Leserbriefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 67 / 69

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Donald Trump und Europa, Berlins Bürgermeister Wegner, SPD-Abgeordnete Nasr, Politologin Linartas über Superreiche – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 6/2026

Nun gilt es zu handeln

Nr. 5/2026 Titel: Donald, es reicht! 

  • Das Titelbild zeigt europäische Regierungschefs als mittelalterliche Kriegertruppe. Das symbolisiert sehr schön das Dilemma, wenn man »Donald, es reicht!« sagen will, aber militärisch nicht viel aufzubieten hat und wirtschaftlich kein Risiko eingehen will.
    Joseph Kuhn, Dachau (Bayern)

  • Sollte es nicht eher heißen: »Europa, es reicht!«? Obama und Co. haben Europa noch mit samtenen Worten darauf gedrängt, dass es endlich zum großen Teil für sich selbst sorgen möge. Man könnte meinen, unser Kontinent hätte seine Hilflosigkeit kultiviert und in morbider Sehnsucht auf so etwas wie die trumpsche Brechstangenmethode gewartet.
    Hildtraut Heitland-Schröder, Augsburg

  • »Alles meins!«, »Donald, es reicht!« – Schlagzeilen im Imperativ, zuverlässig garniert mit Ausrufezeichen. Danach folgt das vertraute Ritual: Europa muss jetzt handeln. Als ließe sich eine geopolitische Realität, die sich seit Jahren ankündigt, durch kollektives Beschwören aufhalten. Politik, Öffentlichkeit und Presse haben diese Verschiebungen lange ignoriert – und ignorieren sie weiter, indem sie Wunschbilder wiederholen. Das Wahrscheinliche bleibt tabu: Ein Europa unterschiedlicher Interessen, Abhängigkeiten und Geschwindigkeiten wird nicht geschlossen handeln. Es wird weiterhin vertagen, blockieren, eagieren, im besten Fall koordinieren!
    Frank Hepke, Bremen

  • Toller Artikel über die potenziellen Stärken Europas. Warum nicht noch einen Schritt weiter denken? Wir sollten Kalifornien und New York die EU-Mitgliedschaft anbieten. Die beiden Staaten fremdeln am meisten mit den USA und sind zugleich deren wirtschaftlicher Kern. Sie brauchen die USA nicht. Kulturell und politisch stehen sie Europa viel näher als vielen US-Bundesstaaten. Trumps Grönland-Fantasien würden plötzlich erbärmlich wirken.
    Dr. Tim Lehmann, Berlin

  • Die vom SPIEGEL sorgfältig zusammengestellten Vorschläge zur Stärkung Europas leuchten unmittelbar ein. Nun gilt es zu handeln! Außer in einem: Atomare Abschreckung gegenüber Russland ist unnötig, keineswegs essenziell. Es reicht, konventionell stark zu sein und sich einfach nicht erpressen zu lassen.
    Dr. Ulrich Kusche, Göttingen

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Das klingt mir zu dramatisch«

Der Leser Wolfgang Schmidt aus Lage/Lippe hat den Artikel »Wegners Endspiel« von Christian Teevs und Marc Hujer kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Christian Teevs hat ihn angerufen.

SPIEGEL: Herr Schmidt, was hat Ihnen an unserem Text nicht gefallen?

Schmidt: Da wird etwas zu einem Skandal aufgebauscht, der keiner ist. Kai Wegner hat Tennis gespielt, während Zehntausende Berliner Haushalte keinen Strom hatten. Na und? Hätte er die Techniker aus der Baugrube zerren sollen, für ein paar schöne Fotos? Ich bin kein CDU-Wähler. Ich finde einfach, es gibt wichtigere Sachen.

SPIEGEL: Wegner hat aber zunächst nicht die Wahrheit gesagt darüber, was er am Tag des Stromausfalls gemacht hat. Er hat gesagt, er habe sich den ganzen Tag in seinem Büro eingeschlossen und telefoniert.

Leser: Das war natürlich unschön, das stimmt. Aber wenn er sich ansonsten gekümmert hat, ist es doch in Ordnung. Dann kann er auch mal eine Stunde Tennis spielen. Die Überschrift »Wegners Endspiel« klingt mir da zu dramatisch.

