Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 62 / 64

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Titel: Abhängigkeit USA, Leitartikel, Gespräch mit Hartmut Rosa, Bundeswehrskandal – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 5/2026

Die Nato wäre Geschichte

Nr. 4/2026 Titel: Gefährlich abhängig 

  • Endlich mal ein Titelbild mit Amerikabezug ohne Trump. Ich muss die aktuelle Ausgabe des SPIEGEL nicht rumdrehen, weil ich den Anblick des US-Präsidenten nicht ertrage. Weiter so.
    Anne Kamieth, Darmstadt

  • Wieder einmal trifft ein SPIEGEL-Titelbild das Geschehen messerscharf. Dem Weißkopfseeadler fehlt es indes an einer passgenauen Requisite: Ein MAGA-Baseballcap auf dem Kopf des US-Wappentiers hätte die aktuellen Gegebenheiten noch anschaulicher gemacht.
    Peter Hülcker, Norderstedt

  • Nach einer inhaltlichen Erschließung dieses Beitrags gibt es nur ein Fazit: Trump und der dazugehörige Fanblock im Weißen Haus sind in der Lage, das alte Europa vollumfänglich in die Kapitulation zu zwingen. Was für Aussichten sind denn das? Entweder lernen wir endlich, auf eigenen Füßen zu stehen, oder wir werden eine Art Kolonialgebiet 2.0 für die USA.
    Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)

  • Wir werden wohl die Annexion Grönlands durch die USA stillschweigend hinnehmen müssen, weil uns andernfalls die amerikanischen Dienstleistungen entzogen werden. Aber besser so, als dass die USA aus der Nato austreten, Grönland militärisch angreifen und wir dann im Rahmen des Nato-Bündnisfalls in den Krieg gegen den bisher größten Verbündeten ziehen.
    Samuel Reibold, München

  • Symbolik hält Diktatoren wie Putin und jetzt auch Trump nicht auf. Was Grönland braucht, ist eine robuste Militärunterstützung durch die übrigen Nato-Staaten. Das heißt, mehr Nato-Schiffe vor Grönland und mehr Truppen auf Grönland. Die übrigen Nato-Staaten müssen sich endlich von den USA unabhängiger machen. Die USA werden Europa im Falle eines Angriffs durch Putin nicht schützen und auch nicht helfen.
    Manfred Sommerfeld, Hamburg

  • Die USA unter ihrem derzeitigen Präsidenten entfernen sich von einer regelbasierten Weltordnung hin zu einer massiven Geopolitik der Macht- und Einflusszonen. Hierbei lassen sich die USA ausschließlich von ihren eigenen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen leiten, transatlantische Partnerschaften treten dabei klar in den Hintergrund. In dieser sich andeutenden neuen Weltordnung wird nur der bestehen können, der über Einigkeit und Stärke verfügt. Für Deutschland bedeutet dies, die EU mit aller Kraft zu einer echten politischen Union weiterzuentwickeln – alle Potenziale sind vorhanden und der äußere Zwang jetzt auch.
    Stephan Erven, Merzenich (NRW)

  • Europa ist historisch schwach, und das hat Konsequenzen. Wie bei einem verletzten Tier stürzen sich Raubtiere auf ihre Beute. Im Osten nagt Putin an Europa, im Westen Trump. China nagt im Inneren. Jede Gegenwehr scheint zu spät zu kommen. Wir sind viel zu abhängig von Amerika und China geworden. Europa ist ausgelaugt. Sollte Grönland von Trump annektiert werden, dann ist Europa komplett machtlos. Die Nato wäre de facto Geschichte, und Putin hätte leichtes Spiel. Wir können froh sein, dass die Ukraine uns einige Jahre Zeit verschafft hat.
    Patrick Finck, Oberkolpach (Luxemburg)

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Dieser Eid wird nicht mehr geschworen«

Die Leserin Ute Coulmann aus Karlsruhe hat sich über den Text »Ärzte außer Kontrolle« in Heft 3/2026 geärgert (hier die ganze Geschichte ). Redakteurin Susanne Amann hat sie angerufen.

SPIEGEL: Frau Coulmann, was genau hat Ihnen an unserem Text missfallen?

