Zum Tod von Jeremy Thomas Der Mann mit Gespür für den besonderen Blick
Filmproduzent Thomas
Foto: Photoshot / picture allianceWo immer es Filmemacher mit einem eigenen Blick gab, suchte der britische Filmproduzent nach Wegen für gemeinsame Projekte – und fand sie immer wieder: in den USA oder in Kanada, in Europa, Australien oder Japan. Die Liste der avancierten, bisweilen herausragenden Filme, die Jeremy Thomas produzierte, ist beeindruckend: Sie reicht von Stephen Frears’ ungewöhnlichem Thriller »The Hit« (1984) über David Cronenbergs meisterhafte Literaturadaption »Crash« (1996) bis zu Jim Jarmuschs bezauberndem Vampirfilm »Only Lovers Left Alive« (2013).
Thomas stammte aus einer Familie von Filmschaffenden, sein Vater Ralph war nach dem Zweiten Weltkrieg ein erfolgreicher Regisseur. Jeremy Thomas gründete in den Siebzigerjahren eine erste eigene Firma und produzierte Filme von international renommierten Regisseuren wie Jerzy Skolimowski, Nicolas Roeg oder Nagisa Oshima.
Mehrfach arbeitete Thomas mit dem italienischen Regisseur Bernardo Bertolucci zusammen, das Epos »Der letzte Kaiser« (1987) über den letzten Kaiser von China war ihr größter Erfolg und gewann neun Oscars. 1998 schuf Thomas mit der Produktions- und Vertriebsfirma HanWay eine Heimstatt für Autorenfilmer- und -filmerinnen.
Er habe das Ende eines goldenen Zeitalters erlebt, als Filme ihr Geld im Kino einbrachten und man noch nicht einmal an Videokassetten dachte, sagte er noch vergangenes Jahr. Weil sich das Business verändert habe, müsse er »sich wandeln«, nehme die Herausforderung aber an. Für Werner Herzogs Film »Bucking Fastard«, der gerade bei den Festspielen von Venedig lief, war er laut dem Regisseur ein wichtiger Ideengeber. Jeremy Thomas starb im Alter von 77 Jahren in Oxfordshire.