Leserbriefe - DER SPIEGEL
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Artikel 62 / 64

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

250 Jahre USA-Geschichte und ihre Bilanz, die Ergebnisse der Koalition bei der Rentenreform, die Entscheidung des SPIEGEL zum Umgang mit der künstlichen Intelligenz im eigenen Haus und die Kontroverse um die Witze des Komikers Dieter Nuhr über Femizide – das waren die Artikel, die unsere Leser in der vergangenen Woche am häufigsten zum Schreiben eines Leserbriefs bewogen haben.
• aus DER SPIEGEL 29/2026

Licht- und Schattenseiten

Nr. 28/2026 Titel: Happy Birthday, USA! 

  • Volltreffer, Ihr Titelblatt der jüngsten Ausgabe. George Washington, Urvater der amerikanischen Demokratie, und Taylor Swift, Sinnbild des liberalen Amerika, in trauter Zweisamkeit auf dem Parkett. Und ein griesgrämiger Trump abseits, mit seinem typischen, nichts Gutes verheißenden Blick: Na wartet, ihr werdet noch etwas erleben!
    László Dorogman, Budapest (Ungarn)

  • Liebe USA, ihr habt, wie jede andere Nation auch, Licht- und Schattenseiten in Geschichte und Gegenwart. Ihr habt den Indigenen das Land geraubt, Menschen versklavt, unsinnige Kriege geführt, Rassen diskriminiert und lausige Präsidenten gehabt. Aber es gibt tolle Dinge, die man mit eurem Namen verknüpft: die Innovationskraft, den Willen, aus allem das Beste zu machen, und den unbändigen Freiheitsdrang. All das hat euch zum »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« gemacht. Ich feiere meinen 50. Geburtstag und habe eure Entwicklung von Kindesbeinen mit Interesse verfolgt. Ich sende einen herzlichen Gruß über den großen Teich.
    Matthias Kaiser, Schutterwald (Bad.-Württ.)

  • Alle Vernunftbegabten sollten absolute Distanz zu der Führung dieses Landes halten. Echte Erfolgsgeschichten sehen anders aus. Wie die USA immer wieder versuchen, die gesamte Welt gefügig zu machen, und wie die Demokratie im Land vergewaltigt wird, ist einfach nur fürchterlich. Für Lobeshymnen gibt es kaum echte Gründe.
    Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)

  • Ihr Artikel ist eine kluge und scharfsinnige Analyse. Da haben vor 250 Jahren 13 Kolonien ein Experiment gewagt. Es gelang, weil Geistesgrößen und Männer von tadellosem Idealismus hinter der Idee standen. Diese Männer riskierten nicht nur ihr Leben, sondern auch ihr Vermögen. Der heutige Präsident geht in die Politik, um sich eine Milliarde nach der anderen unter den Nagel zu reißen. Und in seinem Windschatten eine Vielzahl von Milliardären, die die Politik kaufen. Soll man da wirklich »Herzlichen Glückwunsch, Amerika« sagen?
    Hannelore Schreiner, Saarlouis (Saarland)

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Hitze als Massenmörder zu personifizieren, verzerrt die Realität«

Der Leser Karl-Friedrich Lotter aus Nürnberg hat den Leitartikel »Hitze ist ein Massenmörder und ein Wachstumskiller« (hier der ganze Text ) kritisiert. Wissenschafts-Redakteurin Susanne Götze hat sich bei ihm gemeldet.

SPIEGEL: Herr Lotter, Sie haben den Begriff »Massenmörder« in meinen Leitartikel zur Hitzewelle kritisiert. Warum?

Lotter: Der Begriff ist maßlos überzogen und bedient ein links-grünes Alarmismus-Narrativ. Hitze als »Massenmörder« zu personifizieren, verzerrt die Realität. Wir brauchen eine nüchterne Debatte über Anpassungsmaßnahmen statt sprachlicher Effekthascherei.

SPIEGEL: Ich wollte darauf hinweisen, dass es wegen der klimabedingten Extremwetter jedes Jahr Tausende Sterbefälle gibt.

Lotter: Gegen extreme Wetterlagen hilft Anpassung, nicht wirtschaftlicher Selbstmord. Deutschland verursacht nur rund 1,5 Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Radikale Regulierungen und kostspielige Pflichten bremsen unsere schwächelnde Wirtschaft, ohne dass es einen messbaren Einfluss auf das Weltklima hat.

