Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Laschet wäre besser
Nr. 32/2026 Titel: Die Palastrevolte
Warum hechelt der SPIEGEL (oder das Team Teevs/Hammerstein) geradezu Sommerloch-sensationslüstern hinter dem Internetsturm zur gegenwärtigen Kanzlerlage her? Lasst Merz doch endlich in ruhigeres Fahrwasser gelangen – der Herbst wird stürmisch genug.
Thomas Clemen, NorderstedtMerz erkennt im Gefolge der Palastrevolte nicht einmal, dass er als Verursacher des Scherbengerichts gilt, und interpretiert – wohl aus Eitelkeit – die fatale Aussprache mit seinen kritischen Parteigängern auch noch als respektvoll. Hatte er je eine Antenne für Sprache oder die Befindlichkeit der gefeuerten oder versetzten Amtsträger:innen? Mein Kompliment den Redakteuren Hammerstein und Teevs für die überzeugende Qualität ihrer symbolischen Grabrede. Isch over!
Siegfried Nicolay, SaarbrückenIch habe mich geärgert: In einer Woche, in der ein islamistisch motivierter Anschlag im Herzen der Hauptstadt stattfand, oder auch aktuell die Klimaerwärmung sich einem katastrophalen Zwischenhöhepunkt nähert, titelt der SPIEGEL also über die Regierungsumbildung. Leider ohne weitere Erkenntnisse: Ja, Merz ging wahrscheinlich davon aus, dass sich Kompetenz in verschiedene Ressorts übertragen lässt – auf diesem Level keine falsche Grundannahme. Schnieder hat keine gute Arbeit geleistet, und es steht absolut in Merz’ Legitimation, dass er entlassen wird. Ob sein Bruder nun Ministerpräsident ist oder nicht, spielt doch überhaupt keine Rolle! Wollen wir Parteienproporz oder dass die Regierung endlich sachlich arbeitet und die vom Chef als geeignet angesehenen Leute berufen werden? Übrigens kann man ihr Schnieder-Brudermord-Argument auch hervorragend umdrehen: dass Merz hier Führung zeigt, indem er sich diesem Konflikt stellt. Und ja, auch Reiche ist eine Fehlbesetzung, die eigentlich gefeuert werden müsste – ein Bewährungsgespräch ist da für mich auch ein Zeichen von Merz’ Stärke.
Matthias Heindorf, Allschwil (Schweiz)Noch im November 2024 forderte Merz, Windräder wieder abzubauen. Aufgrund dieser Geisteshaltung ernannte er im April 2025 Reiche zur Wirtschafts- und Energieministerin, die daraufhin auf breiter Front die Fossilenergie begünstigte und so die bisherige Klimaschutzpolitik beeinträchtigte. Allein in Anbetracht der gegenwärtig nicht mehr zu leugnenden Klimaerwärmung erweist sich Reiches Energiepolitik als falsch, sodass sie eher als Spahn ihren Ministerposten hätte verlieren müssen.
Wolfgang Maucksch, Herrieden (Bayern)Nichts gegen Kritik an Regierenden, aber warum versucht der SPIEGEL (neben Medien wie Fernsehen übrigens auch) die aktuelle Regierung kaputtzuschreiben? Und wundert sich dann noch, dass die Umfragewerte für die Regierung sinken und insbesondere die der »alternativen« Opposition steigen.
Ralf Hausmann, BraunschweigDas sind alles nur Puzzleteile: das Chaos im Kabinett, das islamistische Attentat im Tiergarten, genereller Pessimismus, das Gefühl »so geht es nicht weiter« wird dazu führen, dass die AfD als letzte Hoffnung gesehen und gewählt wird, obwohl von der nichts Konstruktives kommt.
Jürgen Focke, DüsseldorfBesser als der SPIEGEL kann man die Situation gar nicht beschreiben. Man wundert sich, was der Kanzler in wenigen Tagen so alles in die Grütze fahren kann. Laura Strohschneider, Landesvorsitzende der Jungen Union Brandenburg, hat es in ihrer Begründung für Rück- und Austritt in Brandenburg auch wunderbar auf den Punkt gebracht.
Jens Kunkel, Kronshagen (Schl.-Holst.)Wäre Armin Laschet nicht über sein Lachen gestolpert, hätten wir jetzt nicht das ganze Theater, denn Herr Laschet wäre der bessere Kanzler.
