Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 62 / 64

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Luxus, Katherina Reiche, Wolfgang Kubicki, Reichensteuer und die Walrettung – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 19/2026

Ich nutze es bis heute

Nr. 18/2026 Titel: Die Luxus-Falle 

  • Schon vor Jahren amüsierte es mich, wenn auf der Düsseldorfer Königsallee vor Louis Vuitton Schlangen geduldig auf Einlass in die »Heiligen Hallen« warteten, um dort Unsummen für Taschen und Koffer auszugeben. Ich habe durchaus Freude an schönen Dingen und investiere Geld in qualitativ hochwertige Produkte – aber mit Einschränkungen! Teure »Ersatzprodukte« oder auch »Köder« zu erstehen, damit man irgendwann als würdig erachtet wird, auf die Warteliste für eine Birkin gesetzt zu werden – krass! Das hat durchaus einen Hauch von Dekadenz. Und Anstehen vor Luxusgeschäften – sorry, das geht gar nicht. Das Einzige, wofür ich anstehen würde, wäre ein Ticket für ein Mozart-Klavierkonzert in der Wiener Staatsoper – aber auch nur, wenn der Komponist selbst spielt!
    Heidi H. Stockum, Lingen/Ems (Nieders.)

  • Den einzigen Luxus, wenn man es so nennen möchte, habe ich mir vor circa zehn Jahren in Form eines gebrauchten, aber immer noch teuren Smartphones eines bekannten Herstellers gegönnt. Ich nutze es bis heute. Ansonsten lebe ich mit der Einstellung, die Reichen nicht noch reicher zu machen und mache mir auch nichts aus Markenklamotten. Nur für einen Namen zahlen, ohne einen spürbaren Mehrwert zu haben? Ohne mich! Gerade beim Lebensmitteleinkauf machte ich früh die Erfahrung, dass es sich lohnt, zur günstigen sogenannten »Bückware« zu greifen, die sowohl Discounter als auch Supermärkte im Angebot haben. Sie ist wesentlich günstiger und steht der Markenkonkurrenz in nichts nach. Aber ich möchte niemandem die Illusion nehmen, der anders konsumiert und sich ein gutes Gefühl erkauft, wenn es der Geldbeutel hergibt. Dass Konsum dauerhaft glücklich macht, bezweifle ich allerdings.
    Ullrich Herzau, Berlin

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Keineswegs dumm«

Die Leserin Judith Winter aus Tübingen hat das Titelbild von Ausgabe 17 (»Macht die KI uns dumm?«) kritisiert. Titelbild-Teamleiter Johannes Unselt hat sie angerufen.

SPIEGEL: Frau Winter, was hat Sie an unserem Cover gestört?

Winter: Hätten Sie sich einmal mithilfe der KI schlaugemacht! So hätten Sie erfahren, was Menschen, die sich mit Eseln beschäftigen, schon längst wissen: Die Tiere sind keineswegs dumm und taugen daher nicht als ein Sinnbild für Dummheit, wie es mit dem Titelbild assoziiert wird. Esel sind sogar ziemlich clever, vorsichtig, aufmerksam, sozial, eigenständig und lernfähig.

SPIEGEL: Sie haben recht, wir bedienen uns eines längst widerlegten Klischees. Das wussten wir ohne KI, haben es aber trotzdem getan, weil jeder das Bild sofort versteht und es einfach toll aussieht. Außerdem kann KI, richtig genutzt, hilfreich sein – vielleicht tut der schlaue Esel genau das. Genügt Ihnen das zu unserer Ehrenrettung und der des Esels?

Winter: Ich verstehe das, finde aber trotzdem schade, dass das Klischee auf diese Weise weiter bedient wird. Man hätte sicher andere, treffendere Bilder für die Dummheit finden können.

Die Öl-Ministerin

Nr. 17/2026 Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wird zur Gefahr für Bundeskanzler Merz 

  • Bei Katherina Reiche und auch schon bei anderen Unionspolitikern in den letzten Jahren habe ich den Eindruck, dass sie sich mehr einer Lobby als den Bürgern verpflichtet sehen, um einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen. So gesehen ist Lobbyarbeit für mich nichts anderes als legale Korruption.
    Roland Rabusch, Gudow (Schl.-Holst.)

