Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Ich möchte das bezweifeln
Nr. 2/2026 Titel: Bekommen Sie, was Sie verdienen?
Vielen Dank für diesen aufklärenden und positiv gestimmten Artikel. Ich finde es super, dass er aufzeigt, dass zwar noch einiges verbesserungswürdig ist, es aber viele positive Trends gibt. Solche Artikel braucht es immer wieder, um seine eigenen Annahmen zu überprüfen und zu nivellieren. Er erinnert mich sehr an das Buch »Factfulness« von Hans Rosling.
Martin Neumann, LübeckDer Artikel vergleicht einmal mehr Bruttogehälter und wiederholt schon wieder den Fehler, die Abzüge zu ignorieren, von denen Beamte befreit sind: Ohne Sozialabgaben lautet die einfache Formel immer wieder: brutto weniger, netto mehr.
Friedrich Meyer-Hildebrand, Tornesch (Schl.-Holst.)Der Artikel gelangt zur Konklusion, dass die Deutschen in den letzten zehn Jahren Reallohngewinne erzielt haben und es ihnen daher besser geht, als sie es wahrhaben wollen. Hierbei werden wesentliche Informationen unterschlagen, beziehungsweise Statistik im Sinne des beabsichtigen Schlusses selektiv angewandt. Bei der Berechnung der Inflationsrate werden Mietausgaben mit circa 25 Prozent berücksichtigt. Tatsächlich liegt der Anteil der Mietausgaben am Lohn zum Teil deutlich höher. Je urbaner man lebt oder je ärmer man ist, desto höher ist der Anteil und liegt oft deutlich über den angenommenen 25 Prozent. Hinzu kommt, dass die Kreditraten für eine Immobilie überhaupt nicht berücksichtigt werden. Wer heute eine Immobilie für eine Familie kauft, muss damit rechnen, die Hälfte des Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufzuwenden. Die Inflationsrate spiegelt also hinsichtlich der Wohnkosten die realen Verhältnisse nur unzureichend wider.
Arne Moltmann, Hamburg
»Sie haben die Chance vertan«
Der Leser Dirk Winkler aus Bönnigheim bei Stuttgart hat sich über die Titelgeschichte »Benehmt Euch!« geärgert (hier die ganze Geschichte ). Reporter Alexander Kühn hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Herr Winkler, Sie kritisieren, wir hätten das Thema Benimm nicht angemessen behandelt. Was stört Sie?
Winkler: Sie haben die Chance vertan, sich ernsthaft mit dem sozialen Miteinander zu beschäftigen. Wichtiger als Etikette sind ein höflicher Umgangston und vor allem Rücksicht. Darauf sind Sie leider kaum eingegangen. Etwa dass man seine Füße in der Bahn nicht auf die Sitze legt oder sein Umfeld nicht mit Körpergerüchen belästigt.
SPIEGEL: Wir gingen davon aus, dass unsere Leser das wissen.
Winkler: Trotzdem gehört es zur Bestandsaufnahme, denn viele Leute halten sich nicht daran. Stattdessen führen Sie Tipps an, die der sozialen Distinktion dienen, weil jemand gesellschaftlich dazugehören will: ob ich die richtige Gabel benutze oder mit welchen Gläsern ich anstoße. Für Benimmtrainer mag das einen Unterschied machen. Die Knigge-Industrie konstruiert einen Bedarf, um ihn mit erfundenen Regeln gegen Bezahlung zu befriedigen. Einen Text darüber hätte ich gern gelesen.