Rente ist kein Almosen

Nr. 27/2026 Wie die Rentenkommission mit guten Ergebnissen verblüfft 

  • Die gesetzliche Rente ist kein Almosen. Sie ist ein Versprechen: Wer gearbeitet, Kinder erzogen, gepflegt und Beiträge geleistet hat, darf im Alter sicher und würdig leben. Dieses Versprechen darf nicht weiter ausgehöhlt werden. Ich erwarte von den politisch Verantwortlichen, dass sie diese Pläne stoppen und eine solidarische Rentenreform vorlegen: mit einer Erwerbstätigenversicherung für alle, einer armutsfesten Mindestrente, höheren Beiträgen für sehr hohe Einkommen und wirksamen Maßnahmen gegen niedrige Löhne. Wer Respekt vor Arbeit ernst meint, darf Arbeiter:innen nicht mit immer späterer Rente bestrafen.
    Cris Bischof, Münster

  • Wenn junge Menschen heute vor der Frage stehen, wo sie sich mit 70 Lebensjahren noch arbeiten sehen: auf einem Baugerüst, an einem Pflegebett oder im Homeoffice, wird die Entscheidung oft gegen die so gesuchten Berufsgruppen ausfallen. Wer kann es ihnen verdenken? Wenn ich Anfang der Neunzigerjahre gewusst hätte, dass 45 Jahre nicht mehr reichen für eine abschlagsfreie Rente, hätte ich mich wohl auch eher für ein Studium und nicht für den Rettungsdienst entschieden. So ist diese Rentenreform ein ordentlicher Schub für den Fachkräftemangel.
    Michael Münster, Hamburg

Telefonische Krankschreibung abschaffen, AU-Bescheinigung ab dem ersten Tag – richtig so?

Ja

»In 35 Jahren Berufstätigkeit war ich des Öfteren krank, aber nicht einen Tag ohne gelben Schein. Wo ist das Problem?«

Annette Jeschke

Nein

»Wer blaumachen will, der macht es auch. Egal, wie die Regeln sind.«

Ralf Berlau

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Respekt!

Nr. 27/2026 Wie der SPIEGEL künstliche Intelligenz in der Redaktion einsetzt 

  • Danke für diesen Artikel: Da sind solch starke Sätze drin, wie »Was bedeutet Schreiben für mich persönlich … das reine Glück«, die so glaubwürdig sind, dass man Sie dafür um­armen möchte und hofft, dass damit der SPIEGEL seinen Kompass hat.
    Hans Schäffler, Bergisch Gladbach

  • Ich bin seit Jahren treuer SPIEGEL-Leser und bin technologieoffen. Ich verwende bei meiner Arbeit als Bauingenieur ebenfalls KI, insbesondere bei der Zusammenfassung und Komprimierung komplexer technischer Inhalte. Ich begrüße die Diskussion darüber, wo im Journalismus die Grenze liegt zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was man als Verlag unter einem Prädikat »maßgeblich« versteht. Die Entscheidung, das Wort in den internen Regelungen zu streichen, begrüße ich als Leser sehr. Denn es öffnet Tür und Tor, die Grenze immer weiter in Richtung des technisch Machbaren zu verschieben.
    Christian Block, Hamburg

  • Selbstdenken stärkt die Persönlichkeit. Darum freut es mich, wenn die SPIEGEL-Mitarbeiter:innen selbst denken und sich nicht an Herrn Döpfner und der Springer-Presse orientieren. Die ist auch ohne KI schlimm genug. Als freischaffende Künstlerin würde ich mir das auch sehr überlegen und als Autorin sowieso, selbst wenn es nicht aufzuhalten ist. Dumme Bücher und Artikel machen die KI auf jeden Fall nicht vertrauens­würdig.
    Sigrid Baumgärtner, Mühlacker (Bad.-Württ.)

  • Respekt für Diskurs und Entscheidung! An unseren Hochschulen läuft das ganz anders. KI total: Lehrende lehren mit KI und lassen mit KI begutachten, Studierende »meistern« Prüfungen mit KI. Elite der Nation? Quo vadis, homo sapiens? Umso wertvoller, wenn wir im SPIEGEL noch unvollkommene Menschen erleben können.
    Prof. Dr. Sven Sohr, Berlin

