Leserbriefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 61

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Leserbriefe

Die Titelgeschichte zum Mossad, die Verurteilung von Marine Le Pen, die Stimmung in der CDU, aber auch ein Nachbarschaftsstreit in Tirol und ein Gerichtsprozess in München – zu diesen Themen haben uns vergangene Woche die meisten Leserbriefe erreicht.
• aus DER SPIEGEL 31/2026

Gewalt ist immer zerstörerisch

Nr. 30/2026 Titel: Der Mossad 

  • Ein Spitzenartikel ist die Titelgeschichte. Und das Interview mit dem ehemaligen Agenten Jonathan Mor ist ein echtes Highlight journalistischer Arbeit! Vielen Dank dafür! Weiter so!
    Michael Gerlach, Kempten (Bayern)

  • »Denke ich an den Mossad in der Nacht, so werde ich um den Schlaf gebracht« – in Abwandlung eines berühmten Zitats. Der Mossad ist, was er schon immer war: eine – wenn es darauf ankommt – Vernichtungsmaschine. Anders als der BND macht er dabei keine halben Sachen. Vielleicht sollte sich Israel unter einer neuen Regierung nach den Wahlen den modernen Gegebenheiten anpassen und die Zielsetzung seiner Geheimdienste überdenken. Gewalt ist immer zerstörerisch, egal von wem sie ausgeht. Albert Einstein, Pazifist und Befürworter eines friedlichen Zusammenlebens, wird sich im Grab umdrehen.
    Dr. Jürgen Schöfer, Manila (Philippinen)

  • Desaster mit zwei Vätern. Der gescheiterte Mossad-Plan, Mahmoud Ahmadinejad in Teheran einzusetzen, offenbart eine fatale 50/50-Schuld. Hier Benjamin Netanyahus operative Hybris, der die Eigendynamik vor Ort unterschätzte und seinen unberechenbaren »Frankenstein«-Kandidaten für kontrollierbar hielt. Dort Donald Trumps strategische Ignoranz: Er schwingt die militärische Abrissbirne gegen die Revolutionswächter und lockt mit einem fremdfinanzierten 300-Milliarden-Deal, drückt sich bei »America First« aber vor jeder Verantwortung für das Machtvakuum danach.
    Dr. Mohammad Behechtnejad, Winsen an der Luhe, (Nieders.)

An dieser Stelle sprechen wir jede Woche mit einem Leser oder einer Leserin über die Kritik an einem unserer Beiträge

»Sich über die Einkaufsschlange aufzuregen, ist eine sehr deutsche Meckerperspektive«

Der Leser Robert Nutsch aus Dortmund hat den Artikel »Das Grauen an der Kühltheke« kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Reporterin Sylvie Gühmann hat ihn angerufen.

SPIEGEL: Herr Nutsch, Sie haben meinen Text kritisiert. Warum?

Nutsch: Dieser Artikel ist, so ehrlich muss man sein, grauenhaft. Nicht weil er schlecht geschrieben wäre, sondern weil Thema und Inhalt von Dekadenz zeugen.

SPIEGEL: Ich bin mir meiner privilegierten Perspektive bewusst. Das ändert leider nichts daran, dass mich Einkaufen furchtbar stresst. Anderen Leserinnen und Lesern ging es ähnlich: Ich bekam Fotos aus Supermarktschlangen zugeschickt.

Nutsch: Ich lese den SPIEGEL, seit ich elf bin, aber es gibt Themen, die sind wie Kreuzfahrten. Manche finden die nett, aber braucht man sie? Ich habe in Ägypten, Malaysia, Taiwan gelebt. Da stehen Leute auch in Schlangen. Keiner motzt. Ich würde mir wünschen, dass der SPIEGEL sich auch mit denen beschäftigt, die 40 Stunden arbeiten und nicht über die Runden kommen. Wir leben in Zeiten, in denen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, und sich dann noch über eine Schlange beim Einkaufen aufzuregen, das ist einfach eine sehr deutsche Meckerperspektive.

SPIEGEL: Ich hoffe, dass wir Sie nicht als Leser mit einem Text über Supermärkte verlieren.

Nutsch: Nein, so leicht geht das nicht.

Lehrstück für die deutsche Politik

Nr. 29/2026 Leitartikel: Warum die Verurteilung Marine Le Pen sogar nutzen könnte 

  • Die demokratische Front ist zersplittert und somit ineffektiv. In Eitelkeit badende Politiker zerfleischen die Alternative zu rechts außen in persönlichen Grabenkämpfen. So wie Söder und Habeck in Deutschland.
    Dr. Jean-Arno Topp, München

  • Seit Langem kursiert in der französischen Gesellschaft der Ausdruck »Tous pourris« (Alle korrupt), der die etablierten Eliten pauschal unter Generalverdacht stellt. Und Sie sagen richtig: Gegen Le Pens Angriff auf das System gibt es nur eine wirksame Gegenmaßnahme – den gegenseitigen Respekt aller demokratischen Gruppierungen, der sich in der Einigung auf einen Kandidaten ausdrückt. Ein Lehrstück auch für die deutsche Politik. Statt auf den demokratischen Gegner einzudreschen, sollte gegenseitige Wertschätzung als Demokraten an erster Stelle stehen – und sachliche Differenzen sollten öffentlich so ausgetragen werden, dass man einräumt: Auch der Andersdenkende meint es ernst mit der Sache. Nur das wäre ein wirksamer Schlag gegen die AfD.
    Herbert Zemke, Essen

Finden Sie den Rücktritt von Jens Spahn richtig?

