Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Das Monopoly-Spiel geht weiter
Nr. 3/2026 Titel: Alles meins!
Die gewaltsame Entführung des venezolanischen Diktators Maduro verstößt gegen internationale Regeln und Gesetze. Was würde Trump sagen, wenn er und seine Frau von einer ausländischen Militäreinheit gewaltsam festgenommen und aus den USA entführt worden wären? Ich könnte Trump in einem anderen Fall für sein Handeln verstehen: Er hätte den Kriegsverbrecher Putin einsammeln sollen. Stattdessen betont er aber seine Verbundenheit mit ihm.
Rolf Böhmer, Wachtberg (NRW)Trump generiert mit brachialen, unangemessenen und rücksichtslosen Methoden ein Klimax-Erlebnis nach dem anderen. Ob das die wirtschaftliche Expansion ist, die Ausbeutung der Erde, Militarismus und Imperialismus, Intoleranz im gesellschaftlichen Miteinander, die Ignoranz gegenüber der Wissenschaft, Pluralismus und gesundem Menschenverstand oder gehässige Freude, den Umweltschutz ins Lächerliche zu ziehen und den Klimawandel zu leugnen. Ein Höhepunkt jagt den anderen. Und es liegen noch drei Jahre vor uns. Was kommt da auf uns zu? Trump und seine Adlaten wollen die alte Ordnung wiederherstellen, die einen Namen trägt: MAGA! Einen Paradigmenwechsel nach hinten, in die Vergangenheit.
Wilhelm Stauch-Becker, StuttgartDeshalb also bringt Trump so viel Verständnis für Putin auf. Der hat ihm die Blaupause für sein eigenes Handeln geliefert. Wie zwei Mafiabosse, die ihre Einflusssphären abstecken. Wir Europäer täten gut daran, uns auf schwere Zeiten einzustellen.
Carl Ibs, SalzgitterJetzt rächt sich, dass in der regelbasierten Ordnung des globalen Westens mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wurde und wird. Einige Staaten werden bei Völkerrechtsverletzungen hart bestraft und mit Sanktionen belegt, bei anderen wird höchstens mit dem Zeigefinger gewunken oder sogar noch zugestimmt. Trump hat gelernt, dass er ohne Konsequenzen das Völkerrecht verletzen kann. Dass die EU jetzt mit einem militärischen Aufrüsten die Politik der USA beeinflussen könnte, ist Illusion und der falsche Weg. Die USA werden immer stärker sein als die EU und auch mehr Atomwaffen einsatzbereit haben. Es gibt auf dem Gebiet der Soft Power jedoch Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Warum schließt man nicht Sportler der USA von internationalen Wettbewerben aus, wie es mit anderen Staaten gemacht wird? Nur ein Beispiel. Der amerikanischen Bevölkerung, die das Machtstreben von Trump nicht unterstützt, könnte dies eine Unterstützung sein.
Klaus Stampfer, Bonstetten (Bayern)Die Welt ist schon länger auf dem Weg von einer regelbasierten zu einer multipolaren Ordnung. Und die Uno geriert sich als zahnloser Tiger. Donald Trump versucht, sein Rechtsempfinden global umzusetzen, notfalls mit Gewalt. Allerdings vergisst er dabei, wie schon bei vielen Interventionen der USA in der Vergangenheit, dass es einer Ordnung für danach bedarf, exemplarisch veranschaulicht an der Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten. Das Monopoly-Spiel geht jedenfalls weiter, bis möglichst alle Mit- beziehungsweise Gegenspieler aufgegeben haben.
Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)Uns Europäern bleibt angesichts der Machtgier und des Narzissmus eines Donald Trumps und des menschenfeindlichen Größenwahns Wladimir Putins aktuell nur die Rolle der passiven, ängstlichen Beobachter, die für ihre eigene Sicherheit nicht sorgen können. Doch an dieser prekären Lage sind in erster Linie nicht diese beiden Autokraten schuld, die aktuell alles dafür tun, die demokratischen Werte der Weltgemeinschaft auszulöschen. Was uns als europäische Nationenfamilie fehlt, ist einzig und allein der Mut, Verantwortung für unser eigenes Schicksal zu übernehmen. Wenn wir uns selbst nicht trauen, den Tatsachen ins Auge zu blicken und uns gegenüber den Bedrohungen unserer Tage geradezumachen, ist es nur logisch, dass wir Europäer von den Autokraten des 21. Jahrhunderts nicht ernst genommen werden. Europa hat alle Voraussetzungen, um sich und seine Werte, allein auf sich gestellt, mit und ohne Waffen zu verteidigen.
