"Plunkett und Macleane" Bissige Sinnlichkeit
Werbe- und Videoclipfilmer sind nah am Puls der Zeit, denkt so mancher Produzent und verpflichtet einen Neuling, um die junge Zielgruppe zu erreichen. Auch den rasanten Kostümfilm "Plunkett und Macleane" durfte ein gewisser Jake Scott inszenieren, der bislang nur mit Videos (unter anderem für R.E.M. oder U2) und mit Werbeclips auf sich aufmerksam gemacht hat.Allerdings hatte er noch einen attraktiven Namen als Bonus anzubieten: Jake ist der Sohn des Regisseurs Ridley ("Blade Runner", "Thelma und Louise") und der Neffe von Tony Scott ("Staatsfeind Nr.1", "True Romance").
Wenn der Abspann läuft, hat Jake Scott seinem Familiennamen alle Ehre gemacht. Die ersten Szenen wird mancher Zuschauer jedoch noch skeptisch beäugen. Der Film beginnt mit einem Überfall. Überaus hektisch geschnitten und ins Halbdunkel getaucht, zeigt Scott entgegen aller Gewohnheit, einen Film mit establishing shots zu beginnen fast nur Fragmente, Teile von Menschen, Dingen, Gegenden. Da will einer mit seiner MTV-Ästhetik protzen, denkt man und begibt sich in Abwehrstellung. Doch da ist es schon zu spät. Scott zieht einen förmlich ins London des Jahres 1748.
Erzählt wird die Geschichte des Gauners Plunkett und des heruntergekommenen Adligen Macleane gespielt werden sie von den beiden "Trainspotting"-Darstellern Robert Carlyle und Jonny Lee Miller , die ein gefürchtetes Kutschenräuberduo bilden.Sie bringen die Obrigkeit auf die Palme und die Aristokratinnen mit ihrem ebenso dreisten wie eleganten Auftreten ins Schwärmen. Ganz besonders schmachten darf Liv Tyler, die sich von der züchtigen Lady in eine wilde Gangsterbraut verwandelt.
Vor allem sein abgefahrener Look und die einen Tick überdrehte Stimmung machen den Reiz dieses Films aus. "Plunkett und Macleane" ist auch eine Karikatur eines Historienfilms. Zwischen ernsthaften Sequenzen zelebriert er dieses verstohlene Augenzwinkern, das schon "Pulp Fiction" ausgezeichnet hat. Etwa wenn die Adligen in Gaultier-artigen Kostümen plötzlich zu House- und Techno-Klängen tanzen.
Auch die Cineasten unter den Zuschauern kommen auf ihre Kosten. Denn im Grunde ist der Film nichts anderes als ein Remake des Newman-Redford-Westerns "Butch Cassidy and The Sundance Kid" ("Zwei Banditen", aus dem Jahr 1969). Da besaßen also ein paar verrückte Engländer die Unverfrorenheit, einen Western in das Europa des 18. Jahrhunderts zu verlegen. Schon deshalb muss man vor "Plunkett und Macleane" den Hut ziehen.