Ja

»Der Schaden, den er unserer Demokratie zugefügt hat, ist immens. Wieder werden ein paar weitere Wähler das Vertrauen in unsere Politiker verlieren.«

Ivo Zawischa

Nein

»Der Rücktritt passiert Jahre zu spät und aus den falschen Gründen. Spahn hätte schon wegen des ›Masken-Skandals‹ zurücktreten müssen.«

Christine Schönhaber

Sagen Sie auch Ihre Meinung!

Wie ein Gerangel in einem Großunternehmen

Nr. 29/2026 Wie Merz’ Leute Politik um den Kanzler herum machen 

  • Im Prinzip beschreibt der Artikel alles, was in einem Playbook für Mobbing zu finden sein müsste. Ist das Journalismus? Alles toll, aber Quellen nur ano­nym. Mit dieser Art von Schreiberei wird die AfD groß gemacht.
    Lorenz Frey, München

  • Wie ein Gerangel in einem Großunternehmen: Der CEO, die Fürstentümer, die Fachleute – alle versuchen ihre Macht zu wahren oder zu vergrößern, statt sich um Fortbestand und Erfolg des Unternehmens Deutschland zu kümmern. Man verheddert sich im Klein-Klein, verliert das Gemeinwohl aus dem Blick und geht zerstritten auseinander – obwohl man beim nächsten Paket wieder zusammenarbeiten muss. Es braucht Weitsicht, Gelassenheit und ein gemeinsames Ziel. Und demütige, entschlossene Menschen, die für die Bürger und den Zusammenhalt der Gesellschaft arbeiten.
    Christine Neff, Bolanden-Weierhof (Rhld.-Pf.)

  • Es verwundert nicht, dass die Stimmung in den politischen Machtzentren schlecht ist und sich Verfallserscheinungen andeuten. Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Vorgänger Olaf Scholz haben ein desaströses Erbe übernommen. Mag die Biografie noch so voluminös sein und das Bild fürs Bundeskanzleramt noch so gelungen – es ist Angela Merkel, die für dieses Erbe steht. Mit einem Küchenkabinett aus einer Handvoll Vertrauter wurden »alternativlose« Entscheidungen getroffen, die oft nicht zu Ende gedacht und juristisch unvertretbar waren. Das Minsker Abkommen hat Putin zur nächsten Aggression eingeladen. Die ungeklärte Flüchtlingskrise hat die EU und ihre Mitgliedstaaten aus allen Pflichten entlassen.
    Dr. Franz-Rudolf Herber, Bischberg (Bayern)

  • Wortbruch als Methode: Bundeskanzler Friedrich Merz betreibt eiskalte Wählertäuschung. Kaum ein Jahr im Amt – von den großen Versprechungen nichts mehr übrig. Was als »Regierung der Erneuerung« angekündigt wurde, entpuppt sich als historischer Wortbruch. Wer vor der Wahl Entlastung und Aufbruch verspricht und danach das Gegenteil liefert, betreibt systematischen Wahlbetrug. Vor der Wahl versprach Merz steuerliche Entlastungen, Bürokratieabbau und eine spürbare Stärkung des Mittelstands. Die Realität im Sommer 2026: magere Entlastungsvolumina, wachsender Unmut in der Koalition und ein Schlingerkurs bei zentralen Zukunftsfragen wie Rente und Krankenkassenbeiträgen. Merz hat sich das Vertrauen der Wähler mit Versprechungen erschlichen, die er offensichtlich nie vorhatte zu halten. Das ist kein pragmatischer Koalitionskompromiss – das ist bewusste Wählertäuschung.
    Uwe Bierbaum, Minden (NRW)

Zu Tränen gerührt

Nr. 29/2026 In München steht ein irakisches Ex-Ehepaar vor Gericht, das ein jesidisches Mädchen versklavt und sexuell missbraucht haben soll 

  • Als Sozialarbeiterin in einer psychiatrischen Klinik habe ich ebenfalls mit mehreren jesidischen Frauen gesprochen, die 2014, teils mit ihren kleinen Kindern, von IS-Kämpfern verschleppt, versklavt und vergewaltigt wurden. Bedrückend ist, dass religiöser und politischer Fanatismus nicht nur in Männern, sondern auch in Frauen die Bestie weckt – im Artikel exemplarisch: Asia R. Das Ziel ist immer dasselbe: Wenn Menschen nicht getötet werden, soll ihre Persönlichkeit, ihre Identität, ihr Selbst vollkommen vernichtet werden – durch aufgezwungene neue Namen, verweigerten Respekt, das Überschreiten jeder körperlichen und seelischen Grenze. Darin unterscheiden wir uns von anderen Tieren: Sie töten – halten ihre Beutetiere aber nicht als Sklaven. Wie konnten Menschen jemals auf die Idee kommen, sich als Krone der Schöpfung zu bezeichnen?
    Susanne Hartmann, Harsum (Nieders.)

