Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Die Abhängigkeit verringern
Nr. 14/2026 Titel: Was kostet uns Trumps Krieg?
Es ist schwer erträglich, zusehen zu müssen, wie unser Globus im Moment zugrunde zu gehen scheint. Autokratische Herrscher in Israel, Russland und den USA sowie deren Satelliten führen rücksichtslos Kriege gegen Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Die dabei verpulverten Milliarden fehlen der Welt, um sie friedlicher, bewohnbarer und fortschrittlicher zu machen. Es ist ein Wunder, dass es immer noch Nischen der Humanität, Kultur und menschlichen Solidarität gibt.
Dr. Frank Leschhorn, MünchenManche Kriege werden schon in der Absicht begonnen, sie zu verlieren. Dann nämlich, wenn sie einem selbst wenig schaden, Feinden wie »Freunden« aber sehr. Auf den Irankrieg könnte dieses zutreffen. Er schadet unter anderem den Chinesen, den Russen und nicht zuletzt den Europäern – die USA haben dagegen überwiegend Vorteile. Sie verfügen über so viel Öl und Gas, dass sie seit Längerem davon exportieren konnten. Mangelnde Konkurrenz und steigende Preise sind hier nur von Nutzen. Auch die Rüstungsindustrie boomt. Und was kostet uns Trumps Krieg? Unseren Wohlstand, unsere wirtschaftliche Zukunft und wahrscheinlich auch unsere Demokratie. Mega, MAGA!
Heidemarie Wegener, Osterode (Nieders.)Anhand von Finanzmarktreaktionen die tatsächlichen realwirtschaftlichen Auswirkungen zu beschreiben, ist doch sehr bemüht: Jene Werte spiegeln selten die tatsächliche Situation wider, sondern vielmehr wahrgenommene Risiken – wie ihr Spekulationsbeispiel schön beschreibt. Prognosen über »Treibstoffknappheit« wurden bereits von Ihren eigenen Redakteuren widerlegt. Falls es um Energie geht, liegt die Lösung schon seit Jahren oder Jahrzehnten auf der Hand: Wind und Sonne in Kombination mit leistungsfähigen europäischen Netzen. Den Widerspruch zwischen politisch kopflosem Handeln und praktikablen Lösungen (ein Atomkraft-Revival gehört nicht dazu) zu beleuchten, wäre absolut eines Titels wert gewesen. So ist Ihre Geschichte jedoch wenig hintergründig und damit sehr enttäuschend.
Matthias Heindorf, Allschwil (Schweiz)Die Folgen des Irankriegs zeigen deutlich, wie stark wir vom Handeln und Tun der Mächtigen abhängig sind. Oder sind wir das gar nicht so sehr? Zum Beispiel bei Öl und Gas. Hier gibt es bereits Lösungen, die Abhängigkeit von unzuverlässigen Lieferanten zu verringern. Eine davon steht bereits vor vielen Häusern: die Wärmepumpe. Die nächste auf unseren Feldern: Windräder und Solarflächen. Und im Trend: E-Autos, die bereits auf unseren Straßen fahren. Bei diesen könnte man die Nachfrage ja noch durch ein Tempolimit – nur für Benzinschlucker – verstärken. Das Ganze in einem selbstbewussten, starken Europa, welches nicht mehr Spielball der Mächtigen ist. Es gibt viel zu tun.
Werner Finsterer, Ansbach (Bayern)
»Singen sollte man nicht abwerten.«
Der Leser Hans Bärenfänger aus dem nordhessischen Willingen hat die Kolumne »Letzte Patrone der FDP« kritisiert (hier der ganze Text ). Blattmacher Hendrik Ternieden hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Herr Bärenfänger, was hat Sie geärgert?
Bärenfänger: Ich schätze Markus Feldenkirchen und bin immer neugierig auf seine Texte. Aber in dieser Kolumne schreibt er, dass ein früherer Parteichef »Hoch auf dem gelben Wagen« geträllert habe. »Trällerte« – genau dieses Wort stört mich, auch wenn es eigentlich unbedeutend ist.
SPIEGEL: Warum?
