Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 63 / 65

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Wutkrieger Trump, Leitartikel über Filz bei der AfD, SPIEGEL-Gespräch mit Philosophin Eva von Redecker – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 12/2026

Bequem auf dem moralischen Thron

Nr. 11/2026 Titel: Der Wutkrieger 

  • In dem Artikel ist deutlich wahrnehmbar, dass der SPIEGEL Trumps Irankrieg ablehnt. Warum stellt sich der SPIEGEL auf die Seite führender SPD-Politiker, die den Krieg ebenfalls kritisieren? Hat der Ukrainekrieg uns nicht gelehrt, dass es wichtig ist, gegen diktatorische Regime frühzeitig Stellung zu beziehen und, wenn möglich, die Bevölkerung zu unterstützen, diese zu stürzen? Die SPD-Politiker machen es sich auf dem moralischen Thron des Völkerrechts zu bequem und vergessen, dass das iranische Regime, wenn es nicht gestürzt wird, in Zukunft noch zu vielen Grausamkeiten gegenüber der eigenen Bevölkerung, aber auch gegen Israel in der Lage ist.
    Gregor Baur, München

  • Selten habe ich mich über einen SPIEGEL-Artikel dermaßen geärgert wie über »Wüterich« von Julia Amalia Heyer. Nicht nur besteht durch die amerikanisch-israelische Aktion die Möglichkeit, eins der blutigsten Regime der Erde loszuwerden. Zusätzlich müssen mit Tucker Carlson und Jeffrey Sachs auch noch zwei der schlimmsten Putin-Stiefellecker zitiert werden, die keine Gelegenheit auslassen, die Ukraine schlechtzumachen. Deutsche haben halt mal keine Ahnung von Geostrategie.
    Holger Bergmann, Stein (Bayern)

  • Ihre Titulierung als »Wutkrieger« verkennt die historische Dimension. Sollte Donald Trump diesen Konflikt an der Seite Israels siegreich beenden, korrigiert er den fatalen Wendepunkt von 1979: Damals wich die westlich orientierte Ordnung des Schahs der radikal-islamistischen Theokratie Khomeinis. Trump wäre der Präsident, der den seinerzeit entfesselten Dschinn im Jahr 2026 wieder zurück in die Flasche zwingt – und die Welt nach fast fünf Jahrzehnten sicherer macht.
    Dr. Mohammad Behechtnejad, Winsen an der Luhe (Nieders.)

  • Die gegenwärtig berechenbarste geopolitische Größe ist die Unberechenbarkeit Donald Trumps.
    Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)

  • Auf mehr als zehn Seiten wurden in dieser Ausgabe »Trumps Angriff auf Iran und die Folgen für die Welt« beleuchtet. Außer, dass es kräftige Unruhen im Nahen Osten gibt, habe ich nicht viele konkrete Folgen für die Welt erkennen können. Eine viel interessantere Frage wäre deshalb: »Was wäre, wenn das iranische Terrorregime in den Besitz von Atomwaffen käme?« Nicht auszudenken. Daher bin ich froh, dass die Amis diese »Drecksarbeit« für Europa erledigen.
    Ewald Elsäßer, Gengenbach (Bad.-Württ.)

  • Die Chancen für China, Taiwan anzugreifen, waren nie besser. Wenn nicht jetzt, wann sonst? Trump, der Wutkrieger, ist mit Iran vollauf abgelenkt. Krieg in Europa, Krieg in Nahost – der Krieg mit China wird wohl der nächste sein. Man könnte glatt von einem dritten Weltkrieg sprechen. Krieg scheint wieder das Mittel der Politik zu sein.
    Manfred Sommerfeld, Hamburg

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge.

»Das musste ich erst mal googeln«

Der Leser Manfred Aßmus aus Peißenberg in Oberbayern hat die Sprache der Texte in der Ausgabe 10 kritisiert. Blattmacher Hendrik Ternieden hat ihn angerufen.

SPIEGEL: Herr Aßmus, welche Formulierungen haben Sie gestört?

Aßmus: Es geht um Fremdwörter, die nicht wirklich geläufig sind. Zum Beispiel im Leitartikel, der sehr gut darlegt, warum eine Wahl der AfD fatale Folgen hätte. Da steht das Wort »Nepotismus« (hier der Leitartikel ). Ich bin selbst Akademiker, aber das musste ich erst mal googeln, und das geht wahrscheinlich vielen Leuten so. Warum schreiben Sie nicht Vetternwirtschaft? Wenige Seiten später folgt dann etwa »Kill-Chain« oder »Messianismus« (hier die Titelgeschichte ).

SPIEGEL: Verständlichkeit ist wichtig für uns, da wollen wir besser werden. Gleichwohl können treffende Fremd- oder Fachwörter einen Text auch bereichern.

