"Black Hawk Down": Aliens in Afrika - DER SPIEGEL
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"Black Hawk Down" Aliens in Afrika

1993 erlebten die Amerikaner in Somalia ihren blutigsten Militäreinsatz seit Vietnam. Regisseur Ridley Scott und Produzent Jerry Bruckheimer machten aus den bedrückenden Tatsachen ein kunstvolles, aber inkonsequentes Kriegs-Epos, das sich hinter Helden und Effekten versteckt.
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Basierend auf dem Bestseller-Tatsachenbericht des Journalisten Mark Bowden, beschwört "Black Hawk Down" eine der unrühmlichsten Episoden der amerikanischen Militärgeschichte auf die Kinoleinwand. Anfang der neunziger Jahre eskalierte in dem ostafrikanischen Staat Somalia ein blutiger Bürgerkrieg, angezettelt von dem lokalen Warlord Mohammed Farrah Aidid. Angesichts des gewaltsamen Todes mehrerer Hunderttausend Somalis verabschiedete die Uno eine Resolution und entsandte internationale Schutztruppen ans Horn von Afrika, unter anderem einige Tausend amerikanische Elite-Soldaten, die für Hilfsgüter-Zufuhr und Wiederherstellung der inneren Ordnung des Landes sorgen sollten.

Der Film erzählt uns diese Hintergründe zu Beginn in kurzen Textzeilen über arabisch gefärbter Musik und ästhetisierten Zeitlupenbildern vom Elend des Bürgerkriegs, bis wir uns in einem Stützpunkt der US-Truppen nahe der somalischen Hauptstadt Mogadischu befinden. Die ungeduldigen Amerikaner, schon sechs statt der von Washington geplanten drei Wochen im Afrika-Einsatz, planen einen Übergriff auf zwei wichtige Gefolgsleute des Tyrannen mitten in der Höhle des Löwen - im inneren Kern der Stadt, der von Aidids Milizen kontrolliert wird.

Ausgerüstet mit modernstem Hi-Tech-Kriegsgerät, "Hummer"-Fahrzeugen und "Black Hawk"-Hubschraubern sollen Einsatztrupps aus zackigen Ranger-Soldaten und markigen "Delta Force"-Cowboys die beiden Funktionäre aus einem Gebäude entführen. Länger als eine knappe Stunde soll die ganze Aktion nicht dauern - ein präziser, gewaltloser und möglichst unauffälliger Nachmittags-Spaziergang für die durchtrainierten, perfekt gedrillten Boys aus Amerika.

Am Morgen danach sind 18 US-Soldaten und mehrere Tausend Somalis tot, zwei Hubschrauber zerstört und das Selbstbewusstsein der Amerikaner ist - zumindest vorübergehend - geschwächt. Die minutiös geplante Aktion scheitert an der arroganten Überheblichkeit der US-Militärs, deren westliche Techno-Logistik in den fremden Gesetzmäßigkeiten des afrikanischen Kontinents versagt - und an einer Kette tragischer Missgeschicke. "Black Hawk Down" rekapituliert den blutigsten Einsatz der amerikanischen Armee seit Vietnam in einer mehr als zweistündigen Chaos-Orgie aus herumfliegenden Geschossen und Gliedmaßen, Schmutz, Lärm und Männerschweiß.

Regisseur Ridley Scott, verehrt für seine Science-Fiction-Klassiker "Alien" und "Blade Runner", begehrt nach seinem erfolgreichen Sandalen-Epos "Gladiator", tat sich für seinen ersten Kriegsfilm mit dem Hollywood-Produzenten Jerry Bruckheimer zusammen, bekannt für effektgeladene Action-Opern wie "Pearl Harbor" und "Armageddon". Das unangenehm unpassende dieser Paarung ist auf der Leinwand ständig präsent. "Black Hawk Down" schwankt zwischen militärpropagandistischer Heldenverehrung und dokumentarischer Härte. Zusammengekittet wird, was eigentlich nicht zu zusammen passt, nur von Scotts immer noch visionärer Bildsprache, die Kameramann Slavomir Idziak, einst ein Schüler Krzysztof Kieslowskis, mit satten Farben und überwältigenden Eindrücken umsetzt.

Doch zunächst gehorcht der Film den einfachsten Hollywood-Mustern. In aller Eile werden wir mit den wichtigsten Klischee-Charakteren versorgt: dem idealistischen jungen Sergeant, der sorgenvoll sein erstes Kommando übernimmt (Josh Hartnett), dem lakonischen Frontschwein, das auch im ärgsten Kugelhagel noch aufrecht steht (Tom Sizemore), dem kriegserprobten Profi, den alles kalt lässt, nur nicht das Schicksal seiner Männer (Eric Bana), und dem 18-jährigen Frischling (Orlando Bloom), der zu Beginn des Einsatzes mit einem unvorhersehbaren Sturz aus dem Helikopter eine verhängnisvolle Kettenreaktion auslöst.

In der außerplanmäßigen Verwirrung wird eines der vermeintlich unbesiegbaren Luftschiffe angeschossen und muss mitten im feindlichen Teil der Stadt notlanden. Von nun an bis zum Ende des Films geht es nur noch darum, aus dem Hexenkessel wild um sich schießender Milizen wieder zu entkommen - ohne einen verwundeten oder toten Kameraden zurückzulassen. So will es der eherne Corps-Geist des US-Militärs, verkörpert von General William Garrison (Sam Shepard), der den Einsatz seiner Männer allerdings wie ein Videospiel-Stratege an den Satelliten-Bildschirmen und Funkgeräten im sicheren Hauptquartier verfolgt.