  • Sehr geehrte, liebe Frau Jüttner, Ihre Reportage hat mich buchstäblich zu Tränen gerührt. Danke, dass Sie über diesen Prozess berichtet haben. Niemals wird AI diese journalistische Qualität produzieren können. Und gleichzeitig hinterlässt mich Ihr Artikel stolz auf das, wofür Deutschland eben steht. Vielleicht ist es doch möglich, dass Menschen transgenerationell lernen und sich weiterentwickeln.
    Hinrich Raecke, Lübeck

Kein alleiniges Ellmauer Problem

Nr. 29/2026 In einem malerischen Alpendorf in Tirol wird ein Geschwisterpaar aus Deutschland von den Alteingesessenen angefeindet 

  • Ich war mehrere Jahre Schiedsmann in einer ländlichen Gemeinde. Rund 90 Prozent der von mir geschlichteten Fälle betrafen Nachbarschaftsstreitigkeiten, die oft seit Generationen schwelten und deren Ursprung oft längst vergessen war. Wer nur auf sein vermeintliches oder tatsächliches Recht beharrt und keine Kompromisse eingeht, verhindert ein gutes Miteinander. Manchmal hilft es mehr, auch einmal ein Auge zuzudrücken – schließlich machen wir alle Fehler.
    Stefan Merten, Bergisch Gladbach(NRW)

  • Schiefes Bild vom Alpendorf. Während es sich tatsächlich um einen lokal sehr begrenzten Nachbarschaftskonflikt handelt, der durch die Eskalation auf beiden Seiten keine Gewinner hat, wird im SPIEGEL auf dem Titelblatt mit »Ein Dorf hasst zwei reiche Deutsche« insinuiert, der ganze Ort Ellmau hätte sich gegen ein deutsches Geschwisterpaar verschworen, das noch dazu »reich« ist. Das ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Erstens ist dem »Dorf« diese Fehde relativ egal, denn man pflegt seit 70 Jahren eine Tradition der Willkommenskultur gegenüber seinen deutschen Mitbürgern und Gästen. So haben Deutsche derzeit 422 von 3037 Hauptwohnsitzen in der Gemeinde, und sie stellen 72 Prozent der jährlichen Gesamturlauber von Ellmau. Zudem wird durch den Einsatz der Adjektive »reich« und »vermögend« auf dem Titelblatt und im Vorspann der Reportage quasi uns armen Dörflern unterstellt, auf die »reich’n Deitsch’n« neidisch zu sein. Das trifft gerade auf Ellmau so was von gar nicht zu, denn viele hier sind wohlhabend, sowohl Einheimische wie »Zuagroaste«. Lieber fokussiert man sich auf die »Hölle im Alpenidyll« und den Showdown am Wilden Kaiser. Unsere Realität ist nicht immer wie im Film, sie sieht aber dennoch glücklicherweise ganz anders aus und ist generell durch gute Nachbarschaft geprägt, weil wir auch beim nächsten Fest mit unseren Nachbarn ein Bier trinken wollen.
    Sabina Moser, Ellmau (Österreich)

  • Auf den ersten Blick könnte man sich fragen, was eine solche Klatsch-und-Tratsch-Nummer denn mit fünf Seiten im SPIEGEL zu suchen hat. Und es zeigt sich dann: einiges. Denn hier ließ man weit tiefer blicken als nur in die Streitigkeiten der Dorfbewohner. Es spiegelt mitunter grundlegende soziale Diskrepanzen und Verschrobenheiten in unserer Gesellschaft – und ist deswegen kein alleiniges Ellmau­er Problem. Dem Autor ist es dabei gelungen, ohne eine vordergründig eindeutige Position zu vermitteln, letztlich den Leser selbst dazu zu bringen, zu reflektieren und sich Bild und Urteil des Geschehens zu bilden. Dafür bin ich seit Jahrzehnten dankbarer Abonnent.
    Gregor Hilden, Münster

  • Ehrlich jetzt? Diesen Schwachsinn mutet Ihr uns in einer politischen Zeitschrift zu? Das Sommerloch lässt grüßen …
    Martina Möller, Bad Marienberg (Rhld.-Pf.)

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren

Zur Ausgabe
Artikel 59 / 61