Aßmus: Da haben Sie recht. Nur glaube ich, dass nicht alle das als Bereicherung verstehen und dann lieber etwas anderes lesen. Zum Beispiel Social Media, wo es viele Fake-Meldungen gibt. Ich wünsche mir, dass der SPIEGEL nicht nur hochgebildete Menschen anspricht.

Gott schütze uns

Nr. 10/2026 Leitartikel: »Altparteien«? Der wahre Filz sitzt woanders 

  • Ein ganz dickes Kompliment an Roland Nelles! Endlich traut sich jemand, das schreckliche Treiben Alice Weidels und ihrer Schergen in allen Facetten zu benennen. In deutlichen Worten. Das war schon lange fällig.
    Rita Lepski, Hochdorf (Bad.-Württ.)

  • Was Roland Nelles da beschreibt, ist seit langer Zeit den politisch Interessierten und spätestens seit den letzten Monaten jedem noch so tumben Bürger bekannt. Allein, es scheint niemanden zu interessieren. Die Zustimmung zur AfD wächst ständig. Der Frust über, scheinbar, bürgerferne Altparteien ist offensichtlich so groß, dass alles besser scheint als das Bestehende. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und zu einem großen Teil im öffentlichen Auftreten und dem daraus resultierenden Medienecho zu finden. Alles Zetern und Jammern bestärkt diese Partei nur. Auch wenn viele aufschreien und Weimarer Verhältnisse heraufbeschwören: Lasst sie sich selbst entlarven. Mit irgendeiner Alleinregierung. Am besten in Sachsen-Anhalt.
    Ulrich Derndorff, Seesen (Nieders.)

  • Natürlich ist die verbreitete Vetternwirtschaft im rechten Lager heikel, aber die AfD hatte wohl Nachholbedarf und obendrein zuhauf Anschauungsmaterial. Ob der SPIEGEL wohl mit gleicher Inbrunst den engen Familienbanden im Habeckministerium auf der Spur war, die zu etlichen Traumjobs verhalfen? Das Phänomen aller jungen Formationen. Das rechtfertigt nichts, erklärt aber vieles. Dass besonders autokratische Regime anfällig sind, soll wohl auf das Menetekel AfD verweisen, aber von Alleinherrschaft trennen sie einstweilen Lichtjahre. Dazu kommen massive fachliche Defizite. Auch ihre dünne Personaldecke spricht nicht für höhere Weihen. Spannend am Ende die Frage (nach den Landtagswahlen), ob die Union aus staatspolitischer Verantwortung die Duldung oder gar eine Koalition riskieren sollte – anstatt bloßer Abwehrbündnisse. Sie wären vermutlich noch labiler und gäben rechts außen weiteren Auftrieb. Die Brandmauer, das Schicksalsbollwerk der CDU.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Sie regen sich zu Recht über den Versorgungsfilz der AfD auf. Schauen Sie doch mal mit gleicher Brille auf die anderen Volksparteien. Selbst langjähriger und immer noch SPD-Wähler, kenne ich die Sozen plus Arbeiterwohlfahrt plus Gewerkschaften plus Fußball als wärmenden Filz aus NRW und besonders dem Ruhrgebiet der Achtzigerjahre. Ja, leider.
    Rudi Meisel, Berlin

  • Nach jahrzehntelanger Unterdrückung durch den Kommunismus in der damaligen DDR jetzt eine weitere Unterdrückung durch eine faschistische Partei mit der AfD in den neuen Bundesländern anzustreben, stärker kann man seine Wahlunmündigkeit nicht zum Ausdruck bringen. Jede demokratische Partei, die es erlaubt, in Freiheit und mit freier Meinungsäußerung zu leben, ist besser, als sich wieder in Abhängigkeit zu begeben. Da helfen auch keine Argumente, aus Protest für die AfD zu stimmen. Gott schütze unser Land vor diesen Politiklegasthenikern.
    Norbert Höpfner, Kronberg (Hessen)

Wie finden Sie das neue Heizungsgesetz von Schwarz-Rot?

Gut

»Gut, denn es spiegelt die Stimmungslage in unserem Land zu diesem Thema wider. Aber was die Regierung auch beschließt, die Zukunft der fossilen Heizung ist zu Ende.«

Rafael Vogt

Schlecht

»Die Verantwortung für Klimaschutz den Gasnetzbetreibern zu überlassen, ist ungefähr so, als würde man bei einem Brand das Löschen dem Brandstifter überlassen.«

Martina Rehn

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Recht hat sie

Nr. 10/2026 SPIEGEL-Gespräch mit Eva von Redecker über Kapitalismus und Faschismus 

  • Vielen Dank für das inspirierende Interview mit Eva von Redecker. Der Satz »Die Rechten sind die toxische Schaumkrone auf der neoliberalen Welle im Zeitalter des Anthropozäns« ist absolut bedenkenswert und regt dazu an, sich noch intensiver mit der »Welle« zu beschäftigen. Und die nebenbei angesprochene Gedankenverbindung zwischen Hannah Arendt und ihrer Erkenntnis über den »verbitterten Zynismus der Leute« und dem heutigen Instagram (und anderen neuen Medien) erscheint mir ebenfalls überaus sinnvoll. Gern mehr davon und von analytischen Gedanken zu neuen Faschismusformaten.
    Joachim Niepel, Pattensen (Nieders.)

