Film: "The Acid House" - DER SPIEGEL
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Film "The Acid House"

Die Häuser, die Menschen, die Gefühle – nicht alles, was abgewrackt ist, ist cool. Aber manche Episoden der neuen Verfilmung des "Trainspotting"-Autors Irvine Welsh sind richtig gut.
Von Peter Zemla
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man muß sie nicht mögen, diese jungen Autoren, die auf Teufel komm raus schreiben. Denen Schnelligkeit alles bedeutet. Die wahrscheinlich "Schnitt, Schnitt, Schnitt" rufen, während sie in die Tasten hacken. Die schnoddriger und versauter daherkommen als der alte Bukowski. Und die vor allem cool sein wollen, cool und angesagt. Um jeden Preis. Nicht selten opfern sie auch ihre Figuren diesem Ziel.

Der Schotte Irvine Welsh ist einer von ihnen. Gewiß nicht der schlechteste. Sein Roman "Trainspotting", mehr noch Danny Boyles Verfilmung, machten ihn berühmt. Nun kommt der nächste Film nach einem seiner Bücher ins Kino. Welsh selbst hat das Drehbuch geschrieben. Als Vorlage dienten ihm drei Short Stories aus seiner Erzählungs-Sammlung "The Acid House" (auf deutsch bei Kiepenheuer & Witsch). Das Presseheft prahlt denn auch mit dem Spruch "100% unverdünnter, unverschnittener und authentischer Irvine Welsh!". Das soll heißen, daß uns Schnelligkeit, versaute Sprüche und Coolness erwarten.

Wie sehr dieses an sich dünne Konzept in die Hose gehen kann, zeigt die erste Episode: Ein Loser fliegt zuerst aus seiner Fußballmannschaft, dann aus seinem Job und schließlich aus seiner Bleibe. Als ihm auch noch seine Freundin den Laufpaß gibt, ist das Maß voll. Und dann brauchen Welsh und sein junger Regisseur Paul McGuigan Gott persönlich, um die doch recht blutleere Geschichte auf Touren zu halten. Unser Verlierer wird in eine Fliege verwandelt und nimmt in dieser Gestalt Rache an der bösen Welt. Klingt dämlich, ist es auch.

Das Folgende entschädigt jedoch dicke für den schlappen Beginn. Verfügten die Figuren in der ersten Episode noch über die emotionale Tiefe von Crash-Test-Dummies, so blicken wir im zweiten Teil in eine wirkliche Seele und ein wirkliches Herz. Sie gehören Johnny, der zu gut ist für die rauhe, kaputte Welt schottischer Vorstadtslums. Von seinem Nachbarn schamlos ausgenutzt, von seiner Frau nach Strich und Faden betrogen, leidet der Tropf so hingebungsvoll wie ein frühchristlicher Märtyrer. Nur, daß ihm auch noch der Glaube abhanden gekommen ist. Und das läßt die Leinwand förmlich erzittern.

Das tut sie auch während der dritten Episode, wenngleich aus ganz anderen Gründen: Es geht um den Seelentausch eines Neugeborenen und eines Junkies. Aber nicht das Thema – es wirkt wie vieles bei Welsh einen Tick zu aufgesetzt – macht aus diesem abschließenden Teil von "The Acid House" ein Stückchen famoses Kino, sondern seine filmische Umsetzung. Mit welcher Rasanz und Brillanz der Drogenrausch des Junkies geschnitten und bebildert ist, und wie er sich auf der Tonspur eine zusätzliche Dimension erschließt, das ist aberwitzig gut. - Womit bewiesen wäre, daß selbst mit dem Minimalprogramm aus Speed, Sauereien und Coolness etwas zu machen ist.

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