  • Mir hat der Artikel sehr gut gefallen. Er beleuchtet die Strategie von Frau Reiche und die Ohnmacht von Kanzler Merz. Die Schlussfolgerung ist brillant und deckt sich mit verschiedenen medialen Beobachtungen: Kanzler Merz war auf Reisen in Indien und China, mit großen Wirtschaftsdelegationen. In China war lediglich der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Stefan Rouenhoff, dabei. Bei Interviews oder Berichten zu der Indienreise war Frau Reiche zumindest nicht zu sehen, nur der Kanzler sprach. Die Eröffnung der Hannover Messe offenbarte Ähnliches. Fast alle anwesenden Minister, auch SPD-Mann Pistorius, standen in der ersten Reihe, nur Frau Reiche stand gequält lächelnd in der zweiten. Manchmal sagen Bilder wohl doch mehr als tausend Worte.
    Gunnar Schütz, Seligenstadt (Hessen)

  • Öl-Ministerin Katherina Reiche quält nicht nur den Bundeskanzler, sondern belastet unser ganzes Land. Wem in der heutigen Weltlage nichts Besseres einfällt als eine Rolle rückwärts in die Zeit von Öl und Gas, handelt nicht konservativ, sondern ewiggestrig. Das ergibt weder sicherheitspolitisch noch ökonomisch noch für das Klima irgendeinen Sinn. Ausgestattet mit Argumenten der Gaslobby – geht’s noch? Leben wir in Orbáns Ungarn? Deutschland muss sich nach vorn bewegen, modern werden. Oder, Herr Bundeskanzler? Man muss nicht links sein, um diese Ministerin als aus der Zeit gefallen und als Bürde zu empfinden. Sie wird der CDU noch großen Schaden zufügen.
    Jens Meurer, Berlin

Rente künftig nur noch »Basisabsicherung«: Teilen Sie Merz’ Einschätzung?

Ja

»Schon 1970 war klar, dass die Rente nicht reichen würde für ein sorgenfreies Leben. Alle, die jetzt jammern, sollten sich ihrer Eigenverantwortung bewusst werden und nicht nach der Solidarität der Sparsamen/Vorsorgenden rufen!«

Jörn W. Röper

Nein

»Kann Herr Merz bitte ein ganzheitliches Konzept entwickeln und planen, bei dem nicht die Altersarmut von Millionen Bürgern herauskommt?«

Viktor Krampetz

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Heiße Kulturkampf-Luft

Nr. 17/2026 Wolfgang Kubicki erklärt im SPIEGEL-Gespräch seine Rettungspläne für die Liberalen 

  • Wie kann es sein, dass Sie auf drei Seiten Interview mit einem der profiliertesten Köpfe in der deutschen Spitzenpolitik keine einzige relevante inhaltliche Frage stellen? Kein einziger wirklich eigener Gedanke der Fragesteller. Nur Stereotype, die das SPIEGEL-Archiv hergibt: Weißwein, Kriegsfilme und ständig das Herumreiten darauf, Kubicki müsse doch irgendwie rechts sein. Hallo, aufwachen: Seit wann sind Rechtsstaatsliberale wie Kubicki rechts?
    Bernhard Bomke, München

  • Die FDP sollte sich zweimal überlegen, ob sie Wolfgang Kubicki an ihrer Spitze haben will. Gegen den 74-Jährigen spricht sein Alter. Er selbst hat ja bereits bekundet, nicht für die Zukunft der Partei zu stehen. Außerdem tritt Kubicki nicht immer geschickt auf, was an der Spitze einer Partei aber notwendig ist. Unvergessen ist sein Spruch von 2022, als er den türkischen Präsidenten Erdoğan als »kleine Kanalratte« bezeichnete und damit den Zorn Erdoğans auf sich und das ganze Land zog. Kubicki muss sich und dem Land nichts mehr beweisen. Er hat seine Schäfchen im Trockenen. Vermutlich ist es der Drang nach Aufmerksamkeit, der den FDP-Mann dazu bewogen hat, die Partei führen zu wollen. Doch bevor die Liberalen dem Senior das Ego streicheln, sollten sie den Neuanfang wagen, mit Henning Höne. Den FDP-Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen kennt zwar kaum jemand, doch vielleicht gelingt es ihm, durch solide Politik die Menschen auch über die Parteigrenzen hinweg für sich zu gewinnen. Viel kaputt machen kann er jedenfalls nicht.
    Klemens Hofmann, Marbach (Bad.-Württ.)

