"Körperfresser"-Remake Hirschbiegel goes Hollywood
Joel Silver weiß, wie man Untergänge inszeniert: Der amerikanische Filmproduzent hat die Kino-Schlachtplatte "Predator" (1987) mit Arnold Schwarzenegger ebenso zu verantworten wie die digitalen Metzeleien von "Matrix". Dass er auch für die anspruchsvolle Form der Katastrophe zu haben ist, hat er jetzt bewiesen: Er sah Oliver Hirschbiegels Hitler-Drama "Der Untergang" und war beeindruckt.
So beeindruckt, dass er den Hamburger Regisseur unbedingt für die Inszenierung seines neuen Projekts gewinnen wollte - einen Horrorfilm. "Olivers Film war düster, gruselig, klug und ein bisschen klaustrophobisch. Genauso habe ich mir auch 'Invasion' vorgestellt", sagte Silver. Hirschbiegel selbst sieht ebenfalls Parallelen zwischen dem "Untergang" und seinem neuen Genrefilm. Er verstehe sich als Spezialist für menschliche Tragödien und komplexe Charaktere und wolle seinen Schwerpunkt auf diese Tugenden legen, nicht auf die Spezialeffekte, berichtet das US-Magazin "Variety".
Mit seinem Kinodebüt "Das Experiment" (2000) ist der Hamburger Regisseur auch außerhalb Deutschlands bekannt geworden, "Der Untergang" erhielt sogar eine Oscar-Nominierung. In Hirschbiegels neuem Film, dessen Dreharbeiten im September in New York, Washington und Baltimore beginnen, wird Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman die Hauptrolle spielen: eine Psychiaterin, die dem ungewöhnlichen Verhalten ihrer Patienten nachgeht und dabei auf den Einfluss von Außerirdischen stößt.
Das Drehbuch zum Science-Fiction-Thriller "Invasion" schrieb David Kajganich; bei der Geschichte handelt es sich um ein Remake des Horrorklassikers "Die Dämonischen" (1956) von Don Siegel. Im Film entdeckt der Arzt einer Kleinstadt, dass die Einwohner, bei denen er ursprünglich nur eine Persönlichkeitsstörung vermutete, tatsächlich durch außerirdische Duplikate ersetzt worden sind. Diese haben - wie so oft - Böses im Sinn und wollen die Erde einnehmen. Im Film töten die Aliens die Menschen jedoch nicht, sie benutzen deren Körper als Wirt. Siegels Film, Mitte der fünfziger Jahre entstanden, erreichte Kultstatus und begründete ein Motiv des Genres: die Idee der Durchdringung des menschlichen Körpers durch Außerirdische.
Es gibt bereits zwei Remakes des Films, die je nach politischer Situation das Szenario anders aufrollen. Trieft das Original noch von der anti-kommunistischen Symbolik des Kalten Krieges, so stellt Philip Kaufman's "Die Körperfresser kommen" (1977) die Frage der Infiltrierung der Gesellschaft im Licht der abklingenden Hippie-Bewegung. Regisseur Abel Ferrara lässt in "Body Snatchers" (1992) dann den Krieg unterschiedlicher Lebensentwürfe zwischen den Generationen ausfechten.
Für Kidman ist es nicht das erste Remake, das sie mit ihrem Glamour veredelt. Im vergangenen Jahr spielte sie die Hauptrolle in "Die Frauen von Stepford", dessen Vorlage 1975 in die Kinos kam und im Gegensatz zur hübsch-bunten Neuauflage des letzten Sommers die Abgründe der menschlichen Seele zeigte. "Bewitched - Verliebt in eine Hexe" (deutscher Kinostart 15. September) beruht auf der gleichnamigen US-Fernsehserie, die 1964 erstmals ausgestrahlt wurde. Bleibt abzuwarten, ob Kidman mit ihrem neuen Projekt mehr Erfolg hat als mit den vorangegangenen Neuauflagen. Die Produktionsfirma Warner Brothers legt jedenfalls Wert darauf, dass das Drehbuch von "Invasion" so originell sei, dass von einem Remake keine Rede sein könne.