Jens Sonntag, Eibenstock (Sachsen)
»Das spricht den Leuten die Medienkompetenz ab«
Der Leser Kai Lunkeit aus Kiel hat den Artikel »Reichweite mit Tempo 370« von Pascal Mühle kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Eine Auseinandersetzung.
SPIEGEL: Herr Lunkeit, Ihnen hat nicht gefallen, was ich über Raser-Videos geschrieben habe. Warum?
Lunkeit: Sie beschreiben den YouTube-Kanal AutoTopNL als typisches Beispiel. Dort liegt der Fokus aber auf der Ingenieurskunst von Autos. Außerdem ist schnelles Fahren nicht automatisch gleichzusetzen mit Rasen. In den Videos sitzt ein Fahrprofi am Steuer.
SPIEGEL: Trotzdem schreibt AutoTopNL die erreichte Maximalgeschwindigkeit oft in den Titel der Videos. Ich mache mir Sorgen, dass Menschen ohne die nötige Fahrerfahrung so etwas nachahmen könnten.
Lunkeit: Das spricht den Leuten, die sich solche Videos angucken, die Medienkompetenz ab. Nur weil man jemanden schnell fahren sieht, wird man doch nicht selbst zum Schnellfahrer. Ich glaube, die meisten Menschen schauen sich diese Videos an, um zu sehen, ob die gezeigten Autos solche Geschwindigkeiten erreichen können. Ich würde im SPIEGEL gern mehr Beiträge lesen, in denen großartige Autotechnik abgefeiert wird.
Liebe zum Verbrenner
Nr. 2/2026 Kulturkampf gegen das Auto
Herr Neubacher, es fällt mir sehr schwer, beim Lesen Ihrer Zeilen zu glauben, dass Sie nicht doch ein heimlicher »Petrolhead« sind – sorry, dass ich das so offen schreiben muss, aber Ihre Liebe zum Verbrenner ist beim Lesen dieses Textes nicht zu übersehen. Nicht die Umstellung auf die Elektromobilität macht der deutschen Autoindustrie den Garaus, sondern die Zaghaftigkeit, mit welcher sie in Deutschland von ebendieser Industrie angegangen wird.
Patrick Pfefferle, Oberdonven (Luxemburg)EU-Bashing, die Gleichstellung von Verbrennungsmotoren mit Autos und die Überhöhung dieses Themas zum Kulturkampf hilft nur einem politischen Lager. Bedauerlich, dass der SPIEGEL auch in diese Richtung abdriftet.
Daniel Reichert, Berlin
Ja
»Die Ukraine kämpft für sich und die gesamte freie Welt. Ich war eigentlich immer kritisch gegenüber der Armee eingestellt, weil die bloße Existenz von Armeen schon die Möglichkeit auf Krieg erhöht. Aber nun würde ich mich fast freiwillig melden.«
Stefan Blutke
Nein
»Ich verstehe nicht, warum sich drei europäische Staatsführer, die allesamt daheim genug Probleme haben, einen ganzen Tag lang einer ›Nicht-Frage‹ widmen. Es gibt keinen Waffenstillstand, wird auch so schnell keinen geben, also sind Sicherheitstruppen obsolet.«
Lothar Kempin
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Schonungslose Selbstreflexion
Nr. 2/2026 SPIEGEL-Gespräch mit Ex-Grünenchefin Ricarda Lang über ihr neues Leben
Da war ich doch wirklich baff: Eine ehemalige Grünen-Frontfrau, die ich in ihrem Vorsitzendenjob immer als ein bisschen roboterhaft, manchmal schrill und oft platte Schlagzeilen von sich gebend wahrgenommen hatte, offenbart sich nun als blitzgescheite, sehr nachdenkliche junge Frau. Eine derartig ehrliche, schonungslose Selbstreflexion über ihre Rolle als Parteichefin – das habe ich noch bei keinem anderen Spitzenpolitiker irgendeiner Partei erlebt. Selten wurden Mechanismen und Verhaltensweisen in der Politik so bloßgelegt und klar analysiert. Ich schlage den Text vor als Pflichtlektüre für alle Parteispitzen der demokratischen Parteien mit anschließendem Seminar. Seminarthema: »Wie gewinnen wir Politiker das Volk für unsere Demo-kratie zurück?«
Dr. Thomas Bernstein, Leipzig
Das Interview lässt mich ratlos zurück. Was hat Frau Lang jemals politisch für die Bürger erreicht? An der Kindergrundsicherung hat sie mitgearbeitet und an ihrer Karriere gebastelt, okay. Aber was konnten wir aus ihren Sätzen in dem Artikel an Substanz herauslesen? Ich habe leider nichts gefunden, schade.