Ralf Weber, NürnbergVor knapp drei Jahren hatte ich mich sehr geärgert über Friedrich Merz’ arrogante Herabwürdigung des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz: »Sie können es nicht! Sie sind ein Klempner der Macht!«, und dachte mir dabei, als ob der es besser könnte … Und doch hätte ich nie gedacht, wie rasant schnell diese Diffamierung ihm vor die eigenen Füße fallen würde. Wenn er denn wenigstens Klempner der Macht wäre!
Klaus Schröder, HamburgDass unser Bundeskanzler über mangelnde Erfahrung verfügt, weil er keine große Verwaltung und auch kein Unternehmen angeführt hat, wusste man schon vor seiner Wahl. Mit seinen 70 Jahren ist er eigentlich ein Novize. Dies zeigt sich in seinem bisherigen Handeln als Kanzler. Die aktuelle Rochade von Minister:innen und Staatssekretär:innen war alles andere als meisterlich. Zuallererst hätte er die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ablösen sollen, denn sie macht eine rückwärtsgewandte Politik, wo doch Zukunftsorientierung gefragt ist. Für einen Wechsel des Bundeskanzlers kommen Daniel Günther und Hendrik Wüst infrage. Beide Personen haben Führungsqualitäten. Beide Ministerpräsidenten können gut mit den Grünen regieren, und das ist angesichts der Stärke der AfD für eine Mehrparteienregierung sehr wichtig. Auf eine Beteiligung der CSU in einer neuen Bundesregierung könnte man verzichten, denn sie ist oft der Störenfried und Besserwisser.
Felix Kötting, Havixbeck (NRW)
»Ist es das wert, so breit ausgetreten zu werden?«
Der Leser Holger Bode aus Norderstedt hat die Titelgeschichte über den Aufstieg und Fall der Steakhaus-Dynastie Block kritisiert (hier die ganze Geschichte ). Die stellvertretende Chefredakteurin Cordula Meyer hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Ihnen hat unser Titel zu Familie Block nicht gefallen. Was hat Sie gestört?
Bode: Ein unsympathischer Patriarch hat dazu beigetragen, dass er mit einer zerrissenen Familie dasteht und seine Tochter vielleicht sogar ins Gefängnis muss. Ist das es wert, so breit ausgetreten zu werden?
SPIEGEL: In diesem Fall stecken zwei große gesellschaftliche Themen, einerseits der Streit ums Sorgerecht nach einer Scheidung. Andererseits hat unsere Titelgeschichte gezeigt, wie sehr dieser Konflikt beeinflusst ist von einem Kampf in der Familie um die Nachfolge im Unternehmen. Der Aufstieg und Niedergang von Familien ist ein menschliches Urthema, Gegenstand großer Literatur wie der »Buddenbrooks«.
Bode: Ich habe Eugen Block ein paarmal erlebt und finde, Sie haben da einiges richtig eingeschätzt, und ich habe das ja auch alles gelesen. Trotzdem abonniere ich den SPIEGEL, weil er für Freiheit, Gleichheit und Demokratie eintritt. Das kam mir in dem Heft einfach zu kurz.
Zu groß zum Verbieten?
Nr. 31/2026 Hinter den Kulissen diskutieren Politiker wieder über ein AfD-Verbot
Ein Verbot wird die Gesinnung der Wählerschaft der AfD nicht »korrigieren«. Es wäre zu befürchten, dass die Stimmung weiter kippt. Man muss eine Partei mit demokratischen Mitteln unwählbar machen. Das geschieht leider nicht, da im Gegenteil immer mehr Menschen in die Fänge der AfD getrieben werden. Und – ein sichtbarer Gegner ist leichter zu »bekämpfen« als ein verborgener. Ich verstehe nicht, warum das nicht erkannt und begriffen wird.
Andreas Holz, GreifswaldWer das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zum zweiten NPD-Verbotsverfahren vom 17. Januar 2017 genau studiert, wird zu dem Schluss kommen, dass sich das oberste Gericht nicht mehr mit Parteiverbotsverfahren befassen möchte. Obwohl der in nahezu allen Punkten gestellte Antrag des Bundesrats, die NPD als verfassungswidrig einzustufen und damit zu verbieten, als begründet erachtet wurde, hat das BVerfG diesen abgelehnt. Dazu zauberten die Richter des II. Senats das Merkmal der Potenzialität aus ihren Hüten. Ein verfassungsrechtlich ungeheurer Vorgang, denn der Artikel 21 (2) des Grundgesetzes kennt keine Verhältnismäßigkeit, die damit über die Hintertür eingeführt wurde. Mit diesem Vorgehen schafften die Richter für jeden zukünftigen Antragsteller eine Zwickmühle. Denn das Gericht vermied es, die kritische Potenzialität zu definieren. 5 Prozent, 10 Prozent, 20 Prozent der Wählerstimmen? Ab wann ist die Potenzialität gegeben? Und dann ist die Schwelle überschritten, an der eine Partei zu »groß« ist, um sie zu verbieten? Wahrscheinlich sind Leute in der CDU genau zu diesem Schluss gekommen.
