Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Leserbriefe
Das Ausmaß ist unvorstellbar
Nr. 7/2026 Titel: Der Epstein-Club
Es hat mir zutiefst wehgetan, in einer illustren Runde einen Herrn Trump in der zweiten Zeile als »globale Elite« beschrieben zu sehen.
Uli Storzer, Neckargemünd (Bad.-Württ.)Unter »Elite« verstehe ich etwas anderes, für mich ist Elite etwas, das Positives schafft, Vorbilder – nicht Verbrecher, Diebe und Kriminelle.
Sepp Hofbauer, ErlangenExakt dafür bezahle ich gern Geld. Was für ein Geschenk für den SPIEGEL, zu zeigen, was das Handwerk Journalismus kann und wert ist. Verzichten Sie mehr auf Wohlfühljournalismus, seien Sie mutig, und trauen Sie sich solchen Journalismus nicht nur für eine Ausgabe zu. Ich möchte nicht von einem einzelnen Influencer informiert werden, sondern von einem Magazin, dem ich die Ressourcen für eine ausgewogene und valide Berichterstattung zutraue. Ohne Vertrauen geht es nicht. Danke!
Thomas Schilling, Wohnort angefragtWarum berichtet der SPIEGEL nicht angemessen über die Epstein-Files? Das Ausmaß der Verbrechen ist unvorstellbar. Das, was in diesen Files dokumentiert ist, ist einer der gravierendsten Skandale der letzten Jahrzehnte: ein systematisches Netzwerk von Kindesmissbrauch, Menschenhandel, Folter und Morden. Hunderte von Kindern als Opfer, Jahrzehnte von organisiertem Verbrechen, Hunderte von Tätern, Tausende von beteiligten Personen – darunter einflussreiche Menschen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Justiz – in den USA, aber auch aus Europa und Asien. Nennen Sie klar die Namen derer, die beteiligt waren, und zwar ohne sprachliche Verharmlosungen wie »mutmaßlich«. Nutzen Sie präzise Sprache: Es war Vergewaltigung, nicht Missbrauch. Es war Folter, nicht Übergriff. Es waren Morde, nicht Todesfälle. Und, vor allem: Es waren Kinder, nicht »minderjährige Frauen«! Stellen Sie die Verbrechen so dar, wie sie waren, ohne Verharmlosung und Beschönigung. Die Opfer verdienen es. Die Gesellschaft verdient es. Unsere Kinder verdienen es.
Maike Cölle, BerlinNoam Chomsky rät Jeffrey Epstein, sämtliche »hysterische Anschuldigungen« wegen seiner sexuellen Neigungen einfach auszusitzen?!? Ich hatte Chomsky so eingeschätzt, dass er im Falle einer unvermeidlichen Begegnung mit Epstein wenigstens professionelle Distanz wahren würde. Tja, die halbe Wahrheit ist die kleine Schwester der Illusion. Ein noch größeres Desaster offenbart der Fall Joscha Bach in Form einer besonders perfiden Variante der Geldwäsche. Gewinne aus der gnadenlosen Ausbeutung benachteiligter Personen durch sexuelle Gewalt und Zwangsprostitution werden zur Finanzierung von Forschungsvorhaben verwendet, die in besonderem Maße zur Machtstabilisierung einer parasitären Elite beitragen können. Ihre jetzt schon beeindruckenden Rechercheergebnisse machen die Auswüchse einer unheilvollen Entwicklung sichtbar.
Claudia Weber, GreifswaldLaut Schöpfungsgeschichte schuf Gott den Menschen als Frau und Mann. Sie sollten das Ebenbild Gottes darstellen. Er hätte es bei der Frau belassen sollen.
Udo Potthast, Berlin
»Es ist genau umgekehrt«
Der Leser Harald Dupont aus Ettringen hat die SPIEGEL-Titelgeschichte »Die Staatsverdiener – warum Deutschland weniger Beamte braucht« (hier die ganze Geschichte ) kritisiert. Einer der Autoren, Christian Reiermann, hat ihn angerufen.
SPIEGEL: Herr Dupont, was hat Sie an unserer Titelgeschichte zum Berufsbeamtentum gestört?
Dupont: Sie fordern, dass Lehrer nicht länger Beamte, sondern Angestellte sein sollten. Ich war selbst lange Lehrer. In dieser Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht Lehrer am Staat verdienen, wie Ihre Titelzeile suggeriert. Es ist genau umgekehrt, der Staat verdient an den Lehrern.