Bärenfänger: Es klingt so salopp. Ein Lied allein oder im Chor zu singen, ist anspruchsvolle Kunst, trällern hingegen ist anspruchsloses Singen. Ich, 79-jähriger ehemaliger Musiklehrer, kann mich noch genau an den späteren Bundespräsidenten Walter Scheel von der FDP erinnern, wie er dieses Lied sang, nicht trällerte. Ich kann mich nicht daran erinnern, nachfolgende Bundespräsidenten so sangesfreudig erlebt zu haben, schade! Singen sollte man nicht abwerten, sondern aufwerten.
Nahezu tragisch
Nr. 13/2026 Wie die Linke sich ständig selbst beschädigt
Voll auf den Punkt! Es ist zum Verzweifeln, dass sich eine aus meiner Sicht eigentlich progressive politische Richtung selbst demontiert. Bloß nicht auf die berechtigten Sorgen der Bürger:innen hören. Das stärkt die Rechten. Und das ist ganz einfach in jeder Hinsicht dumm.
Klaus H. Süberkrüp, LübeckDass linke Parteien nicht gewählt werden, hat auch mit solchen Kommentaren zu tun, die verlässlich jede Diskussion und jeden Streit zum Anlass nehmen, um genüsslich die Linken zu desavouieren. Denn nur in linksgerichteten Parteien wird sich inhaltlich auseinandergesetzt. Dass es dann Streit gibt, ist selbstverständlich. Dass Sie das gern Selbstzerfleischung nennen, wird vielleicht Ihrem Freund Jan Fleischhauer gefallen, wird aber bei rationalen Beobachtern als Beihilfe für die rechten Parteien abgehakt.
Frithjof Plautz, Salzhausen (Nieders.)Wunderbare, sehr treffende Analyse. Mich stört auch immer das Missionarische in den »progressiven« Botschaften. Es muss doch rüberkommen, was eine Ideologie für einen persönlich Positives bringt. Und viele haben eben verstanden, dass der bedingungslose Ruf zum Beispiel nach höchster Umweltmoral dazu führt, dass alles teurer wird und man seinen Arbeitsplatz in der Automobilindustrie verliert. Dann folgt man dieser Ideologie mal lieber doch nicht.
Armin Funck, Kronberg (Hessen)Ein großes Lob für diesen überaus klugen Artikel. Es ist nahezu tragisch, dass die Linke ihre großen Erfolge unterminiert, da ihr nichts zu teuer scheint, sich dem elenden Vergnügen hinzugeben, vermeintlich besser zu sein, als alle anderen.
Anja Hansen, Frankfurt am Main
Rettet
»Nur wer am Steuer sitzt, kann gestalten. Nur wer gestaltet, wird als zukunftsfähig gesehen. Also, SPD, traut euch was.«
Harald Eder
Spaltet
»Dieses ewige Nachgeben der SPD bei Reformen, die der konservativen und neoliberalen Agenda der CDU entgegenkommen, nur um nicht als Blockierer dazustehen, ist genau der Grund, warum die SPD politisch überflüssig wird.«
Anke Wiesmann
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Den Frauen die Schuld
Nr. 14/2026 Fünf Frauen berichten von sexualisierter Erniedrigung im Netz
»Aufstand der Frauen«, das ist die Überschrift im Inhaltsverzeichnis zum Thema toxische Männlichkeit. Weiter geht es bei der Debatte auf Seite 52 mit dem »Dilemma der Männer« sowie in der Kultur »Männerversteher gesucht«. Das erste Mal seit meinem nun schon mehrjährigen Abo habe ich gut Lust, den SPIEGEL ungelesen in die Tonne zu werfen. Weder gibt es einen »Aufstand« der Frauen, noch ist das ein »Dilemma« für die Männer – und noch weniger müssen wir Frauen die »Männer verstehen«. Es reicht demnach, den Frauen die Schuld zuzuweisen und dann noch Verständnis einzufordern. Wenn sich etwas ändern soll, kann das nur durch die Männer selbst erfolgen, aber in der patriarchalischen Blase lebt es sich halt wunderbar. Ich hoffe nun, dass mich der Inhalt mehr überzeugt als die Überschriften.