Rückhand statt Rückgrat

Nr. 4/2026 Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und sein Krisenmanagement 

  • Was Herrn Wegner aus meiner Sicht besonders vorzuwerfen ist, ist die von ihm behauptete Lüge, sich den ganzen Tag eingeschlossen zu haben, um die Krise zu managen. Er wusste, dass das nicht stimmt, und er hätte wissen müssen, dass sein Tennisspielen bekannt wird. Für so ein Verhalten müsste man eigentlich zurücktreten, wenn man nicht nur eine Rückhand, sondern auch Rückgrat hat.
    Dr. Torsten Hulzer, Berlin

  • Sie problematisieren auf zwei Seiten eine Stunde Tennis von Herrn Wegner. Unpassend – aber wer für den Notfall gut vorbereitet ist, kann dann auch Tennis spielen. Das eigentliche Problem behandeln Sie nicht: fehlende Konzepte und umgesetzte Planungen für solche Vorfälle. Weder Berlin noch andere Städte und Behörden haben auch nur ansatzweise Planungen und gar Lösungen, um mit dem Berliner Stromausfall und ähnlichen Problemen umzugehen. Man muss nur schauen, was Nato-Mitglieder (USA, Niederlande, Belgien und andere) seit über 20 Jahren nutzen.
    Jan Gerhard-de Vries, Kirchen/Sieg (Rhld.-Pf.)

  • Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass so viele Medien Kai Wegner für sein Verhalten kritisieren, weil man allen PolitikerInnen auch in so einer schwierigen Situation zugestehen muss, Sport zu treiben, um den Kopf frei zu bekommen. Ich möchte niemanden an der Spitze der Politik, der sich ständig verausgaben muss und dann gegebenenfalls irgendwann wegen Burn-outs zurücktritt. Auch die Annahme, ein Bürgermeister müsse täglich 24 Stunden erreichbar sein, teile ich nicht. Während des Schlafs hat das Handy auszubleiben, damit man sich gut erholen kann, um am nächsten Tag geistig fit zu sein. Wenn man wirklich erwartet, solche Menschen müssten sich für die Allgemeinheit aufopfern und dürften keine freie Minute mehr haben, vertreibt man die anständigen Menschen aus der Politik und es bleiben nur Soziopathen, an denen jegliche Kritik abperlt.
    Dominik Göhmann, Düsseldorf

SPD-Vorschlag: Fänden Sie eine Erbschaftsteuer gerecht?

Ja

»Die SPD ist da auf dem richtigen Weg. Steuerfrei bis zu einer Million halte ich aber immer noch für zu viel. 500.000 Euro ist auch schon ein ordentlicher Freibetrag – es handelt sich immerhin um leistungslos erzieltes Vermögen.«

Friedhelm Imkampe

Nein

»Reiner Populismus zu einer Unzeit. Dadurch kommen viele mittelständische Betriebe in Gefahr und somit auch viele Arbeitsplätze. Die SPD ist inzwischen nicht mehr die Partei der Arbeiter.«

Ernst Fritz

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Herz und Verstand

Nr. 4/2026 Die SPD-Abgeordnete Rasha Nasr hadert mit ihrer Partei 

  • Beeindruckend, dieses Porträt der Politikerin Nasr. Ich habe größten Respekt für ihre Arbeit, und es lässt mich hoffen, dass Politiker nicht alle korrupt und abgebrüht sind. Ich hoffe sehr, dass sie sich ihre Empathie und menschlichen Werte im Politikbetrieb erhalten kann. Mit diesem einfühlsamen Bericht – danke, Sophie Garbe – wird klar, wie schwer es sein kann, solch ein Amt auszuführen. Und bitte, Frau Nasr, lassen Sie sich nicht von ihren Kollegen unter Druck setzen, hören Sie auf ihr Herz und ihren Menschenverstand. Sonst werden wir nur noch von Lobbyisten und Berufspolitikern regiert, die ihre Scham und ihren Menschenverstand längst verloren haben.
    Sabine Schmidt, Erfurt

  • Man kann gut nachvollziehen, dass die SPD-Abgeordnete mit arabischem Migrationshintergrund für ein großzügiges Asylrecht für Menschen aus arabischen Herkunftsländern kämpft. Im Gegensatz zu Grünen und Linken kann eine ursprüngliche Volkspartei wie die SPD sich nicht allein an dem Partikularinteresse eines Parteimitglieds ausrichten. Die potenziellen Wähler der SPD sind seit je die abhängig Beschäftigten und weniger die Anhänger einer unbegrenzten Migration. Der Versuch der SPD, den Grünen und Linken nachzueifern, ging gründlich schief. Viele ihrer Wähler hatten und haben wenig Verständnis dafür, dass ihre Interessen, Nöte und Sorgen hinter den Migrationsbedürfnissen stehen sollen.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

