Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Europa wäre gerettet
Nr. 23/2026 Titel: Kriegswende?
Was sollen diese rhetorischen Fragen – auf dem Titelbild? Der ausführliche Bericht über die neue Stärke ist so detailreich, dass ich nach der Lektüre glaubte, ich hätte aus Versehen ein Journal für Waffentechnik erwischt. Und was soll ein so riesiges Foto auf den Seiten 8 und 9? Vergeudeter Platz!
Andreas Willscher, HamburgSelbst die beste KI und die besten Drohnen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur der Soldat mit dem Gewehr in der Hand darüber entscheidet, ob ein Gebiet erobert wurde oder eben nicht. Die Militärs nennen das »Boots on the Ground«, Präsenz vor Ort. Das kann weder Putins Armee noch die ukrainische von sich behaupten. Der Ausgang dieses Waffengangs steht immer noch auf Messers Schneide. Beide Armeen stehen sich wie zwei angeschlagene Boxer gegenüber. Es wird die Armee gewinnen, die zum letzten entscheidenden Schlag fähig ist. Deshalb ist es so wichtig, die ukrainische Armee mit allem, was wir haben, zu unterstützen. Nur wenn das gelingt, kann Putins Armee wieder zurückgejagt werden, und Europa wäre gerettet.
Götz Doll, KölnNach dem Grundsatz »Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor« ist es meiner Ansicht nach dringend notwendig, die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland zeitnah wieder einzuführen. An vorderster Stelle sollte die moderne Kriegsführung berücksichtigt werden. Vordringlich sind es jetzt Drohnen jeglicher Couleur, wie von Ihnen im Artikel dezidiert beschrieben. Leider befindet sich die Bundeswehr hier augenscheinlich im Rückstand, doch dank der Ukraine soll hier endlich nachgeholfen werden. Des Weiteren sollte der Schutz der Bevölkerung in Angriff genommen werden. Die Politiker sollten Städte in Finnland hinsichtlich des Bevölkerungsschutzes besichtigen. Im Gegensatz zu Old Germany ein sicherer Hafen für die Bevölkerung – und nicht nur für die Hautevolee wie in unserem noch schönen Ländle.
Thomas Hansen, BerlinDie von Ihnen interviewte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas ist eine tolle Frau mit klarster Sprache, ich glaube, Putin fürchtet sie wie wenig andere westliche Politiker. Die EU kann froh sein, eine Außenbeauftragte wie sie zu haben, Respekt!
Josef Kreipp, Beilngries (Bayern)
»Ich merke, wie mich das zunehmend stört«
Die Leserin Martha Wilmes-Siebert aus Essen hat den Artikel »Die letzte Party auf der ›Titanic‹« kritisiert (hier die ganze Geschichte) . Redakteur René Pfister hat sie angerufen.
SPIEGEL: Frau Wilmes-Siebert, Sie fanden meinen Artikel über die Digitalkonferenz re:publica zu reißerisch und zu wenig sachlich. Warum?
Wilmes-Siebert: Es war ein Artikel, wie ich ihn schon lange vom SPIEGEL kenne. Zugespitzt, mit einer Prise Polemik. Ich bin seit Jahrzehnten SPIEGEL-Leserin, und ich merke, wie mich das zunehmend stört. Wenn im Internet nicht mehr um Sachverhalte gestritten wird, sondern oft nur die Performance moralisierend bewertet wird, wünsche ich mir mehr Ausgewogenheit.
SPIEGEL: Ich wollte mit dem Artikel zeigen, dass ein bestimmtes Milieu gar kein Interesse an einem offenen Dialog hat.
Wilmes-Siebert: Es reicht nicht, sich einfach nur über die Konferenzteilnehmer lustig zu machen. Ich hätte mir zum Beispiel gewünscht, dass erklärt wird, wie man eine bessere politische Debatte im Internet und in den sozialen Medien organisiert, und die Beiträge auf der Konferenz auch daran gemessen werden.