Nadine Kollath, Brigachtal (Bad.-Württ.)
Zur Ausnahme machen
Nr. 14/2026 Margarete Stokowski über das Schweigen der Männer zum Fall Fernandes
Der SPIEGEL legt im Fall Fernandes Ulmen noch mal eine Schippe drauf. Ein zweiseitiger Artikel, wo nur fünf Frauen zur Sprache kommen, darunter Luisa Neubauer. Ein zweiseitiges Essay einer Frau Stokowski und im Kulturteil ein Artikel zur Krise der Männlichkeit. Purer Männerhass. Sehr ausgewogen, liebe SPIEGEL-Redakteure und -Redakteurinnen!
Heino Matthies, BerlinDank an Frau Stokowski für ihren reflektierten Text, der nicht einfach die ungeliebten abgerockten Klischees über die Männer raushaut. Jahrtausendelang war die Rolle des Mannes klar: patriarchal, stark, robust, überlegen, mit der Schulter zum Anlehnen, Gefühls-unempfindlich, eben so richtig männlich. Dann kamen die Forderungen von uns Frauen an den Mann, der am liebsten »Feminist« sein, aber auf keinen Fall nur so tun soll: Sieh uns Frauen nicht als ständig verfügbaren, (unanständig) zu kommentierenden Körper, den du kontrollieren willst, betrachte uns als gleichberechtigt, teile die Care-Arbeit mit uns, sei empathisch und achtsam, geh in Therapie, wenn nötig, sei ein Mann! Das war ziemlich diametral zur gewohnten Rolle und verunsicherte viele Männer als Aufforderung zur »eierlegenden Wollmilchsau«. Die veränderten Verhaltensweisen differenziert-realistisch umzusetzen, ist eine lebenslange Aufgabe – für Männer und Frauen, da ist der Autorin Stokowski unumwunden zuzustimmen.
Regine Posé, KölnMänner müssen erst einmal erkennen, dass ein Fall wie der aktuelle nicht nur Frauen betrifft, sondern ebenso Männer. Ein normales Gefühl sollte doch sein: Das ist eklig und empörend, das fällt jetzt auf uns Männer allgemein zurück, das will ich nicht. Ich als Mann möchte mit so einer Einzelaktion nicht in Verbindung gebracht werden, und zwar weil die Situation so entsetzlich ist und gleichzeitig so eine Ausnahme. Aber genau das ist es ja eben nicht: eine Ausnahme. Und da sind alle Männer gefordert, solch ein sexistisch-abwertendes Verhalten zur Ausnahme zu machen. Aber dafür braucht Mann einen Plan, ein konkretes Ziel: Ich möchte das machohafte, Frauen abwertende Verhalten ablegen und der Mensch werden, der ich positiv sein kann. Kann es sein, dass viele Männer da ganz tief im Inneren die Sorge haben: Wenn ich diese ganze Macho-Attitüde ablege, was bleibt dann noch? Habe ich dann noch Spaß? Und wie mühsam wird das sein? Trotzdem ein notwendiger Schritt, es ist an der Zeit.
Stefanie Renz, Cuxhaven
Dann sind wir uns ja einig
Nr. 14/2026 Bieten zwei Bücher Erklärungen zur Krise der Männlichkeit?
Ganz toller Artikel von Ihnen. Ich habe einen Sohn, ein sehr sozial erzogener und sensibler junger Mann, der sich genau in einem solchen Dilemma befindet. Es fällt einem Vater wie mir sehr schwer, mit anzusehen, wie er und eine ganze Kohorte »wohlerzogener« junger und heranwachsender Männer »in die Ecke« und unter Generalverdacht gestellt werden und so den Verlockungen der »Manosphere« gegenüber immer empfänglicher werden. Ich werde Ihren Artikel an meinen Sohn und möglichst viele Freunde weiterverschenken.