Coulmann: Sie haben geschrieben, dass einer der Ärzte mit seinem Verhalten gegen den hippokratischen Eid verstoße. Das hat mich aus zwei Gründen gestört: Erstens sagt der nichts darüber aus, was Sie in Ihrem Text zu Recht kritisieren. Zweitens wird dieser Eid heutzutage nicht mehr geschworen noch in irgendeiner anderen Form benutzt.

SPIEGEL: Das stimmt. Wir haben den Eid im Text sinnbildlich verwendet, weil er für die Grundprinzipien ärztlichen Handelns steht. Was hätten wir stattdessen schreiben sollen?

Coulmann: Sie hätten auf die aktuelle Version verweisen können: die Deklaration von Genf, die von 2017 stammt. Auch dieser Text wird nicht mehr zeremoniell verwendet, aber er ist die heute geltende Richtschnur, an der sich ärztliches Verhalten ethisch ausrichten muss. Wenn man das Verhalten von Ärzten schon bewertet, dann anhand des Kodex, der tatsächlich existiert.

Erwachsen werden

Nr. 3/2026 Leitartikel: Europa muss sich gegen die USA zur Wehr setzen 

  • Herzlichen Dank für den klugen und wichtigen Artikel. Ja, Europa muss schnell erwachsen und sich seiner Marktmacht bewusst werden. Sehr wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang, auch mit Hinblick auf die kommenden Wahlen, dass allen Bürgerinnen und Bürgern in Europa klar wird, was sie alles verlieren, wenn es die EU nicht mehr gibt. Europaweit wäre es ein fataler Fehler, den rechten Parteien an die Macht zu verhelfen, die nur gegründet und von außen finanziert wurden, um die EU zu zerstören. Wir EU-Bürger müssen von allen demokratischen Parteien fordern, dass sie sich, fernab von allen Klein-Klein-Streitereien, sofort für eine politisch geeinte EU einsetzen und diese schnellstmöglich installieren. Und solange der Prozess läuft, können wir Bürger und Bürgerinnen uns aus WhatsApp und Co. verabschieden. Und bestimmt gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die Marktmacht von Europa gegenüber allen Großmächten zu demonstrieren.
    Petra Güntert, Esslingen

  • Ein ausgezeichneter Artikel. Er beschreibt konkret das Problem der EU, sich in der gegenwärtigen geostrategischen Situation zu behaupten, und zeigt die dringende Lösung an. Ich sehe aber leider noch lange nicht, dass die Lenker der Mitgliedstaaten willens sind, die eigene, im internationalen Kontext eher unbedeutende, Macht auf die EU zu übertragen, so wie es sinnvoll wäre.
    Dr. Efstratios Rigos, Herne

  • Sie treffen mit Ihrer Analyse den Nagel auf den Kopf. Natürlich ist die EU mit ihren 450 Millionen Bürgern eine Wirtschaftsmacht, ohne die auch die US-Konzerne nicht leben können. Leider aber gibt sich die EU auf der politischen Bühne zwergenhaft. Das muss sich schnellstmöglich ändern. Europa muss sich umorientieren und mit uns wohlgesinnten Ländern oder Regionen Bündnisse und Handelsabkommen schließen wie aktuell mit Mercosur. Auch das riesige Indien, das Kanzler Merz kürzlich mit einer Wirtschaftsdelegation besucht hat, sollten wir als Handelspartner favorisieren. Ebenso Kanada, Australien, Neuseeland und Mexiko. Wenn wir Europäer diesen Weg gemeinsam und mit all unserer Wirtschaftskraft gehen, dann wird sich der Politik- und Wirtschafts-Chaot Donald Trump irgendwann einmal wundern.
    Horst Mockenhaupt, Hamm

Kassenärztechef fordert Gebühr bei jedem Praxisbesuch: Halten Sie das für eine gute Idee?

Ja

»Ein großer Teil der Arztbesuche erfolgt wegen Bagatellen. Mit einer Praxisgebühr könnte diese Über-Inanspruchnahme gesenkt werden. Dann müssten die Krankenkassenbeiträge nicht mehr so oft erhöht werden.«

Roland Zeh

Nein

»Es träfe die Falschen: Chronisch Kranke, Ältere und Menschen mit wenig Einkommen. Menschen würden notwendige Arztbesuche hinauszögern. Krankheiten würden später erkannt und teurer behandelt werden.«

Michael Gallasch

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Überzeugend!

