leben selbstbestimmt führen können, und ermutigte Frauen, sich nicht von Männern definieren zu lassen. Edith Eger starb im Alter von 98 Jahren.