Der AfD das Wasser abgraben

Nr. 4/2026 Politologin Martyna Linartas im SPIEGEL-Gespräch über Superreiche 

  • Dieses Interview weist dankenswerterweise endlich einmal auf die steuerliche Ungerechtigkeit als eines der Grundübel in unserem Land hin. Vor allem die Parteien der Mitte werden immer mehr Wähler aus der Mittelschicht verlieren, wenn sie einerseits durch fragwürdige Verschonungsregeln und ein bewusst irreführendes Stiftungswesen bei großen Vermögen und Erbschaften Millionäre und Milliardäre extrem begünstigen und andererseits den Faktor Arbeit durch überhöhte Einkommensteuer und Sozialabgaben, vor allem für Normalverdiener, unangemessen belasten. Die reflexhafte Ablehnung der Union zum Vorschlag zur Neuregelung der Erbschaftsteuer durch die SPD ist ein deutlicher Beweis für den Druck, dem sie durch die mächtigen Lobbyverbände der Reichen und Superreichen ausgesetzt ist.
    Klaus Eckelmann, Schönau a. d. Brend (Bayern)

  • Es sind interessante Aspekte, die die Berliner Politologin Martyna Linartas anspricht. Unter anderem, dass bei der bestehenden Ungleichheit die Klimaproblematik nicht zu lösen ist. Wie oft bekommt man bei Diskussionen zu hören: »Warum soll ich auf ein E-Auto umsteigen oder auf einen Urlaubsflug verzichten? Die Superreichen verpesten mit ihren Privatjets und Jachten die Umwelt viel mehr.« Da kann man kaum dagegenhalten. Ist es nicht besonders im Bereich der Umwelt ersichtlich, dass wir nur eine Chance haben, wenn sich alle gleichberechtigt bemühen?
    Helmut Gattermann, Merzhausen (Bad.-Württ.)

  • Eine Vermögensteuer ist notwendig, um mehr Geld in den ausgedünnten Bundeshaushalt zu bekommen. Mehr noch wird sie aber gebraucht, um für mehr Gerechtigkeit in diesem Land zu sorgen und so der rechtsextremen AfD das Wasser abzugraben. Diese Steuer wird in dieser Legislaturperiode allerdings nicht kommen, denn auch Bundeskanzler Friedrich Merz ist vermögend. Wer möchte schon mehr bezahlen, wenn er es verhindern kann? Es wäre aber der richtige Schritt, denn Großvieh macht auch Mist.
    Klemens Hofmann, Marbach am Neckar (Bad.-Württ.)

Mir fehlt gar nichts

Nr. 4/2026 Unsere Autorin will keine Kinder. Ist etwas falsch mit ihr? 

  • Der Artikel hat mir aus der Seele gesprochen! Ich bin fast doppelt so alt wie die Autorin und habe mich vor vielen Jahren gegen Kinder und für ein (mehr oder weniger) selbstbestimmtes Leben entschieden. Für mich war das kein großes Ding, da ich den viel beschworenen Kinderwunsch nie hatte. Andere, insbesondere Frauen aus der Generation vor mir, sprachen gern naserümpfend über kinderlose Frauen, als wäre es etwas Anrüchiges. Und selbstverständlich musste ich immer wieder die Frage nach dem Warum beantworten. Natürlich haben Freundinnen, Verwandte, Bekannte von mir Kinder bekommen. Ihre Metamorphose von der Frau zur Mutter war leider – von wenigen Ausnahmen abgesehen – ein Trauerspiel. Plötzlich waren aus toughen, dynamischen, witzigen Frauen Wesen geworden, die ich kaum wiedererkannte. Sie hatten nur noch ein Thema: Kind. Und noch mal Kind. Und die Ungerechtigkeit der Welt, die ihnen die gesamte Care-Arbeit aufhalste. Ich selbst habe lange Zeit gedacht, dass mir der Mutterinstinkt »fehlt«. Mittlerweile ist mir klar, dass mir gar nichts fehlt. Es ist einfach, wie es ist, und das ist gut so.
    Barbara Hoffmeister, Paderborn

  • Für mich war schon bald klar, dass ich keine Kinder will. Ich bin gern Tante. Meine Nichte und mein Neffe sind für mich wichtig. Ich bin gern mit ihnen zusammen, auch als sie noch klein waren. Meine Erfahrung ist: Wenn man sagt, dass man keine eigenen Kinder will, kommt erst Bedauern und die Feststellung, dass einem etwas entgeht. Es wird einem Egoismus unterstellt. Ich hatte immer das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, warum ich keine Kinder will. Ich finde, das ist eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe und die niemand zu kommentieren hat. Ich mag Kinder und Zeit mit ihnen zu verbringen, aber dann ist es auch gut. Ich bin damit ganz gut gefahren. Trotzdem nerven manche Kommentare. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel.
    Hildegard Daniel, München

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren

Zur Ausgabe
Artikel 67 / 69