Nr. 3/2026 Der Soziologe Hartmut Rosa im SPIEGEL-Gespräch über die Schönheit unkontrollierten Handelns 

  • Das Interview mit Hartmut Rosa ist wirklich etwas Besonderes. Nicht, dass andere Interviews im SPIEGEL nicht auch inhaltlich spannend und in ihrer Perspektive kritisch wären. Aber hier bekommt man als Leser tatsächlich den Eindruck, dem Gespräch beizuwohnen. Das liegt zum Teil an manch ungeschönten Formulierungen, die dankenswerterweise nicht redigiert wurden; vor allem aber liegt das an der Art und Weise, wie Tobias Becker und sein Interviewpartner in einen lebendigen, offenen Austausch eintreten, wo nicht mehr nur vorbereitete Fragen zum Tragen kommen, sondern das Interview in ein Miteinander-Nachdenken übergeht. Nomen est omen: Die beiden haben sich ganz im Sinne der Begriffsunterscheidung, die Rosa vorschlägt, in eine Situation begeben, statt sich auf dem sicheren Terrain einer eingeübten Konstellation zu bewegen. Einziger Kritikpunkt: Man vermisst etwas eine Bezugnahme auf die Dialektik der Aufklärung, die vermutlich den geistesgeschichtlichen Hintergrund dieser Überlegungen bildet. Aber man darf wohl annehmen, dass die sich in dem aktuellen Buch von Hartmut Rosa findet. Alles in allem: gern mehr von dieser Art Interview.
    Lars Müller, Lübeck

  • Er spricht mir aus Kopf und Herz. Seine Aussage »Leben heißt handeln!« und sein Plädoyer für »eine neue Kultur des Vertrauens und Zutrauens« kann ich nur unterstreichen. Bitte mehr solcher interessanten, reflektierten und überzeugenden Beiträge.
    Sonja Spohn, Köngen (Bad.-Württ.)

  • Im Interview zu den Problemen der Spätmoderne und der Einengung durch Richtlinien kommt Hartmut Rosa zum Schluss, dass »der Rechtsextremismus nach einer situativen Antwort« verlange und daher eine »formale Brandmauer« abzulehnen wäre. Es gibt jedoch gute Gründe anzunehmen, dass gerade klare und eindeutige Regeln (»konstellative Festlegung«) für die Entgegnung des Rechtsextremismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen zum Schutz der demokratischen Freiheiten erforderlich sind. Die Bürgerinnen und Bürger befinden sich mehrheitlich nicht in einem soziologischen Proseminar, in welchem nach längerer Diskussion »situativ« entschieden werden kann, ob man den Feinden der Demokratie in dem einen oder anderen Fall zustimmen kann. Vielmehr sind unmissverständliche Festlegungen erforderlich, die auch alltagstauglich, generell und daher »konstellativ« sind. Ansonsten büßen wir »situativ« unsere Freiheit und Demokratie ein.
    Prof. Dr. Uwe Hochmuth, Karlsruhe und Dr. Michael Mangold, Mühlhausen

Gemobbt und aussortiert

Nr. 3/2026 Nazitum und Frauenverachtung in einer Eliteeinheit 

  • Als wäre die Zeit stehen geblieben. Ich war 1981 Wehrdienstleistender bei den Fallschirmjägern in Calw. Schon damals war es fast Normalität, dass extremes Machogehabe, rechtsextremes Gedankengut und der Mythos einer kernigen Elitetruppe offen zur Schau getragen und gelebt wurde. Soldaten, die den extremen Belastungen nicht gewachsen waren, wurden gemobbt und aussortiert. Nicht auszudenken, wenn es damals Frauen in diesen Einheiten gegeben hätte. Mir scheint es so, dass dieser Mythos einer Elitetruppe, die an vorderster Front stehen müsste, unvereinbar mit normalen gesellschaftlichen Anforderungen an eine moderne Gesellschaft ist. Das zumindest denken viele Vorgesetzte, und das ist traurig. Man kann auch ohne diese gruseligen Eigenschaften ein Top-Soldat sein. Ich habe seinerzeit ebenfalls einen Bericht an den damaligen Wehrbeauftragten verfasst, aber offensichtlich hat sich nichts geändert.
    Andreas Hermann, Brackenheim (Bad.-Württ.)