  • Dieser Ausflug einer Philosophin ins Reich der Politologie und Geschichte ist grotesk und skurril. Mit ihrer Aussage, in Deutschland (oder auch Ostdeutschland allein) lebten 40 Prozent Nazis, disqualifiziert sie sich letztendlich selbst.
    Dr. Matthias Euler, Vallendar (Rhld.-Pf.)

  • Super Gespräch mit einer tollen Philosophin, danke für’s Veröffentlichen! Für solche Artikel liebe ich Euch – gute Gegenwartsanalyse und die großen Zukunftslinien im Blick: Visionen einer besseren Zukunft, Hoffnung machende Ideen … Ein bisschen verrückt nur der emotionale Schleudergang durch Artikel in derselben Ausgabe wie den Titelkomplex über künstliche Intelligenz ... hilft ja nix, wir Menschen sind widersprüchlich, die Welt, die wir formen, ist es dadurch auch.
    Susanne Hartmann, Harsum (Nieders.)

  • Der Kapitalismus sei die Wurzel allen Übels – so die Philosophin von Redecker. Recht hat sie. In Zeiten der Privatisierung und der Globalisierung wissen wir schon gar nicht mehr, warum wir in Europa die Demokratie entwickelt haben. Die Griechen hatten sie erfunden, weil sie allein die Möglichkeit bot, die Armen und die Schwachen vor den Reichen und den Starken zu schützen. Aristoteles hatte damals zudem noch eindrücklich gewarnt: Die wichtigste Aufgabe in einer Gesellschaft sei es, die Gier der Menschen zu bekämpfen. Wie wir gerade in den USA sehen, ist dort der Kampf gegen die Gier endgültig verloren gegangen. Die Superreichen, die Tech-Oligarchen, haben endgültig die Macht in der Gesellschaft übernommen.
    Rainer Goetzendorf, Bonn

Samthandschuh-Bekenntnisse

Nr. 10/2026 Die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz hat jede Klima-Ambition aufgegeben 

  • Es ist höchste Zeit, dass Deutschland sich von dem Irrglauben verabschiedet, im Alleingang das Weltklima retten zu können. Die Regierung tut gut daran, die überambitionierten Klimaziele zu überdenken und zu entschärfen, um nicht noch weiterhin Sterbehilfe für einen Großteil der deutschen Industrie zu leisten.
    Raimund Römer, Zirndorf (Bayern)

  • Ja, es war abzusehen, dass die SPD ohne die Grünen ihr Level, was die Klimaziele betrifft, nicht würde halten können. Die SPD wird auf den Tisch hauen müssen, um die Politik und die Wähler zum Aufwachen zu bringen. Die letzte Möglichkeit ist dann nur noch, die Koalition platzen zu lassen. Die CDU/CSU hat nichts gelernt. So traurig das ist: Vielleicht bringt der Krieg im Nahen Osten die »vernagelten« Politiker zum Umdenken.
    Lothar Wirth, Berlin

  • Es gibt vier Szenarien. Erstens: Der habecksche »Heizungshammer« wird umgesetzt – unrealistisch. Die Zielsetzung ist richtig, der Weg falsch. Eine Modifizierung muss erfolgen, da die Politik das nicht gegen die Gesellschaft durchsetzen kann. Zweitens: »Samthandschuh-Bekenntnisse«: Man bekennt sich zu den Zielen, beschließt aber keine konkreten Maßnahmen – Merz und Spahn lassen grüßen. Die nächste Generation soll sich darum kümmern. Gegenwart, Wirtschaft und Lobbyismus first! Drittens: Man übertrumpft Trump noch und schließt sich der Klimaleugnungsbewegung an, mit dem Motto »Nach uns die Sintflut!« So weit geht selbst Merz nicht. Viertens: Man besinnt sich wieder auf die Grundlagen allen Lebens. Zu schön, um wahr zu sein? Hoffentlich nicht.
    Dirk Bohman, Overath (NRW)

  • Deutschland muss sich endlich von den fossilen Brennstoffen verabschieden. Der Backlash von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Kanzler Friedrich Merz, Fraktionsvorsitzendem Jens Spahn und so weiter wird uns geradezu zeitlich passend zu Beginn eines neuen Krieges und einer neuen Ölkrise in größere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bringen. Die Anti-Habeck-Obsession dieser Politiker macht diese quasi selbst zu Fossilien – deren »Aus vom Verbrenner-Aus« und Reiches geforderter Ausbau neuer Gaskraftwerke machen uns noch verletzlicher durch internationale Krisen: jetzt im Nahen Osten, Iran, Sperrung der Straße von Hormus et cetera.
    Erhard Wohlgemuth, Hamburg

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