  • Normalerweise schätze ich die SPIEGEL-Interviews sehr – dieses hier finde ich selten schwach und oberflächlich. Mich hätte interessiert, wie Kubicki die FDP inhaltlich wieder wählbar machen will, was die Begriffe »liberal« und »freiheitlich« für ihn heute bedeuten, welche Lösungsansätze er für die wirtschaftlichen Probleme entwickeln würde, wie er den Konflikt zwischen Wirtschaftsliberalismus und Umweltschutz lösen will und welche außenpolitische Ausrichtung er der FDP in Anbetracht der kritischen Weltlage geben würde. Stattdessen gleich mehrere Fragen zum Weinkonsum und zum Stress in der Politik. Uninteressant! Was seinen Hang zum Populismus angeht, hat Kubicki es geschafft, das Thema auf Beleidigungen in sozialen Netzwerken zu reduzieren. Nachhaken zu inhaltlichen Differenzen zu seinem Gegenkandidaten Höne oder zu Strack-Zimmermann? Fehlanzeige, stattdessen zwei Fragen dazu, wie seine Frau zu der Kandidatur steht. Wenn die Antworten wenigstens noch halbwegs originell gewesen wären.
    Hans-Jürgen Klesse, Düsseldorf

Bitte beim nächsten Mal das Klischeebild weglassen

Nr. 17/2026 Warum Deutschland jetzt über eine Mindeststeuer für Superreiche diskutieren sollte 

  • Immer dieselbe Leier. Gerechtigkeitsdiskussionen und billige Klassenkampfparolen. Politiker feixen sich doch einen, weil der Neid und Hass auf Reiche davon ablenkt, dass dysfunktionale Finanzpolitik von Regierung und Parlament ungestraft, selbst bei steigenden Einnahmen, das Land in den finanziellen Ruin treibt. Plausibel wurde bisher noch nie erklärt, warum Reiche und auch der normale Steuerbürger immer mehr zahlen sollen, für weniger Leistung und in ein System, dem Billionen Euro zur Verfügung gestellt werden – und von der Politik trotzdem nur die Verwesung des Landes kommentiert und verwaltet wird. Es ist die Politik, stupid.
    Gero Golding, Römerstein (Bad.-Württ.)

  • Seit 45 Jahren bin ich Abonnentin und habe mehrfach überlegt zu kündigen, da ich in manchen Ausgaben eher eine Boulevardzeitung als ein politisches Magazin erkennen konnte. Zu diesem Artikel kann ich nur sagen – Hut ab. Solche Diskussionsbeiträge wünsche ich mir mehr. Was mich aber wirklich verärgert hat, war das Bild von Golfspielern mittendrin. Hier bedienen Sie das ausgelutschte Klischee des Golfsports als Reichensport. Mittlerweile ist es so, dass kaum ein normaler Golfclub Einstiegsgebühren verlangt oder Verzehrzwang für die Gastronomie herrscht. Die monatlichen Kosten betragen weniger als ein Tag Skifahren kostet, und es ist auf jeden Fall gesünder. Die Beitragsstruktur ist so gestaffelt, dass sogar Kinder, Jugendliche, Erwachsene in Ausbildung und so weiter (teilweise mit von den »Reichen« finanzierten Sets) den Sport zu Beiträgen eines Fitnessstudios ausüben können. Außerdem ist die Jugendarbeit mittlerweile beispielsweise in fast allen Clubs ein wichtiger Bestandteil. Also bitte beim nächsten Mal das Klischeebild weglassen.
    Judith Seibel, Burghausen (Bayern)

  • Als ich Seite 40 aufschlug, verwunderte mich das Bild der Golfer. Ich habe sofort in meinem Bag nach den Millionen Euro gesucht, leider ohne Erfolg. Mittlerweile ist Golf ein Volks-Breitensport mit bei mir 35 Euro Beitrag im Monat. Ein Auto, das über einen sechsstelligen Betrag kostet, hätte hier vielleicht besser gepasst. Ihrem Artikel stimme ich in Teilen zu.
    Catharin Diepenbrock, Celle

Wo bleibt die Empathie?

Nr. 17/2026 Um den gestrandeten Wal ist eine Kontroverse entstanden, die über ihn hinausgeht 

  • Tausende Menschen ertrinken auf der Flucht im Mittelmeer. Wo bleibt die Empörung, der Aufschrei, die Empathie und letztendlich die Verhältnismäßigkeit (auch der Berichterstattung)?
    Beatrix Kremling, Walkenried (Nieders.)

  • Sechs Seiten für einen Wal, eine halbe Seite für Mario Adorf! Muss dieser Mann erst auferstehen, damit es zu einer Titelgeschichte reicht?
    Rüdiger Marquart, Poppenhausen (Bayern)

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