SPIEGEL: Das müssen Sie erklären.
Dupont: Lehrer bringen den Kindern Wissen bei. Sie lehren, wie man diskutiert und zivilisiert streitet. Sie mahnen sie zu Solidarität und Toleranz und helfen bei der Integration, wenn Kinder unterschiedlicher Herkunft aufeinandertreffen. Lehrer erziehen Kinder und Jugendliche zu verantwortungsbewussten Staatsbürgern heran und wirken selbst als Vorbilder in Sachen Demokratie. Insofern sind Lehrer im besten Sinne des Wortes Staatsdiener – und somit Beamte.
Zeit für Laizismus
Nr. 6/2026 Islam-Influencer verbreiten ein ultrakonservatives Frauenbild
Als langjähriger SPIEGEL-Abonnent traute ich meinen Augen nicht beim Lesen Ihres mutigen Berichts »Keusch sollen sie sein und gottesfürchtig«. Ich kann mich nicht erinnern, in den vergangenen 30 oder 40 Jahren in Ihrem Journal einem ähnlich kritischen und meines Erachtens längst überfälligen Beitrag zum Thema Islam in der BRD begegnet zu sein. Ich kann nur hoffen, dass Ihre Courage von Dauer ist.
Dr. Detlef Bartel, BerlinUääääh, mit dem Islam ist es dasselbe wie mit der katholischen Kirche: Jahrhundertelang haben Männer immer neue Regeln dazugedichtet, haben in schönster Projektion ihre eigenen Probleme – sie sind visuell orientiert, haben ihren Sexualtrieb öfter mal nicht unter Kontrolle und wollen »ihr/e« (besitzanzeigendes Fürwort) Weibchen mit keinem anderen Männchen teilen – den Frauen aufgebürdet. Erste Frage: Wie viele dieser Regeln stehen tatsächlich im Koran? Zweite Frage: Wollen Muslime ernsthaft etwas so Altes heute noch Wort für Wort erfüllen? Was bin ich froh, dass bei den Christen, Jesus sei Dank, die Steinigung untreuer Ehefrauen abgeschafft ist (ist sie doch hoffentlich weltweit?). »Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.« Johannes 8,7. Ich sage euch, baut sie um, die Männer, so können wir sie nicht mitnehmen in die Zukunft, die versauen uns doch alles.
Susanne Hartmann, Harsum (Nieders.)
Wie bei allen männlich dominierten Religionsorganisationen sollen auch hier die patriarchalischen Strukturen verfestigt werden, die Frauen unterdrückt und als billige Arbeits- und Sexkräfte missbraucht werden. Sie werden hier als Eigentum des Mannes betrachtet. Zeit für den Laizismus à la française.
Dr. Jean-Arno Topp, München
Es geht auch ohne
Nr. 6/2026 So schwer ist es, sich privat von Amerika loszusagen
Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen. Ich bin wirklich froh, sagen zu können: Du bist nicht allein! Ich habe mich erst vergangenes Jahr entschieden, Stück für Stück Unabhängigkeit von den US-amerikanischen Digitalkonzernen zu erlangen. Warum? Neben dem Datenschutz und möglichem künftigem Erpressungspotenzial kann es uns nicht zufriedenstellen, wenn unsere amerikanischen Freunde unsere Produkte mit Strafzöllen belegen und dadurch unsere Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät. Mein Lieblingswinzer aus der Pfalz hat 50 Prozent seines Umsatzes in den USA verloren. Ein unausgewogener Handel gefährdet Arbeitsplätze in Deutschland und damit unseren Wohlstand. Bis die neuen Freihandelsabkommen mit Indien und Co. wirken, ist der Verzicht auf digitalen Konsum aus den USA einer der wenigen Hebel, die uns bleiben, um unseren amerikanischen Freunden verstehen zu geben, dass wir uns das nicht gefallen lassen können. Deshalb: Tschüss, Netflix, Amazon, Instagram und Facebook. Es war schön mit euch, es geht aber auch ohne.
