Box Office Borat schlägt den Weihnachtsmann
Los Angeles/Hamburg - Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es nicht schwer ist, sich gegen Tim Allen durchzusetzen, zumal der Comedy-Veteran ("Home Improvement") in "Santa Clause 3" bereits zum drittenmal als Weihnachtsmann auftritt. Dennoch war die familientaugliche Weihnachts-Sause als Gewinner des Wochenend-Box-Office gesetzt. Dass der britisch-jüdische Komiker Sacha Baron Cohen mit seiner politisch unkorrekten Satire "Borat", einem kruden Vergnügen, aus dem Stand 26,4 Millionen Dollar einspielen würde, damit hatte niemand gerechnet. Zumal "Borat" mit der eher bescheidenen Kopienzahl von 837 eingesetzt wurde und auch noch einen abschreckenden Untertitel ins Feld führt: "Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan". "Santa Clause 3: The Escape Clause" lief gleichzeitig in 3458 Kinos an.
Amerikaner lachen also lieber über einen kasachischen Reporter, der ihnen die eigenen Ressentiments und Vorurteile mit Brachialkomik vor Augen führt, als über den guten alten Santa Claus. Vielleicht liegt vor den Kongress- und Senatswahlen wirklich ein Hauch politischer Veränderung über dem Land. Tim Allen setzte jedenfalls nur 20 Millionen Dollar um, kaum mehr als die ebenfalls neu gestartete Animations-Komödie "Flushed Away" von Dreamworks. Die Geschichte einer High-Society-Ratte, die in der Toilette heruntergespült wird und sich in der Kanalisation von London durchschlagen muss, verfügt über so prominente Sprecher wie Jean Reno, Hugh Jackman, Kate Winslet, Ian McKellen und Andy Serkis. Auf Platz vier rutschte die dritte Folge des Horrorfilms "Saw III" (15, 5 Millionen Dollar).
Nicht ganz so erfolgreich wie in den USA war Borats Siegeszug in hiesigen Kinos. Gegen die geballte deutsche Komik, die sich im Klamauk "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" versammelt, hatte der Kasachenspaß keine Chance: laut "Blickpunkt: Film" verteidigten Otto Waalkes und Konsorten mit 660.000 Zuschauern souverän die Spitze der Kinocharts. Nach knapp zwei Wochen hat der zweite Zwergen-Film somit schon mehr als zwei Millionen Besucher angelockt.
"Borat" wurde auch in Deutschland etwas zaghaft gestartet - mit vorsichtigen 227 Kopien. Rund 300.000 Zuschauer sorgten jedoch für einen beachtlichen Schnitt: 1306 Besucher wurden pro Einsatzort gezählt. Und das, obwohl die Zuschauer mit einer deutsch synchronisierten Version Vorlieb nehmen müssen.
"Der Teufel trägt Prada" verteidigte mit rund 240.000 Zuschauern den dritten Platz, verfolgt von "Deutschland. Ein Sommermärchen", der an seinem fünften Wochenende noch einmal 210.000 Besucher zählte - die Vier-Millionen-Marke ist in Sicht für Sönke Wortmanns WM-Doku. "Das Parfum" beschließt die Top Fünf mit knapp 100.000 Kinogängern.
Von den anderen Neustarts des Wochenendes landeten nur "Morgen, Findus, wird's was geben" (284 Kopien) mit etwa 50.000 Besuchern und "The Wicker Man" (200 Kopien) mit etwa 45.000 Besuchern unter den Top Ten.
Keinen bleibenden Eindruck hinterließ indes Sofia Coppolas "Marie Antoinette", der mit 96 Kopien auf 30.000 Besucher kam. Tim Allen hatte indes auch hierzulande kein Glück: "Santa Clause 3 - Eine frostige Bescherung" lockte ebenfalls nur rund 30.000 Zuschauer in die Kinos. Mit etwa 2,2 Millionen gelösten Tickets war es ein lohnendes Wochenende für deutsche Kinobetreiber.
bor/AP