Um die politischen Hintergründe des somalischen Bürgerkriegs und etwaige moralische Aspekte einer militärischen Einmischung in die Belange einer anderen Nation, geht es an diesem Punkt schon lange nicht mehr. Scott schickt den Zuschauer zusammen mit den Soldaten mitten ins Kampfgetümmel und konzentriert sich auf das Auseinanderbröseln einer wahnwitzigen Aktion und auf das Schicksal jener Männer, deren verdreckte und verwundete Gestalten man alsbald kaum noch voneinander unterscheiden kann.

Die Somalis, im harten Slang der US-Soldaten "Skinnies" genannt, werden allerdings noch weniger differenziert. Ob harmlose Zivilisten oder gefährliche Milizen - sie existieren nur als unsichtbare und gesichtslose Bedrohung, wie die tödlichen Monster in "Alien", die strahlenkranken Nachtgeschöpfe in "Omega Man" oder die marodierenden Banden in John Carpenters "Assault - Anschlag bei Nacht". Seit den goldenen Tagen des Indianer-Westerns sind es immer wieder tapfere Amerikaner, die sich selbst, ihr Fort, ihre Freiheit und ihre westlich-demokratischen Werte gegen das unzivilisierte Fremde verteidigen müssen. Daran hat sich auch im modernen Kriegsfilm kaum etwas geändert.

Nur, dass es im Straßenkampf von Mogadischu keine rettende Festung gibt, hinter deren Palisaden sich die Männer mit den weißen Hüten verschanzen könnten. Hier zeigt "Black Hawk Down" vielleicht unfreiwillig die groteske Situation des Weltpolizisten USA, der fernab der Heimat - ob nun in Somalia, Vietnam oder Afghanistan - schnell selbst zum Fremdkörper wird. Am Anfang des Films blitzt zumindest ein bisschen Kritik auf, als Garrison sich mit einem somalischen Waffenhändler, der Aidid unterstützt, unterhält. "Was wollt ihr hier?", fragt der schwarze Mann den selbstgefälligen General, "das hier ist nicht Euer Krieg".

Doch dieser durchaus interessante Faden wird leider nicht weiter gesponnen. Am Ende, nach einem rasanten, knapp zweistündigem Effekt- und Pyrotechnikgewitter, laufen die überlebenden Soldaten wie Football-Stars in ein von UN-Truppen kontrolliertes Stadion am Stadtrand ein. Sie haben doch noch ein sicheres Fort gefunden, das Schutz vor den bösen Wilden bietet.

An diesem Punkt scheint Scott die Regie endgültig an Bruckheimer übergeben zu haben. "Es ist nur Krieg" und "Es geht nur um den Mann neben dir, das ist alles", sagt der abgebrühte Profi lakonisch zu dem jungen Sergeant, bevor er sich wieder in den Straßenkampf stürzt, um noch mehr verwundete Kameraden zu bergen. Das ist Holzschnitt, wie Hollywood ihn liebt. Währenddessen hat sich General Garrison aber doch noch zu seinen Truppen bequemt und müht sich in einer wundervoll symbolischen Szene damit ab, im Lazarett vergossenes Blut vom Boden zu wischen - natürlich erfolglos.

Keineswegs erfolglos war "Black Hawk Down" an der amerikanischen Kinokasse. Trotz eines umstrittenen Filmstarts am 28. Dezember 2001, nur wenige Monate nach den tragischen Anschlägen vom 11. September, spielte das Epos seine 95 Millionen Dollar Produktionskosten schnell wieder ein. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Scotts durchaus ambitionierte Umsetzung einer ebenso wahren wie irrwitzigen Kriegs-Begebenheit am Ende doch nur wenig Antikriegsfilm, dafür aber jede Menge patriotisches Militärgetöse und - zugegeben - packende Actionsequenzen bietet.

In seinem offensichtlichen Versuch, Francis Ford Coppola ("Apocalypse Now") und Steven Spielberg ("Der Soldat James Ryan") an Ausstattung und Eindringlichkeit zu übertrumpfen, entglitt dem Briten leider die Distanz und das kritische Bewusstsein für seine Materie. Immerhin eines Erfolgs kann er sich dennoch rühmen: Künstlerischer, stilisierter und farblich durchkomponierter hat man den Krieg auf der Leinwand noch nicht gesehen. Ein perfektes Spiegelbild der modernen Kriegsführung und ihrer Playstation-Ästhetik, die demnächst via CNN wieder auf unserem Fernsehschirm zu sehen sein wird - diesmal nicht aus Mogadischu oder Kabul, sondern aus Bagdad.

"Black Hawk Down". USA 2001. Regie: Ridley Scott; Buch: Mark Bowden (Vorlage), Ken Nolan; Darsteller: Josh Hartnett, Tom Sizemore, Sam Shepard, Eric Bana, Ewan McGregor, William Fichtner, Orlando Bloom; Produktion: Scott Free Productions, Jerry Bruckheimer Films, Revolution Studios, Columbia Pictures; Verleih: Senator; Länge: 144 Min.; Start: 10. Oktober 2002