Dr. Stephan Kohlhoff, Wiesbaden
Legalisierung der Droge Konsum
Nr. 31/2026 Der Kapitalismus braucht den Neid
Diesen Artikel habe ich im SPIEGEL nicht erwartet. Aber es spricht für die Vielfalt der Meinungen im SPIEGEL. Die Behauptung, die der Autor zu beweisen sucht, ist, dass der Kapitalismus den Neid braucht. Das ist längst bekannt. Aber brauchen und wollen die Menschen den Kapitalismus? So viele negative Eigenschaften hat die freie Marktwirtschaft: Ausbeutung, ungleiche Chancen, extremen Reichtum und extreme Armut, Umweltzerstörung durch exzessives Wachstum. Eigentlich hatten wir ja schon eine brauchbare Lösung gefunden, die all diese Nachteile mit dem einzigen Vorteil, nämlich der Motivation, in Einklang zu bringen versucht. Das ist die soziale Marktwirtschaft. Die war und ist nicht perfekt, aber der richtige Weg. Und sie sollte in eine sozial-ökologische Marktwirtschaft weiterentwickelt werden. Einen Rückschritt in den Frühkapitalismus kann die Menschheit nicht ernsthaft wollen.
Adam Romoth, Starnberg (Bayern)Toll, nun ist es also amtlich (vom SPIEGEL) reingewaschen, und ganz im Sinne der neuen Welle muss es keinem mehr peinlich sein: Neid und Habgier sind gar nicht so schlecht, ja geradezu notwendig für unsere Gesellschaft – also zumindest für den Kapitalismus, und der ist ja schließlich lebenswichtig. Mit der Legalisierung der Droge Konsum fühlt man sich als Abhängiger auch gleich viel besser. Dass wir mit dieser Einstellung neben hinderlichen Resten an menschlichem Miteinander und Sozialgefüge auch gleich die übrig gebliebene Natur und damit unsere eigenen Lebensgrundlagen mit entsorgen – egal. Dass Kapitalismus oder zumindest Eigennutz vor Gemeinnutz ein unumstößliches Gesetz der menschlichen Natur sein soll, ist wohl seit der Erfindung des Ackerbaus und des Eigentums in die vor allem westliche Kultur-DNA eingesickert. Ein Naturgesetz ist es sicher nicht. Gegenbeispiele zu gleichen, gerechten und naturverträglichen Gesellschaften gibt es in der Menschheitsgeschichte zuhauf. Vielleicht sollten wir lieber mehr darüber nachdenken und das grundsätzlich infrage stellen, was aus der verzerrten Perspektive des Hier und Heute als normal erscheint?
Dr. Michael John, BerchtesgadenWürde diese These des wirtschaftsfördernden Neids stimmen – Deutschland wäre die Industrienation mit dem höchsten Wirtschaftswachstum. Leider berücksichtigt Ihr Modell nicht den Neid in unserer überbordenden Bürokratie. Hier kann der neidische Verwaltungsangestellte zum Beispiel im Bauamt und ähnlichen Institutionen seinen, in diesem Fall rein destruktiven, Neid ausleben. Damit ist Ihre These für Deutschland widerlegt.
Erich Härtl, Heroldsberg (Bayern)Sehr gut! Die Konsequenzen: Immer mehr Menschen sorgen für immer mehr Wirtschaftswachstum und damit für immer mehr Umweltzerstörung. Daraus folgt: Die Natur wird eine Methode entwickeln, sich des Homo arrogans zu entledigen.
Hanspeter Waldmann, Mering (Bayern)Ihr Artikel umschifft geschickt die Probleme unserer Zeit. Die meisten Superreichen sind es nicht auf der Basis eines langen Tagwerks, wie die Adam Smithschen Bäcker und Fleischer. Sie leben im Luxus, kraft der Renditen ererbten Kapitals. Sie leisten für die von den Menschen benötigten Waren und Dienstleistungen nichts, ihre Gier ist unnütz. Zugleich stellen viele Arbeitende fest, dass Arbeit wenig lohnt. Fragen Sie ruhig mal Bäcker und Fleischer … oder abhängig Beschäftigte. Fordern diese mehr Gerechtigkeit, einen höheren Anteil am Ertrag ihrer eigenen Arbeit, wird ihnen von den Kapital-Inhabern das Führen einer Neiddebatte vorgeworfen. Zu begründen, warum die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, nach sozialen Mindeststandards, nach Rückverteilung nicht aus Neid geschieht, also kein Neid ist, wäre eine intellektuell interessante Aufgabe. Stellen Sie sich ihr!