Hans-Werner Serwe, Bietigheim-Bissingen (Bad.-Württ.)
Neben der Spur
Nr. 2/2026 Regisseur Werner Herzog im SPIEGEL-Gespräch über eine Welt in der Krise
Politik, KI, Kultur – da guckt wirklich mal einer über den Tellerrand. Was für eine coole alte Socke. Obwohl er bestimmt auch schon cool war, bevor er alt wurde. Für mich schon jetzt das Interview des Jahres!
Christian Ott, BerlinEs ist tragisch, wie dieser gebildete und kreative Mensch in seiner dissidenten Überheblichkeit in manchen Details so neben die Spur geraten kann. Was meint er mit der »Dämonisierung« Russlands in Deutschland? Traurig ist auch die Haltung der Interviewer, die es nicht schaffen, schlicht einmal nachzufragen, was er denn genau mit »Dämonisierung« meint. Wie, meint der alte weise Mann, soll man mit einem Land umgehen, das ein Nachbarland überfällt und seitdem dessen Zivilbevölkerung mit Drohnen terrorisiert? Mal abgesehen davon, dass es jede eigene innere Opposition abtötet (im Wortsinn)? Gut Gas, gut Freund? Ist das sein Ernst? Überhaupt Energie: Ausgerechnet der Mann mit dem Faible für die großen Abenteuer hat offenbar nicht genug Fantasie, in der »alternativen Energie« das kollektive Abenteuer zu sehen, für das man kämpfen muss, um den Niedergang der Menschheit (mit dem er kokettiert) wenigstens ein Stück weit hinauszuzögern.
Ralph Misske, Berlin
Wirklich empört
Nr. 2/2026 Vor laufender Kamera mit Tempo 370 über die Autobahn
Es wäre gut, wenn der SPIEGEL das Thema »Rasen auf deutschen Autobahnen« verstärkt aufgreifen würde. Als Deutscher, der in Belgien wohnt, ist mir unverständlich, warum es in der Bundesrepublik kein Tempolimit von 120 oder 130 Stundenkilometern gibt, das viele schwere Unfälle vermeiden würde. Auffällig an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden ist, dass Raser meist Sportwagen mit niederländischen oder britischen Kennzeichen fahren und offenbar zum Spaß unterwegs sind. Diese Art von Tourismus sollte man dringend unterbinden.
Harald Feiber, Hergenrath (Belgien)Die im Artikel beschriebenen Vorgänge haben mich wirklich empört. Ich war einige Jahrzehnte lang Lkw-Fahrer. Wenn ein Follower des Raser-Influencers witzelt, »dieser Lkw wird sich für immer an diese Sekunde erinnern«, in der der Raser mit mehr als 300 Stundenkilometern an dem Lkw vorbeizieht, macht mich diese stupide Negierung von Lebensgefahr sprachlos. Abgesehen davon, dass ein Lkw kein Erinnerungsvermögen besitzt, ist es menschenverachtend, wenn ein tschechischer Millionär mit einer 417-Stundenkilometer-Raserei straflos davonkommt, während ein einfacher Arbeiter und Lkw-Fahrer mit seinem kargen Lohn für fünf Minuten Arbeitszeitüberziehung Hunderte Euro Strafe bezahlen muss, wie es tagtäglich auf deutschen Straßen vorkommt. Das steht in keiner Relation. Der eine gefährdet bewusst und absichtlich unschuldige Menschenleben, der andere möchte mit seinem Lkw einfach nur einen sicheren Parkplatz erreichen.
Elmar Mostegl, Koblach (Österreich)
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