Skeptisch auf die USA schauen
Nr. 22/2026 Leitartikel: Wie Kanzler Merz Antiamerikanismus schürt
Danke für den großartigen und sehr klugen Leitartikel. Die pauschale Beschimpfung der Amerikaner und die unüberlegten Einlassungen des Kanzlers sind mehr als unklug. Man stelle sich vor, die Amerikaner würden bei dem Einsatz im Irankonflikt die Lust verlieren und die trickreichen Mullahs kämen zur Atombombe, dann würde keine Macht der Welt (Europa sowieso nicht) das Regime davon abhalten können, nach Lust und Laune die Straße von Hormus auf- und zuzumachen. Keiner würde es wagen, noch Sanktionen zu verhängen, wir wären komplett erpressbar. Im Extremfall könnten sie sogar bestimmen, was in unseren Schulen unterrichtet werden soll. Sonst gäbe es eben kein Öl und kein Gas, keine wichtigen Güter für die Industrie und Landwirtschaft.
Jan Goresch, WiesbadenIhr Artikel erstaunt mich sehr, denn auch Ihr Blatt berichtet beinahe täglich negativ über Trump und Amerika. Sicherlich sollte man nichts verallgemeinern. Allerdings sollte man auch klar benennen dürfen, was zurzeit in den USA abläuft. Ob es tatsächlich so ist, dass sich so viele Wähler von Trump und seiner Politik abwenden, wird sich bei den Midterm-Wahlen zeigen. Vorher glaube ich gar nichts. Wir haben schon so oft falschgelegen.
Monica Saueracker, MünchenAlso doch noch alles in bester Ordnung in den USA. Im »Land of the Free« sei die Demokratie trotz Gerrymandering, der Absetzung unliebsamer Funktionsträger in Politik, Kultur und Justiz, noch völlig intakt. Die Meinungsfreiheit natürlich auch; missliebige Moderatoren und andere Journalisten werden zwar auf Geheiß des Weißen Hauses gefeuert, Zeitungen und andere Medien unter die Kontrolle von Trump-hörigen Millionären gebracht, Universitäten und Kultureinrichtungen erpresst – aber alles ja nicht so schlimm. Wer das jedoch kritisiert, ist hier des »Antiamerikanismus« höchst verdächtig. Außerdem: Kusche Deutschland, kusche, buckle vor dem Demokratie, Menschenrechte und Völkerrecht missachtenden, erratischen Herrn im Oval Office. Was für eine peinliche Naivität.
Dr. Thomas Bernstein, LeipzigVielleicht ist es ja wieder an der Zeit für ein bisschen Antiamerikanismus. Für einen ehemaligen DDR-Bürger gab es kein leuchtenderes Beispiel für absolute Meinungsfreiheit und unparteiische Gerichtsbarkeit als die USA, selbst die Bundesrepublik kam da nicht allzu gut weg. Geschult aus unzähligen US-Serien und Filmen, sehen wir jetzt ungläubig auf unsere Helden. Wo sind denn die legendären »checks and balances« wenn das (unparteiische und unbestechliche) FBI die Feinde eines zutiefst korrupten Präsidenten verfolgt? Wie schnell wurde dieses angeblich so krisenfeste System ausgehebelt? Exekutive, Legislative und Judikative gleichgeschaltet? Und da sollen wir nicht ein wenig skeptisch auf die USA schauen?
Michael Riemenschneider, Oettersdorf (Thür.)Man kann und muss Friedrich Merz sehr viel vorwerfen, jedoch nicht, dass er im Sauerland vor einer Schulklasse die Wahrheit gesagt hat, als er feststellte, dass Donald Trump im Irankrieg strategielos agiere und sich von den iranischen islamistisch-faschistischen Terroristen in Teheran demütigen lasse. Wenn ein deutscher Bundeskanzler nicht mehr öffentlich die Wahrheit verkünden darf, dann dürfte das westliche regelbasierte Wertesystem, auf das angeblich alle so stolz sind, keinen roten Heller mehr wert sein.
Jürgen Gojny, DortmundWer jede scharfe Kritik an Donald Trump reflexhaft als möglichen »Antiamerikanismus« problematisiert, verwischt den Unterschied zwischen einem demokratischen Staat und einem Präsidenten, der seit Jahren demokratische Normen beschädigt, persönliche Bereicherung und Machtpolitik schamlos vermischt, politische Gegner diffamiert und internationale Verlässlichkeit systematisch untergräbt. Trump steht für einen Politikstil aus Lüge, Narzissmus, institutioneller Verachtung und autoritärem Machtinstinkt. Das klar zu benennen, ist kein »Amerika-Bashing«, sondern politische Realität. Der Leitartikel beschreibt die Symptome autoritärer Politik erstaunlich präzise – und erschrickt anschließend vor der eigenen Diagnose.