In der Blase
Nr. 1/2026 Leitartikel: Hass gegen die Presse und gegen Fakten bedrohen demokratische Grundlagen
Natürlich geht es nicht an, dass Journalisten pauschal mit Hass überzogen werden. Alle Ursachen dafür, die auch Sie beschreiben, stimmen. Eins fehlt aber: Selbstkritik. Ich meine, dass viele Menschen nicht mehr bevormundet werden wollen. Nicht nur Journalisten, sondern auch andere tun das, aber eben Ihr Berufsstand auch. Das sollte schnellstens geändert werden. Was den Diskurs versachlichen könnte, wäre auch ein anderer und offener Umgang mit den Dingen, die Menschen umtreiben. Nicht passende Fakten und Meinungen totzuschweigen, wie es in der Vergangenheit vermehrt passierte, rächt sich auch für Journalisten. Das Ethos Ihres Berufsstandes sollte es sein, alle Fakten und Meinungen zu beschreiben und nicht »unliebsame« oder »nicht-trendige« zu unterdrücken. Das würde uns allen wirklich weiterhelfen.
Christian Vetter, Hamburg
Sie schreiben: »Für die einen ist der SPIEGEL zu ›woke‹, für die anderen zu ›rechts‹.« Ernsthaft? Der SPIEGEL zu »rechts«? Wie kommt man denn zu der Ansicht? Wie viele halbwegs konservative, geschweige denn »rechte« SPIEGEL-Mitarbeiter kennt Herr Kurbjuweit denn selbst? Er konstatiert, dass »mehr und mehr Menschen in Blasen« lebten und von Ideologien geprägt seien. Soll das implizieren, dass beim SPIEGEL im Gegensatz dazu neutraler Journalismus geboten würde? Dass »die Mächtigen« von Medien kontrolliert werden sollten, ist theoretisch schön und gut. Was aber nützt das, wenn die kontrollierenden Medien selbst einer eindeutigen politischen Tendenz folgen? Würde der SPIEGEL jemals zugeben, ja, wir sind links, und wir stehen dazu?
Uwe Fuhrmann, Monschau (NRW)Der Leitartikel kommt zur richtigen Zeit. Die Angriffe von totalitären Machthabern wie Trump, Orbán und Netanyahu auf die freie Presse sind Zeugnis von deren Angst vor den sie kontrollierenden unabhängigen Medien. In Deutschland sollten Straftaten gegen Journalist:innen gezielter und zumindest strafschärfend geahndet werden. Es geht bei der Pressefreiheit um nicht weniger als um ein konstitutives Element einer Demokratie.
Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)
Ja
»Ein großer Teil der Arztbesuche erfolgt wegen Bagatellen. Mit einer Praxisgebühr könnte diese Über-Inanspruchnahme gesenkt werden. Dann müssten die Krankenkassenbeiträge nicht mehr so oft erhöht werden.«
Roland Zeh
Nein
»Es träfe die Falschen: Chronisch Kranke, Ältere und Menschen mit wenig Einkommen. Menschen würden notwendige Arztbesuche hinauszögern. Krankheiten würden später erkannt und teurer behandelt werden.«
Michael Gallasch
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Wie Ersatzreligionen
Nr. 1/2026 Zwei Frauen beraten Menschen, deren Angehörige an Verschwörungen glauben
Der Artikel »Was, wenn die Verwandtschaft abdreht?« beschreibt treffend, warum Gespräche über Verschwörungsglauben in Familien so häufig eskalieren: Es geht selten um einzelne Fakten, sondern um grundlegend unterschiedliche Wirklichkeitsdeutungen. Verschwörungsnarrative funktionieren dabei vielfach wie Ersatzreligionen – mit exklusiven Wahrheitsansprüchen, autoritativen Quellen und klarer Abgrenzung nach außen. Missionarische Gegenversuche sind deshalb meist kontraproduktiv. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, Angehörige systematisch vom eigenen religiösen Glauben überzeugen zu wollen. Genau dieser Impuls prägt jedoch oft den gesellschaftlichen Umgang mit Verschwörungsgläubigen. Die im Artikel beschriebenen Strategien der Deeskalation, Beziehungspflege und Grenzziehung erscheinen daher sinnvoller als faktische Überbietungswettbewerbe. Vielleicht braucht es mehr Gelassenheit im Sinne von »leben und leben lassen«, verbunden mit klaren Grenzen dort, wo reale Gefahren für andere entstehen.
Günter Wick, Aalen (Bad.-Württ.)