  • KI sollte als Werkzeug genutzt werden – wie ein Schraubendreher oder ein Skalpell. Sie taugt als Sparringspartner, aber niemals als unfehlbare Enzyklopädie. Nur wer das Handwerk des Denkens selbst beherrscht und auf Augenhöhe diskutiert, versteht, wann eine KI zu halluzinieren beginnt. So gewinnt man wertvolle Zeit bei der Texterstellung und bekommt andere Perspektiven aufgezeigt, mit denen man sich auseinandersetzen kann. Man kann sich sogar einen kritischen Leserbrief zum eigenen Text von der KI schreiben lassen, um die eigenen Argumente zu prüfen. Aber Vorsicht, ab da befindet man sich direkt im Kaninchenbau … (Mit Gemini geprüft und für ausgewogen befunden).
    Rainer Meller, Bonn

  • Ich danke Ihnen für diesen Artikel und die geschilderte Debatte in Ihrem Hause zu diesem Thema. Ich gebe Ihnen vollkommen recht: Ich möchte Texte von Menschen lesen, ob es Bücher sind oder journalistische Texte, genau wie ich Filme von Menschen sehen und Musik von Menschen hören möchte. Sicher gibt es Grenzbereiche, doch ich unterstütze Ihre Streichung des Adjektivs »maßgeblich« auf ganzer Linie. Als langjährige Abonnentin freue ich mich auf weiterhin professionellen Journalismus, bei dem man Freude, Schweiß, Blut und Tränen spürt. Transparenzhinweis: Dieser Text wurde ebenfalls ohne KI verfasst.
    Claudia Sun, Berlin

  • Ich selbst komme aus dem IT-Sektor, betreibe einen eigenen Server mit verschiedenen KI-Agenten, kann mich also als wirklichen Experten bezeichnen. Andererseits habe ich Philosophie studiert und weiß den Wert des freien Denkens zu schätzen. Ich kann Sie nur bitten, bei Ihrer Haltung zu bleiben: KI ist eine Als-ob-Maschine, die alles, was sie tut, nur simuliert. Es ist eine reine Simulation auch von Intelligenz. Das darf man nie vergessen. Es ist essenziell wichtig, dass Sie weiter Ihre Texte als Menschen schreiben und dies nicht einer Maschine überlassen.
    Andreas Schulz, Freiburg

  • Ihre neue Leitlinie halte ich für eine falsche Entscheidung. Dass Sie Autor:innen ihrer Texte bleiben wollen, ist richtig. Aber man sollte die KI nicht aus dem Schreibprozess verbannen. Die entscheidende Frage: Wie lässt sich KI als Werkzeug nutzen, ohne geistige Autorenschaft und redaktionelle Verantwortung abzugeben? Das haben Sie im Essay nicht besprochen. Sie führen eine normative Debatte: Mensch gegen Maschine. Ich schreibe beruflich Texte. Da entsteht die Idee, ein erster Satz, eine erste Struktur. Danach erweitere ich und formuliere um. In all diesen Schritten hilft mir KI: gibt mir Feedback, weist mich auf Lücken hin, macht Formulierungsvorschläge. Es geht nie darum, dass KI bessere Texte schreibt. Sondern darum, dass ich im Denk- und Schreibprozess ein Gegenüber habe, mit dem ich arbeiten kann. Mein Denken wird durch KI nicht eingestellt. Im Gegenteil: KI ermöglicht mir, mehr über einzelne Aspekte nachzudenken. Und eine bessere Formulierung dankend anzunehmen. Sie schreiben, es gebe kein Reinheitsgebot. Für den Schreibprozess führen Sie aber faktisch eines ein. Genau dort, wo Auto­renschaft entsteht, ziehen Sie eine Grenze: KI darf übersetzen oder Daten auswerten – aber nicht schreiben oder umschreiben. Dabei wären differenzierte Regeln nötig.
    Benjamin O’Daniel, Niederkassel (NRW)

Super, dass ein Mann hier das Wort ergreift

Nr. 27/2026 Dieter Nuhr macht geschmacklose Witze über Femizide 

  • Super Artikel. Und super, dass ein Mann hier das Wort ergreift. Zu einfach wäre es nämlich für Männer wie Nuhr, die Kritik aus weiblicher Feder in die feministische Ecke abzuschieben und damit erneut der Häme über weibliche Unzulänglichkeit preiszugeben.
    Ulrike Diery, Villingen-Schwenningen (Baden-Württ.)

  • Die aus Ihrer Sicht primitiven und »traurigen« Anhänger von Dieter Nuhr lachen über dessen sprachlich eloquente, inhaltlich überspitzte Darstellung von Lebenswirklichkeiten, nicht über die Opfer von Femiziden. Das nennt man gemeinhin Satire, auch wenn er Befindlichkeiten im links-ideologischen Glaubensbereich verletzt.
    Andreas Doblinger, Gablingen (Bayern)

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