Michael Throm, KölnAch herrlich, dieser Artikel! Wenn ich diesen Mann nun richtig verstehe (und danach sucht er, dem Titel nach zu urteilen), leiden nicht nur die Frauen, nein, es leiden auch die Männer unter dem Patriarchat. Toll, dann sind wir uns ja einig. Ein Grund mehr, es abzuschaffen.
Theresa Plehn, BerlinUnd immer wieder melden sich die Männer zu Wort, wenn es gerade Gegenwind für ihr Verhalten gibt. Dieser Artikel hätte sehr gut auch irgendwann vor fünf Wochen, vor fünf Monaten, oder auch schon vor fünf Jahren gepasst, und dann hätte ich ihn auch gut gefunden. Aber warum lese ich solche Artikel von Männern immer nur dann, wenn es gerade mal wieder zu Recht einen Aufschrei über problematisches Verhalten von Männern gibt? Dieser Kommentar zu dieser Zeit ist ebenfalls problematisches Verhalten. Wenn es dem Autor ein wichtiges Anliegen ist, warum lese ich dann nicht regelmäßig anlasslos solche Kommentare von ihm? Ich würde es sehr begrüßen. Aber jetzt gerade ist nicht die Zeit, um vom Thema abzulenken!
Florian Hahn, KarlsruheVielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich frage mich allerdings, woher die Vorstellung kommt, dass Frauen irgendwie emotional kompetenter sein sollen als Männer. Bisweilen klingt das wie die Anerkennung der uralten Vorstellung, dass Frauen Gefühlswesen seien und Männer Vernunftwesen, nur dass die behauptete Gefühligkeit nun positiv gesehen wird. Manche Menschen können ihre Gefühle kommunizieren, andere können es nicht, vielleicht weil sie es nie gelernt haben. Meiner Erfahrung nach hat das wenig bis nichts mit dem Chromosomensatz zu tun. Das Ganze auf eine Männer/Frauen-Dimension herunterzubrechen, scheint mir deshalb einerseits zu kurz gedacht und andererseits als Reaktivierung sehr traditioneller Vorstellungen, sei es auch mit umgekehrten Vorzeichen.
Kerstin Hitzbleck, Ahrensburg (Schl.-Holst.)Ja klar, die Männer, die mich begrapschten, die mich Fotze nannten, der Partner, der mich geschlagen hat, der Chef, der mich nicht beförderte, weil ich eine Frau bin, der Mann, der mich ungefragt im Bikini fotografierte, die sollte man erst mal total emphatisch in den Arm nehmen.
Alexandra Pfeiffer, Landau
Die Debatte umgelenkt
Nr. 14/2026 Posteingang: Briefe zu Nr. 13/2026, Titel: »Du hast mich virtuell vergewaltigt«
Die drei »Gibt-es-keine-wichtigeren-Themen?«-Leserbriefe Titel haben bei mir vor allem eines ausgelöst: fassungsloses Kopfschütteln. Durch die Recherchen des SPIEGEL wird immer deutlicher, dass Gewalt gegen Frauen kein Randphänomen ist, sondern ein strukturelles Problem, das seit Jahrzehnten verharmlost oder verdrängt wird. Umso bemerkenswerter ist es, wenn eine Betroffene den Mut aufbringt, an die Öffentlichkeit zu gehen und ihre Erfahrungen zu schildern. Dass sie dabei ein Medium findet, das bereit ist, diese Missstände sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Schritt. Was folgt darauf? Neben viel berechtigter Unterstützung wird die Debatte plötzlich in eine ganz andere Richtung gelenkt. Ein Bundeskanzler, der statt klarer Einordnung von einem angeblichen Zusammenhang mit Migration spricht, trägt eher zur Verwirrung als zur Aufklärung bei. Und einige Leser? Sie kritisieren ausgerechnet die Berichterstattung des SPIEGEL und werfen ihr »Boulevardniveau« vor. Angesichts der Schwere des Themas wirkt diese Kritik nicht nur deplatziert, sondern geradezu zynisch. Statt den Überbringer der Nachricht zu diskreditieren, sollte der Fokus endlich auf dem eigentlichen Problem liegen: dem Schutz von Frauen und der konsequenten Aufarbeitung struktureller Gewalt.
Stefan Merkl, München
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