Guido Berg, PotsdamIhre Neidverherrlichung hat mich erzürnt! Neid ist etwas Böses und erzeugt nur Böses. Neid entsteht dadurch, dass ich mich vergleiche. Wie kann der sich das größere Auto leisten und ich nicht, der verdient auch nicht mehr. Wieso hat er den Job bekommen und nicht ich, ich bin genauso gut. Wieso bekommt er so viel Sozialhilfe und hat nie gearbeitet (Deutschneid Nummer eins)? Es entsteht bei mir ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Daraus entwickelt sich: Verleumdung, Verunglimpfung bis zum Hass. Neid spornt an, das ist richtig, aber zum Schlechten. Wenn ich den Wunsch habe, ein ebenso schönes Haus wie der Graf zu haben, dann ist das eine Vision. Vision ist der Ansporn, in der Zukunft was zu erreichen, und nicht Neid.
Dieter Wuensch, Wiesbaden
Ja
»Fußball ist keine Veranstaltung, bei der 2 x 11 Freunde ein Spiel austragen, es ist ein Geschäft. Und dieses Geschäft muss Geld bringen. Infantino kann das.«
Christopher Seibel
Nein
»Wünschenswert wäre, dass die Verbände, die bereits blockieren, jetzt auch seinen Rücktritt fordern und das mit Nachdruck – im Sinne von ›sonst beteiligen wir uns ebenso an keiner WM mehr‹.«
Markus Gellert
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Augenöffnender Beitrag
Nr. 31/2026 Selbst zum Festspieljubiläum arbeitet Katharina Wagner die NS-Vergangenheit ihrer Familie nicht richtig auf
Gerade war ich drauf und dran, wegen der ADHS-Volksverdummung im vorherigen Heft mein jahrzehntelanges Abo zu kündigen, da hat es dieser augenöffnende Beitrag geschafft, dem SPIEGEL eine weitere Chance zu geben. Weiter so, verehrter Herr Hammelehle!
Hans-Reinhard Schmidt, BonnEinen wichtigen Aspekt hat Sebastian Hammelehle völlig außer Acht gelassen: Katharina Wagner war in ihrer Eigenschaft als künstlerische Leiterin des Hauses dafür mitverantwortlich, dass im Festspielhaus mehrere Inszenierungen von Wagner-Opern zur Aufführung gebracht wurden, die sich teils sogar sehr kritisch mit der Nazivergangenheit der Familie Wagner und des Festspielhauses auseinandersetzen. Auf die »Parsifal«-Inszenierung von Stefan Herheim aus dem Jahre 2008 und die Inszenierung der »Meistersinger« von Barrie Kosky, die sich anhaltend und direkt mit Wagners Antisemitismus auseinandersetzt, wird insoweit verwiesen. Der Vorwurf, die Familiengeschichte der Wagners werde von Katharina Wagner als reine Privatsache behandelt, stimmt also nicht ganz. Auch das abschließende Fazit von Herrn Hammelehle, Adolf Hitler habe sich vorgestellt, dass Politikerinnen wie Angela Merkel mit einer Limousine bei den Festspielen vorfahren, erachte ich als nicht schlüssig und wenig ergiebig.
Ulrich Poser, HamburgMit diesem glänzend recherchierten, hervorragend geschriebenen und durch unwiderlegbare Fotodokumente gestützten Beitrag hat der SPIEGEL ein publizistisches Ausrufezeichen gesetzt. Dem Magazin ist es wohl maßgeblich zu verdanken, dass der Wagner-Clan nun – wenn auch Jahrzehnte zu spät – endlich Farbe bekennt und sich der eigenen NS-Vergangenheit stellt.
Dr. Klaus Swieczkowski, Hildburghausen (Thür.)
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Nr. 31/2026 Caroline Wahl beschäftigt die Wissenschaft
Dieser Artikel ist ein kleines Stück Literatur und erfreut mit einer sprachlichen Gewandtheit, die ihresgleichen sucht. Wie Anja Rützel präzise in Worte fasst, was ich nur »dumpf empfinde« (Harald Schmidt), fasziniert mich jedes Mal. Bitte mehr davon.
Benjamin Günther, Wismar
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