Leserbriefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 60 / 62

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Der Geheimpakt zwischen China und Russland, die internen Kämpfe in der AfD und die externen Proteste, das Interview mit dem drogensüchtigen Rapper Capital Bra, Gleichberechtigung und Deutschlands Niederlage in der Fußball-WM – zu diesen Themen haben uns Leserinnen und Leser vergangene Woche am häufigsten geschrieben.
• aus DER SPIEGEL 30/2026

Wer ist denn nun der Böse?

Nr. 29/2026 Titel: Der Geheimpakt 

  • Eindrucksvoller kann man den weltweiten Triumph der Gegenaufklärung nicht illustrieren.
    Bernd Leopolder, Bad Wimpfen (Bad.-Württ.)

  • Der Bericht ist aufrüttelnd, aber die Treffen, um die es geht, betreffen einen Zeitraum, in dem das Glück – sofern man dieses Wort verwenden darf – noch bei Russland lag. Noch vor einem Jahr, als sich Putin und Trump in Alaska trafen, hätte Putin die Chance gehabt, ohne Gesichtsverlust aus dem Krieg auszusteigen. Wladimir hat’s vergeigt. Jetzt ist es zu spät. Die Ukraine hat jahrelang auf die aktuelle Situation hingearbeitet und alle überlistet. Putin und Xi, viele Politiker im Westen, einschließlich Trump, kommen nicht aus dem Staunen heraus, wie die Ukrai­ne Russland vorführt und auseinandernimmt.
    Rudolf Öller, Bregenz (Österreich)

  • Wer ist denn nun der Böse? Die Koordinaten haben sich dramatisch verschoben. Sorge vor der Übermacht der USA? Die USA sind eine imperialistische und aggressive Großmacht. Schon immer und derzeit be­sonders.
    Jochen Hiebel, Salvador (Brasilien)

  • Wieso kommen die Schwarzmäntel erst jetzt darauf? Das ist seit Jahren ein offenes Geheimnis. Ich bin oft beruflich nach China gereist – dort wird offen über russische Kontakte und Kooperationen auf allen Ebenen geredet, auch über militärische. Selbst das chinesische Fernsehen in der Provinz zeigte entsprechende Informationen. Russland wäre ohne China längst am Ende. Und Putin hat sich unverblümt die Zustimmung bei Xi geholt, wenn er angegriffen und eskaliert hat. Wie lange schaut unsere Politik noch zu, bevor es zu spät ist?
    Josef Hoffbauer, Erlangen

  • Die Achse des Bösen ist nicht China und Russland, sondern eindeutig Israel und die USA.
    Peter F. Raddatz, Tetenbüll (Schl.-Holst.)

  • Wenn diese Treffen beziehungsweise die Allianz Russland/China der Bundesregierung bekannt sind, müsste diese entschieden reagieren – zum Beispiel jegliche Zusammenarbeit und Handel mit China einstellen. Aber das geht wohl nicht so ohne Weiteres, da wir von China inzwischen wirtschaftlich abhängig sind.
    Andreas Herm, Hildesheim

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Sie spielen die Gefahr, die die AfD für unsere Demokratie bedeutet, herunter«

Der Leser Sebastian Kayatz aus Jena hat den Leitartikel »Wer Parteitage blockiert, schädigt die Demokratie« (hier der ganze Text ) kritisiert. Ralf Neukirch, Leiter des Meinungsressorts, hat ihn angerufen.

SPIEGEL: Her Kayatz, was hat Sie an meiner Argumentation gestört?

Kayatz: Sie spielen die Gefahr, die die AfD für unsere Demokratie bedeutet, herunter. Das ist eine verfassungsfeindliche Partei. Dagegen Widerstand zu leisten, halte ich für legitim. Im Grundgesetz ist ein Widerstandsrecht ausdrücklich verankert.

SPIEGEL: Ich wollte klarmachen, dass die AfD die gleichen Rechte wie andere Parteien genießt, solange sie nicht verboten ist. Und Blockaden sind nun mal nicht erlaubt.