Walter Walenziak, WiesbadenDas Erkennen und Benennen der amerikanischen Realität ist kein Antiamerikanismus. Die USA, errichtet auf gestohlenem Land und über dessen massakrierten Bewohnern und aufgebaut von Sklaven, waren nie das Land der Freien und die Heimat der Tapferen, wie es in der Nationalhymne glorifiziert wird und bisher von uns gesehen wurde – oder wie wir es sehen wollten. Der Präsident wurde mehrheitlich wiedergewählt, obwohl sein Charakter und seine Pläne bekannt waren, da kann sich niemand auf Unkenntnis oder mildernde Umstände berufen. Nun muss – leider nicht nur – das Land mit den so selbst verschuldeten Folgen leben und sich diese auch in vollem Umfang zurechnen lassen, zumal diese Person ein Symptom, nicht aber die alleinige Ursache der rücksichtslosen »America First«-Politik der sich entwickelnden »Ugly States of A.« ist, die diese selbst zunehmend isolieren und ruinieren.
Wolfgang Schmidt, Freinsheim (Rhld.-Pf.)
Ja
»Ein solches Event ist absolut zeitgemäß und durchführbar in Deutschland. Wir sollten uns bemühen, das für die Region NRW hinzubekommen.«
Klaus Grabert
Nein
»Die Kosten werden systematisch kleingerechnet, hinterher das große Staunen über die enormen Schulden, die übergeblieben sind.«
Dieter Kujawa
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Das »Spreewaldsyndrom«
Nr. 22/2026 Zwei Ruheständler wehren sich gegen ein gewaltiges Rechenzentrum in Hessen
Da haben also zwei Ruheständler, frei von jeglicher Sorge um einen Arbeitsplatz, Probleme mit Emissionen, toll. Einer dieser Herren war Kapitän eines Kreuzfahrtschiffs. Er meint: »Wir haben so viel, was es zu beschützen gilt.« Im Grunde hat er recht, nur, warum kam ihm diese Erkenntnis nicht schon, als er eine »Dreckschleuder«, nur so zum Vergnügen nicht gerade armer Mitmenschen, über die Weltmeere steuerte? Ach so, diese fuhren ja auch nicht so knapp am eigenen Haus vorbei.
Lothar Cattarius, MainzDer Artikel benennt exakt mein zunehmendes Unbehagen als Bewohnerin eines ländlichen Gebiets. Was hier abläuft, ist aber nichts Neues. Ich nenne es das »Spreewaldsyndrom«. So wie die Bewohner des Spreewalds früher für die Hauptstadt Berlin Energie und Ammen »lieferten«, läuft es anscheinend heute noch. Im Spreewald baute man stinkende Braunkohlekraftwerke, um die Hauptstadt mit Energie und Wärme zu versorgen. Die jungen Mädchen vom Land waren recht als Ersatz für Mütter, die ihre Kinder nicht selbst stillen konnten oder wollten. Heute ist es so, dass man ländliche Gegenden versiegelt oder zubaut, damit amerikanische Konzerne das große Geld machen können. Oder man verspargelt wie bei uns die Gegend völlig mit riesigen Hochspannungsmasten, damit eine Schnellbahntrasse bedient werden kann, die dann unsere Bahnhöfe, wo einmal der Orientexpress hielt, heute ziemlich – was den ICE angeht, völlig – abgehängt hat. Bravo für diese »Ruheständler«.
Anne Jakob-Bissem, Ötisheim (Bad.-Württ.)Gerade erst hat der von der Bundesregierung eingesetzte Klimarat der schwarz-roten Koalition bescheinigt, dass sie mit ihrem klimapolitischen Pfad krachend gescheitert sei. Auch wohl deshalb sollen wir Bürger massiv Energie und CO₂ einsparen. Gleichzeitig bremst Wirtschaftsministerin Reiche den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Argument, die dafür erforderlichen Netzkapazitäten gäbe es nicht. Wie passt das alles zusammen mit den energiefressenden Internetknoten, die überall in der Republik wie Pilze aus dem Boden schießen? Die wenigen Arbeitsplätze, die dort gebraucht werden, stehen im krassen Missverhältnis zum Flächenverbrauch dieser gigantischen Rechenzentren.