Wolfgang Greichgauer, PaderbornZu Anfang des Beitrags war ich zwischen Bewunderung und Irritation hin- und hergerissen. Auch ich versuche, den US-Unternehmen aus dem Weg zu gehen. Später habe ich begriffen, dass der Autor und ich nur unterschiedliche Kompromisse machen. Da ich keine Gattin habe, die mich bei WhatsApp supporten könnte, und es eine Gruppe gibt, die mir wichtig ist, bei der es aber nicht den Hauch einer Chance gab, sie zum Wechsel zu überreden, habe ich folgende Lösung gefunden: Ich nutzte WhatsApp auf einem ausrangierten Tablet ohne SIM-Karte mit meiner Festnetznummer. Da es weder eine physische noch digitale Verbindung zu anderen Geräten hat, wähne ich mich auf der sicheren Seite. Möglicherweise ist das ja ein Tipp, wenn Sie Ihre Frau entlasten wollen.
Dani Pendorf, Kiel
Ja
»Kompletter Verzicht ist schwierig und wahrscheinlich auch gar nicht sinnvoll. Aber ich versuche vor allem die großen Techkonzerne, die die Trump-Administration stützen, zu vermeiden.«
Melanie Brüggemann
Nein
»Wer meint, durch einen Boykott sein moralisches Gewissen zu stärken, soll es machen. Doch nur weil einige jetzt meinen, sie müssen ein Statement setzen, muss ich der Herde nicht hinterhereilen.«
Thomas Hummel
Sagen Sie auch Ihre Meinung!
Im Stich gelassen
Nr. 6/2026 Ein 15-jähriger Gymnasiast nahm sich in Berlin das Leben. Hätte sein Tod verhindert werden können?
Vielen Dank für diese Reportage und vor allem vielen Dank an die Eltern von Victor, dass sie diese Tragödie öffentlich gemacht haben. Als Mutter eines leisen, empfindsamen 15-Jährigen laufen mir immer noch die Tränen übers Gesicht. In meinem Kopf überschlagen sich jetzt die Gedanken: Kenne ich mein Kind wirklich so gut, wie ich denke? Würden seine Freunde auch so umsichtig handeln? Würde an seiner Schule der Notfallplan greifen? Gibt es überhaupt einen? Aber überlagert werden diese Gedanken von einer unbändigen Wut auf die Erwachsenen, die Viktor und seine Freunde so gnadenlos im Stich gelassen haben und die nicht einmal zu einer Aufarbeitung bereit sind. Wieder einmal wird es keine Konsequenzen geben, denn es geht ja »nur« um Kinder und Jugendliche.
Name und Wohnort der Redaktion bekanntDiese Reportage von Frauke Hunfeld macht mich sehr betroffen, und ich stelle mir viele Fragen. Was ist passiert, dass diese bezahlte und angestellte Sozialpädagogin so offensichtlich versagt hat? Wer sagt ihr das? Was ist passiert, dass ein Selbstmordversuch in einem Telefonat mit der Mutter des betroffenen Minderjährigen nicht erwähnt wird? Was ist passiert, dass sich ein Direktor einer staatlichen Schule dermaßen hinter Regeln versteckt und unfähig für einen Dialog ist, ja sogar behauptet, es war »vorbildlich«, wie reagiert wurde? Eine App für das Smartphone. Mit künstlicher Intelligenz soll man sich unterhalten, clean und ohne Aufwand für das Kollegium. Seit wann gibt es diese Empfehlungen? Wer hat die erlassen oder beschlossen? Erst seit 2023 oder schon länger? Victors Mutter hat recht. Das Herunterspielen und Schweigen sind keine Prävention. Ich selbst halte dieses Verhalten für wenigstens grob fahrlässig.
Solveig Wegener, Strasburg/Uckermark (Meckl.-Vorp.)Ein sehr bewegender Artikel. Es war richtig, dass Sie sich entschlossen haben, ihn abzudrucken. Mit viel Fingerspitzengefühl geschrieben, schreit dennoch aus den Zeilenzwischenräumen die unfassbare Tragik dieses vermutlich vermeidbaren Unglücks. Was einem noch mehr Angst machen kann, ist, dass Menschen, die in Deutschland psychotherapeutische Unterstützung brauchen, in ihrer Not unerträglich lange auf einen Therapieplatz warten müssen, weil die Bundesregierung offensichtlich nicht in der Lage ist, die missratene Reform der Psychotherapeutenausbildung zu korrigieren (SPIEGEL 55/2025: »Deshalb stecken angehende Psychotherapeuten in ihrer Ausbildung fest«).
