Georg Stefan Troller: Jahrhundertzeuge stirbt mit 103 Jahren - DER SPIEGEL
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Jahrhundertzeuge Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller ist tot

Er entwischte den Nazis und befreite im Dienst der US-Armee das KZ Dachau. Nun ist der Schriftsteller und Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller gestorben. Er wurde 103 Jahre alt.
Georg Stefan Troller
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Georg Stefan Troller

Foto: Jakob Schnetz und Janek Stroisch / DER SPIEGEL

Ein wichtiger Zeitzeuge der deutschen Öffentlichkeit ist tot. Der Journalist und Filmemacher Georg Stefan Troller starb im Alter von 103 Jahren, wie dem SPIEGEL aus seinem Umfeld bestätigt wurde.

Troller war Sohn eines jüdischen Pelzhändlers. Er wurde 1921 in Wien geboren und machte zunächst eine Lehre zum Buchbinder. Mit 16 floh er vor den Nazis, erst in die Tschechoslowakei, dann nach Frankreich. 1941 ging er in die USA und wurde dort 1943 zum Kriegsdienst eingezogen. Als US-Soldat befreite er das Konzentrationslager Dachau.

Journalismus als »Selbstheilung und Lebensrettung«

In München durchsuchte er auch Adolf Hitlers Wohnung. »Wir suchten natürlich die Atmosphäre. Und Erinnerungsstücke. Und den Triumph«, erinnerte er sich vor ein paar Jahren in einem SPIEGEL-Interview . Ein Andenken, einen Brief mit Unterschriften ranghoher Nazis, schickte er seinem Vater nach New York. Der reagierte pikiert und verkaufte das Blatt schnell weiter.

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Weil Troller Deutsch beherrschte, übersetzte er Gespräche mit deutschen Kriegsgefangenen. Erst nach Kriegsende konnte er studieren: Anglistik und Theaterwissenschaft in den USA. Er kehrte erneut nach Europa zurück und arbeitete später als Autor und drehte Dokumentarfilme. Für den WDR und das ZDF war er Korrespondent in Paris. Über viele Jahre brachte er den Deutschen Frankreich näher und traf unter anderem Charles de Gaulle, Jean-Paul Sartre und Alain Delon.

Paris wurde Troller nach seiner Rückkehr nach Europa zur Wahlheimat. Seine Heimat, so beschreibt es jedenfalls Nils Minkmar in der »Süddeutschen Zeitung «, sei jedoch Wien geblieben, jene Stadt, die er verlassen musste. Trollers Beiträge waren oft subjektiv, zugleich geprägt durch Neugier. Seine Arbeit als Journalist sei für ihn »Selbstheilung und Lebensrettung« gewesen, sagte er einmal.

Troller in den Sechzigerjahren: Als Reporter eine Legende

Troller in den Sechzigerjahren: Als Reporter eine Legende

Foto: Siegfried Pilz / United Archives / picture alliance

Troller arbeitete bis zu seinem Lebensende als Journalist, zuletzt etwa als Kolumnist für die »Literarische Welt «, eine Beilage der »Welt am Sonntag«. Mehr als tausend Kulturpersönlichkeiten hatte er demnach während seines Lebens interviewt oder porträtiert.

Der Jahrhundertzeuge starb am Samstag in Paris. Er war zweimal verheiratet und hinterlässt zwei Töchter.

Lesen Sie hier ein SPIEGEL-Gespräch mit Troller aus dem Dezember 2024: »Warum hasst der Mensch ?«

apr