"Der Herr der Ringe" Arwen Schwarzenegger?
Wer schmiedete das Komplott zur Ermordung J.F. Kennedys? War die Wahl George W. Bushs manipuliert? Der stets von Neugier getriebene Mensch liebt derlei Rätselfragen. Seit ein paar Wochen ist eine neue dazu gekommen: Kämpft Liv Tyler, Darstellerin der Elbenprinzessin Arwen Abendstern, in der großen Schlachtenszene des Fantasy-Films "Herr der Ringe: Die zwei Türme" an der Seite von Aragorn und Gimli? Die Antwort ist nicht nur für Tolkien-Puristen interessant. Sie könnte auch Aufschluss geben, ob sich Regisseur Peter Jackson von der Meinung der Fangemeinde beeindrucken ließ.
Ursprung dieses Mysteriums ist ein drei Jahre altes Interview mit der Hollywood-Schauspielerin. Unter dem Eindruck der ersten Drehtage erzählte sie von Actionszenen, in denen sie sich mit Kriegern des Bösen herumschlug. Tolkiens ätherische Elben-Schönheit schien zu einer Amazone des Typs "Xena" mutiert. Dafür gab es auch andere Indizien: Angeblich wurde Tyler Schwerter schwingend beim Dreh zur "Türme"-Schlacht von "Helms Klamm" gesichtet. Set-Beobachter berichteten zudem, dass ein Stuhl mit ihrem Namen an diesem Drehort platziert war. Dann erschienen im Internet Fotos, die Tyler in einer strammen Lederrüstung zeigten.
Das Horrorszenario der Fans schien komplett. Dass sich die Filmemacher solche Freiheiten mit der Vorlage herausnehmen würden, hatte keiner erwartet. Noch schlimmer: Ausgerechnet Liv Tyler, deren Besetzung ohnehin wie eine Konzession an den Hollywood-Standard wirkte, sollte derart stark ins Zentrum der Handlung rücken. Auf den Websites machte die Gemeinde ihrem Zorn Luft: "Das reißt ganze Löcher ins Gewebe der Geschichte."
Doch dann verflüchtigten sich diese Bedenken. Im ersten Teil war Tylers Part nur geringfügig gegenüber dem Buch ausgebaut. Und sie gab sogar eine glaubwürdige Elbenprinzessin ab. In der Finalschlacht von "Die zwei Türme" glänzte sie wie im Roman durch Abwesenheit. Aber wie erklären sich dann die Hinweise auf ihre große Action-Nummer?
Seit ein paar Wochen zerbrechen sich die Tolkien-Adepten auf Websites wie council-of-elrond.com oder Herr-der-Ringe-Film.de die Köpfe, ob Tyler nicht doch zu ihrem Kampfeinsatz kam. Genauer gesagt: Ob ihre Szenen nicht aus der Handlung herausgeschnitten- und retuschiert wurden. Der Aufbau des Films lässt einen solchen Schluss zu: Immerhin tritt die Arwen-Figur zunächst eine Reise mit unbekanntem Ziel an. Später marschiert eine Elben-Armee zur Unterstützung der menschlichen Krieger auf - ein Überraschungselement, das bei Tolkien nicht vorkommt. Sollte ursprünglich die Prinzessin mit diesen Soldaten ihrem Lover Aragorn zu Hilfe eilen wollen?
In der jetzigen Fassung wird die Elben-Parade nur durch ein paar Voiceover-Kommentare dramaturgisch vorbereitet. Es könnte sein, dass sich Jackson während des Drehs entschloss, Tylers Rolle noch einmal umzukrempeln. Allerdings konnte er nicht sämtliche Schlacht-Szenen neu herunterkurbeln. Deshalb musste möglicherweise der digitale Radiergummi ran - jedenfalls, wenn man dieser Version Glauben schenkt. Brian Sibley, Autor des offiziellen "Herr der Ringe"-Filmbuchs, will bei einem Studiobesuch beobachtet haben, wie Jacksons Computertechniker Arwen aus den "Helms Klamm"-Szenen entfernten.
Womöglich nicht gut genug. Einige findige Zuschauer glauben sie dennoch in einzelnen Bildern erkannt zu haben. "Die Fans sind einem Alptraum entronnen", freut sich Stefan Servos, Webmaster von Herr-der-Ringe-Film.de. Solange die Verantwortlichen Stillschweigen bewahren, wird sich der endgültige Beweis wohl nie erbringen lassen. Und sie tun gut daran, nichts zu verraten. Sonst könnte der Eindruck entstehen, eine Hollywood-Produktion hätte sich dem Druck der Öffentlichkeit gebeugt. Filmemachen ist schließlich keine Demokratie.