Thomas Bossert, Hornberg (Bad.-Württ.)Der gesamte Artikel befasst sich ziemlich ratlos mit der Frage nach dem Warum dieses tragischen Suizids. Auf Seite 73 des gleichen Hefts (»Jung, top ausgebildet – und nicht mehr begehrt«) steht dann eine der möglichen Erklärungen, und die könnte in den Widersprüchen unserer Gesellschaft liegen: Da wird den jungen Leuten etwas von Leistungsprinzip erzählt, aber sie merken schnell, dass das nicht gilt. Sonst würden die Reichen nicht immer reicher und die Armen nicht immer zahlreicher. Ein empfindsamer junger Mensch wird auch unter den gewaltigen Problemen dieser Welt leiden, die er doch erkennt, und dann könnte ihn tatsächlich jeglicher Mut verlassen: Überbevölkerung, Umweltzerstörung, Kriege, Hunger, Not, brutale Machtausübung, Ungerechtigkeit, Chancenlosigkeit selbst der Fleißigen bei gleichzeitiger Bevorzugung der »Hochwohlgeborenen«. Die Zukunftsaussicht für bezahlte Arbeit und die Möglichkeit des Broterwerbs unterliegt zunehmend dem »Outsourcing« an Maschinen, Roboter und neuerdings an die KI, wieder mit dem Ergebnis, dass einige wenige immer reicher werden, der Rest soll zusehen, wo er bleibt. Das macht keinen Lebensmut.
Heidemarie Wegener, Osterode (Nieders.)
Eine Reihe von Fehlern
Nr. 6/2026 Das tödliche Ende einer Bergtour auf den Großglockner. Rekonstruktion eines Dramas
Ihr Bericht über das Drama am Großglockner hat mich sehr bewegt und beschäftigt mich immer noch. All die berechtigten offenen Fragen könnte doch Herr P. leicht beantworten. Ich frage mich auch, warum Frau G. nicht um Abbruch und Umkehr und später um Hilfe gebeten hat. Sie muss doch gemerkt haben, dass ihre Kräfte nachlassen und nicht ausreichen. Wollte sie vor P. keine Schwäche eingestehen? Hat er sie zum Weitergehen gedrängt? Ich hoffe, Sie werden auch über den Prozessverlauf und -ausgang berichten.
Martina Stehr, Zellingen (Bayern)Ihr Artikel beginnt mit den Zeilen »Um zwei Uhr morgens lässt er sie schutzlos zurück«. Im Folgenden finde ich die Auflistung verschiedener Fehler bei der Planung und Ausführung der Tour. Zweifellos hat sich Thomas P. in vielerlei Hinsicht sehr leichtsinnig verhalten und kann keinesfalls von jeglicher Verantwortung für den Tod seiner Partnerin freigesprochen werden. Aber in dem ganzen Artikel habe ich nichts gefunden, was die Unterstellung rechtfertigen würde, die Sie am Anfang des Artikels suggerieren: »Er lässt sie schutzlos zurück.« Das erweckt den Eindruck einer unterlassenen Hilfeleistung, und dem Eindruck tritt sogar der Staatsanwalt am Ende entgegen, ohne allerdings eine Alternative anzugeben, die Thomas P. in dieser verzweifelten Situation hätte sehen müssen. Nach einer Reihe von Fehlern war vermutlich die einzige Möglichkeit, seiner Partnerin zu helfen, allein nach Hilfe zu suchen. Meine Kritik an Ihrem Artikel ist, einem Menschen, der Fehler gemacht hat, ein schäbiges Motiv zu unterstellen. Das ist nicht die Art von Fairness, die man vom SPIEGEL im Umgang mit Menschen sehen möchte. Sehr schade!
Stefan Gyger, München
Das macht Mut
Nr. 6/2026 Sylvia Pfefferkorn hilft Unternehmen, sich gegen rechts außen zu stellen
Großartige Frau, großartige Methode. Das macht mir Mut inmitten all der vielen Artikel, die lähmen oder schlechte Laune machen. Es gibt also durchaus Möglichkeiten, sich den Blick auf den Menschen hinter dem AfD-Wähler zu bewahren und diesen anzusprechen. Danke für diesen Schub – und noch mehr solcher Beispiele!
Edith Gieler-Weiler, Stuttgart
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