War die Erde leer?
Nr. 1/2026 Werden sinkende Geburtenraten zum zivilisatorischen Problem?
Wie kann man heute noch Bevölkerungszahlen lediglich im nationalen und ökonomischen Kontext diskutieren – und dabei die globalen und ökologischen Zusammenhänge und Folgen komplett außer Acht lassen? Das ist unseriös. Vom SPIEGEL hätte ich anderes erwartet.
Gerlinde Volland, Vlotho (NRW)
Ich habe beim Lesen des Artikels die ganze Zeit darauf gewartet, wann denn die Stelle mit den positiven Aspekten des Bevölkerungsrückgangs kommt, leider vergeblich. Der demografischen Entwicklung (und weniger der Agenda 2010) ist beispielsweise das Verschwinden der Massenarbeitslosigkeit in den letzten zwanzig Jahren zu verdanken. Und gibt es nicht immer noch Wohnungsnot und Flächenfraß? Vor fünfzig Jahren gab es halb so viele Menschen auf der Welt, war die Erde da leer? Bis wir auf dieses Niveau zurückgekehrt sind, wird es wohl noch eine Weile dauern. Dann können wir uns immer noch mit Geburtensteigerung befassen. Bis dahin hat die Welt doch andere Probleme, zum Beispiel Klima oder Autoritarismus. Was vielleicht auch ein wenig an zu vielen Menschen auf ihr liegt.
Frank Edlich, Schönborn (Brandenb.)In diesem und auch schon in früheren Artikeln zu dem Thema vermisse ich die Diskussion eines wichtigen Grundes für ausbleibende Geburten: Probleme mit der Fertilität. Ein Grund hierfür ist sicherlich das höhere Alter, ab dem man in die konkrete Kinderplanung startet. Ein weiterer wichtiger Grund, der unverständlicherweise in der Diskussion aber nie eine Rolle spielt, ist der Einfluss der Umweltverschmutzung. Es ist doch logisch, dass es einen Einfluss auf die Geburtenzahlen hat, wenn wir überall von endokrinen Disruptoren umgeben sind. Ich würde mir wünschen, dass der SPIEGEL dies in Zukunft mehr in den Blick nimmt.
Stefanie Wieck, Offenburg
»Ich merke schon, ich rede mich hier um Kopf und Kragen«
Nr. 1/2026 SPIEGEL-Gespräch mit Komiker Hape Kerkeling über Humor in schwierigen Zeiten
Toll, was Neues von Herrn Kerkeling! Eine Anmerkung: Wäre Totalitarismus nicht das passendere Wort als Faschismus? Nach dem Satz (von Werner Fink): »Ich stehe hinter jeder Regierung, bei der ich nicht sitzen muss, wenn ich nicht hinter ihr stehe.« Ich freue mich auf den Film.
Stefan Waldow, Wohnort angefragt
Ich schlage hiermit Hape Kerkeling für die Wahl zum Bundespräsidenten vor. Ernsthaft!
Dirk Josczok, Berlin
Kann tödlich sein
Nr. 1/2026 Was passiert im Körper eines Menschen, der fast eine halbe Stunde lang die Luft anhält?
In dem Artikel über Maričić’ Weltrekord im Luftanhalten habe ich einen Verweis auf seine gefährliche Einstellung gegenüber der Einnahme von Beruhigungsmitteln beim Freitauchen vermisst. Die Journalistin Lydia Gard hat sich damit in einem Artikel in der britischen Zeitung »The Observer« vom 30.11.2025 und in einem siebenteiligen Podcast bei »Tortoise Investigates« auseinandergesetzt. Die Einnahme von Beruhigungsmitteln beim Freitauchen kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen, was in den extremen Bedingungen des Freitauchens tödlich sein kann. Maričić’ Machogehabe zieht leider viele Menschen an, auf zusätzliche Gefahren bei ohnehin gefährlichen Sportarten sollte sicher hingewiesen werden.
Helen Hauser, Newcastle West (Irland)
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