Kayatz: Sie verlassen sich zu sehr auf die Justiz. Keines der zuständigen Verfassungsorgane scheint willens, ein Verbot der AfD zu beantragen. Deshalb finde ich es wichtig, dass die Zivilgesellschaft gegen diese Partei mobilmacht. Wenn das jetzt nicht geschieht, könnte es bald zu spät sein.

Tut keinen Abbruch

Nr. 28/2026 Die AfD-Führung bekommt interne Machtkämpfe nicht in den Griff 

  • Die AfD-Spitze kann sich bekämpfen, die verschiedenen Flügel mögen sich zerfleischen – der Faszination für diese rechtsex­treme Partei tut dies keinen Abbruch. Die AfD fasziniert, weil sie ihren Wählern das Gefühl gibt, auf der richtigen Seite zu stehen. Sie ist eine Partei für Starke. Dabei ist das Grundgesetz auch für schwache Menschen gemacht. Es ist leicht, zu den Schwachen zu gehören: Krankheit oder Arbeitslosigkeit reichen dafür aus.
    Klemens Hofmann, Marbach (Bad.-Württ.)

  • Die Erfahrung zeigt, dass Populisten nicht Politik für ihre Wähler machen, sondern nur eigene Interessen verfolgen. Donald Trump hat dies in Amerika bewiesen, Viktor Orbán in Ungarn und Boris Johnson mit dem Brexit in Großbritannien. Überall sind die Lebensbedingungen schlechter geworden, etwas, das auch durch die Forschung bestätigt wird: Der Wirtschafts­nobelpreis 2024 ging an drei Forscher, die zeigen konnten, dass wirtschaftliche Prosperität am besten in Demokratien mit starken Institutionen gedeiht. Wirtschaftsverbände warnen aus gutem Grund vor einer AfD-Landesregierung. Auch die Vetternwirtschafts-Skandale der AfD zeigen, dass es diesen Politikern nur um ihr eigenes Wohl geht. Wer sie wählt, steht am Ende immer schlechter da!
    Dr. Michael Wirtz, Köln

Glauben Sie, dass das Reformpaket der Bundesregierung Deutschland wirtschaftlich stärken wird?

Ja

»Jetzt gibt es wenigstens Reformansätze und ein Gefühl, dass diese Regierung Ideen hat, wohin der Tanker Deutschland steuern soll.«

Manjo Oppenberg

Nein

»Nein, weil die wirklichen Einschnitte gescheut werden und mit Blame Games so getan wird, als wäre Krankfeiern und Faulheit das Problem.«

Nikolaus Müller-Schöll

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Mut abseits des klassischen Genres

Nr. 28/2026 Gespräch mit dem Berliner Rapper Capital Bra über Drogen und seine Panikattacken 

  • Vielen Dank für die Artikel über die deutschen Rapper. Das ist eine andere Seite Deutschlands – die Sprache der Straße, die eine andere Facette der Gesellschaft im Klartext aufzeigt. Bitte weiter so, auch mal Mut abseits des klassischen politischen Genres.
    Marcus Straubing, Potsdam

  • Aufgrund Ihres Interviews habe ich mir seine Videos auf YouTube angeschaut. Immer der gleiche Rhythmus, null Stimme, alle möglichen Drogen, dazu das Anpreisen pubertärer Konsumartikel und Frauen als Sexobjekt. Vielleicht könnte sich die Interviewerin kritisch mit dieser Art von »Kunst« auseinandersetzen – und fragen, was Menschen dazu treibt, solch menschenverachtende Darbietungen anzuschauen. Drogenabhängig zu sein, kann als Qualitätsmerkmal kaum ausreichen. War ich auch – in den Siebzigerjahren, mit allem Drum und Dran. Aber deshalb muss man doch nicht solchen Mist produzieren.
    Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt

Wieder sollen sich die Frauen kümmern

Nr. 28/2026 Frauen sind das neue starke Geschlecht. Jetzt sollten sie den Kampf der Geschlechter beenden 