Hans Schinke, Offenbach (Hessen)
Das Pfister-Suchspiel
Nr. 22/2026 Linke Nabelschau auf der Digitalkonferenz re:publica
Es gibt zwei Dinge, die ich an Artikeln von Herrn Pfister schätze. Erstens das Pfister-Suchspiel: transsexuelle Weltverschwörung oder genderneutrales Klo? Diesmal gewinnt das Klo. Zweitens: Ist es ein Artikel für den SPIEGEL oder ein Bewerbungsschreiben für die »Welt«?
Cornelia Kost, HamburgIch finde den Text großartig! Danke an Rene Pfister. Sehr gut geschrieben.
Philipp Klaßen, BonnSie machen in Ihrem Artikel genau das, was Sie anderen vorwerfen. Schade, Ihre Argumente gegenüber den woken Linken waren ein wichtiger Beitrag für eine aufklärerische Debattenkultur. Jetzt betreiben Sie eine undifferenzierte Gleichmacherei, mit flapsigen Sprüchen und durch die scheinbar kritischen Hinweise, dass man auch mit linken Positionen Geld verdienen kann. Wunderbare Bestätigungen für die Narrative extremer Rechter. Damit sage ich jetzt nicht, dass ich solche Hinweise tabuisieren will. Aber sie fallen in ein hysterisches ideologisches Geschrei, das nicht mehr differenziert. So wird die Debatte nicht gelingen. Was ich mir wünsche: Arbeit an Sachlösungen. In diesem Fall: Wie entkommen wir den Algorithmen der Techkonzerne? Wie lässt sich verhindern, dass Werbeeinnahmen entscheiden, was an Content angeboten wird? Wie lassen sich sichere Alternativen organisieren, ohne dass gleich wieder Meinungsblasen entstehen?
Martha Wilmes-Siebert, Essen
Keine Lerche, kein Buchfink
Nr. 22/2026 Wer hat Schuld an den steigenden Krebszahlen in den Weinregionen Frankreichs?
Wir leben in Rheinhessen, auch hier spielt der Weinbau eine sehr große Rolle. Ich habe noch nie verstanden, warum ein Luxusgut wie Wein so romantisiert wird. Meiner Meinung nach ist Wein kein Produkt, das die Ernährung sichert. Ganz im Gegenteil – Alkohol trinken ist nicht gerade gesundheitsfördernd. Unsere Dorfgrundschule grenzt an einen Wingert, lediglich durch einen Feldweg getrennt. Es werden dort Pestizide, Fungizide uns so weiter ausgebracht. Nur um den Wein, auch von der Politik unterstützt, nach Indien und in die ganze Welt zu schicken. Zusätzlich werden die Reben in Rheinhessen seit einiger Zeit bewässert. Mein Vorschlag wäre: mehr Wald anpflanzen lassen, gern von den Landwirten. Auch mit den üblichen Subventionen. Mehr regionaler Gemüseanbau, Weinbau nur noch bio und kleinteilig.
Silke Vollrath, WormsDie Verarmung der Natur ist inzwischen ja offenkundig: Hier bei Wiesbaden habe ich dieses Jahr noch keine Lerche, keinen Buchfink, keinen Dompfaff, keinen Kuckuck, keine Bachstelze gesehen und gehört, und auch die Schwalben sind deutlich weniger geworden. Früher waren das »Allerweltsvögel". Der stumme Frühling. Es macht mir große Sorgen, und ich halte es für höchst gefährlich, dass im Moment sogar im Raum steht, Glyphosat zeitlich unbegrenzt zuzulassen sowie die Anwendung anderer Agrar-Gifte zu liberalisieren. In diesem Zusammenhang halte ich die Einrichtung sogenannter Blühflächen für einen billigen Witz, die Gifte verbreiten sich leider überall. Wann und wie viel davon ins Grundwasser gelangt – man weiß es nicht. Und die landwirtschaftlichen Produkte, die wir zu uns nehmen, sind natürlich auch nicht frei davon. Ich kann nur dringend an die europäischen Regierungen appellieren, diese gefährliche Entwicklung zu stoppen.
Ursula Engelhardt-Spahn, Wiesbaden
Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.