  • Sie schreiben, die damalige Wehrbeauftragte Högl habe keine »Ermittlungen anordnen können, weil alle Schilderungen anonym sind und die Einheiten nicht genannt werden«. Die Kaserne in Lebach ist winzig, die dort stationierten Einheiten sind sehr überschaubar. Und Frau Högl fehlte das ausgefüllte Formblatt, und das Gespräch dort reichte ihr nicht? Teils werden Offizialdelikte geschildert. Und Frau Högl? Regt eine Dunkelfallstudie an. »Gerichte und Verwaltungsbehörden des Bundes, der Länder und der Gemeinden sind verpflichtet, dem Wehrbeauftragten bei der Durchführung der erforderlichen Erhebungen Amtshilfe zu leisten« (Gesetz zu Artikel 45b des Grundgesetzes – WBeauftrG). Viel mehr Staatsmacht geht kaum. Die Offiziersanwärterin hat die Aufgabenstellung der Wehrbeauftragten offenbar sehr richtig verstanden. Frau Högl eher nicht. Sie plädiert stattdessen Ihrer Angabe nach für »externe Ansprechpartner« und damit wohl für den Entfall des WBeauftrG. Ein wenig Kritik am offensichtlich vorliegenden Fehlverhalten und Unterlassen der mit sehr hohen Amtsbezügen bedachten Wehrbeauftragten, deren Aufgaben zuvorderst »zum Schutz der Grundrechte« im Grundgesetz verankert sind, wäre durchaus angemessen gewesen. Auch die geschilderte Rolle des Verteidigungsministers erscheint beklagenswert.
    Stefan Rippin, Wesseling (NRW)

  • Eine allgemeine Wehrpflicht kann solchen Vorgängen entgegenwirken. Muss jeder zur Bundeswehr, haben wir einen repräsentativen Querschnitt der jungen Leute, die ihren Dienst ableisten, und solche Geschehnisse treffen intern auf Widerstand. Es wehren sich andersdenkende Soldaten gegen »toxische« Verhaltensweisen einiger. Gehen jedoch nur Freiwillige »zum Bund«, dann wird dort eventuell eine gewisse Klientel überrepräsentiert sein (Militaristen, Waffennarren, rechts Angehauchte, Gewaltbereite, et cetera). Es entstehen eher »verschworene Gemeinschaften«, aus denen nichts nach außen dringt. Fahren Wehrpflichtige jedes Wochenende nach Hause, gibt es eine gewisse Transparenz, da dort auch erzählt wird, was die Soldaten unter der Woche machen, was ihnen passiert ist.
    Georg Altvater, Mannheim

  • Die in Ihrem Bericht aufgezeigten Missstände gab es zu meiner Dienstzeit in der Truppe mit der einzigen damals relevanten Droge, dem Alkohol, zuhauf. An Zahltagen mussten Feldjäger aus benachbarten Standorten abgestellt werden, um im Vollrausch verursachten Vandalismus und Schlägereien unter den Soldaten zu unterbinden. Es stellt sich die generelle Frage, ob die Existenz von Fallschirmjägereinheiten in diesen Größenordnungen militärstrategisch überhaupt noch relevant ist. Flächenabsprünge mit Hunderten als Zielscheiben herabschwebenden Soldaten – einfach grotesk und unverantwortlich. Hier geht es um kleinere konzertierte Kommandoeinheiten, die hinter den feindlichen Linien bei sehr geringer Flughöhe abgesetzt werden, um diverse Aufklärungsaufgaben oder Sabotageaktionen durchführen zu können. Ergo lebt man bei den jetzigen Großeinheiten noch im Mythos und Nostalgie vergangener Zeiten.
    Lothar Janzen, Vallendar (Rhld.-Pf.)

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