  • Ich bin unschlüssig: Will Frau Ladipo bewusst provozieren? Oder betreibt sie eine Art Appeasement zwischen den Geschlechtern nach dem Motto: »Bloß keinen Streit eskalieren lassen«? Soll ihr Appell Frauen dazu bewegen, auf Vergeltung zu verzichten und lieber zum Feuerlöscher als zum Flammenwerfer zu greifen? Am Ende bleibt ein ziemlich vertrautes Muster: Frauen sollen wieder die soziale Knautschzone spielen. Wir sollen verständnisvoll sein, deeskalieren, erklären, motivieren, auffangen – und nebenbei verhindern, dass Männer sich »falsch behandelt« fühlen und deshalb in die Arme frauenfeindlicher oder rechtsextremer Angebote geraten. Kurz: Wir sollen Verantwortung für ein Problem, das wir nicht verursacht haben, übernehmen.
    Marlies Lübker, Hamburg

  • Ich schreibe Ihnen mit großer Dankbarkeit für Ihren kritischen Text. Der spöttische, herablassende, öffentliche Umgang von immer mehr Frauen mit den Männern allgemein nimmt mir die Lebenslust. Da ist ein Feindbild entstanden: radikale Ablehnung. Keine Gerechtigkeit. Keine Nuancen. Und wie ist es mit Erotik? Natürlich lasse ich mir meine eigenen Gefühle nicht nehmen, aber wie sehr können unerfahrenere Frauen verunsichert werden? Denen sage ich: Es gibt gute und zärtliche Männer, in jedem Alter. Wer sucht, der findet. Regine Sylvester, Berlin

  • Männer werden in unserer Gesellschaft nicht nur verhöhnt – sie stehen unter Generalverdacht, sexistisch, betrügerisch oder verlogen zu sein. Gleichstellung bedarf dringend kritischer Kontrolle und Einlassung. Vielerorts werden Männer, ob jung oder alt, herabgesetzt und abgehängt. Unsere Gesellschaft hat sich auf die manifeste Opferrolle des weiblichen Geschlechts eingerichtet. Zu wenig werden die Rechte der Männer beachtet und gewürdigt. Die Folge ist eine massenhafte Abkehr von Männern aus unserer pluralistischen und offenen Gesellschaft.
    Thomas Pfeiffer, Leipzig

  • Und schon wieder sollen sich die Frauen kümmern. Das ist die falsche Schlussfolgerung aus einer nur in Teilen richtigen Bestandsaufnahme – denn diese ist ersichtlich unvollständig. Zu einer ehrlichen Inventur gehört auch, dass Männer – statistisch belegt – Milliardenkosten aufgrund ihrer risikoaffinen, ungesunden und selbstschädigenden Lebensweise verursachen. Das unterschlägt die Autorin. Vom alltäglichen Mental Load, den überwiegend Frauen zu bewältigen haben und der ebenfalls vielen Männern zugutekommt, ganz zu schweigen. Solange die erheblichen Ungleichgewichte zwischen den Geschlechtern nicht beseitigt sind, haben sich Frauen um gar nichts zu kümmern. Es ist an den Männern, an sich zu arbeiten, auf Frauen zuzugehen, bestehende Ungerechtigkeiten anzuprangern und sich solidarisch zu verhalten. Nur gemeinsam kann ein gesellschaftliches Miteinander gelingen. Dann kümmert sich frau auch wieder gern.
    Jutta Göbert-Kronewald, Schwabach (Bayern)

So ist das Leben

Nr. 28/2026 Das Scheitern der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft 

  • Wir sollten Niederlagen im Sport angemessen einordnen: Echte Katastrophen sind Kriege, Naturkatastrophen, der zu frühe Tod Angehöriger. Um den am längsten amtierenden aller Bundestrainer Sepp Herberger zu zitieren: »Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.« Nach einer Niederlage kommt (hoffentlich bald) wieder ein Sieg. »Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient« (Udo Jürgens). Hinfallen – aufstehen – Krönchen richten – weitermachen! Das gilt nach ihrem Kollektivversagen auch für unsere Fußballmillionäre.
    Dr. Fred Maurer, Mannheim

  • Was soll das Jammern und Klagen? Wer glaubt, wie die Deutschen, ein Monopol auf eine Weltmeisterschaft zu haben, sollte einfach akzeptieren, dass Sport grausam sein kann – und dass es ganz normal ist, manchmal zu gewinnen und manchmal zu verlieren. So ist das Leben.
    Erich Janoschek, Kaiserslautern

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren

Zur Ausgabe
Artikel 60 / 62