»Titanic«-Mitbegründer Hans Traxler ist tot
Karikaturist Traxler mit Elch-Zeichnung: Erkennungszeichen der komischen Kunst
Foto: Boris Roessler / dpa / picture allianceEs ist sehr angemessen, dass es die Stadt Frankfurt am Main und das Museum Caricatura waren, die im Namen seiner Familie am Mittwochmittag den Tod von Hans Traxler öffentlich gemacht haben . Schließlich war der Zeichner und Autor Traxler eng mit Frankfurt verbunden und gehörte dem Künstlerzirkel »Neue Frankfurter Schule« an. Deren Motto »Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche« (von F.W. Bernstein) setzte Hans Traxler zeichnerisch kongenial um. Der Elch ist auch das Wappentier des Frankfurter Museums für komische Kunst, Caricatura – und Traxler zählte zu den bedeutsamsten komischen Künstlern des Landes.
Buchautor Traxler: Frühe Inspiration
Foto: Erwin Elsner / dpa / picture allianceHans Johann Georg Traxler kam 1929 im nordböhmischen Hrdlovka (Herrlich) als Sohn österreichischer Eltern zur Welt. Während seiner Schulzeit waren die Bildergeschichten von Wilhelm Busch für ihn »das Maß aller Dinge«, wie er dem SPIEGEL erzählte. Mit 14 Jahren kam er in ein deutsches »Wehrertüchtigungslager«. 1944 meldete er sich zu den Nachrichtentruppen, um einem direkten Fronteinsatz zu entgehen. Ende April 1945 flüchtete er über das Erzgebirge nach Sachsen. Zum Ende des Krieges kam er mit seiner Mutter nach Regensburg, wo diese kurz darauf starb.Wenig später starb auch sein Vater in einem Gefangenenlager.
1951 kam Traxler nach Frankfurt am Main, wo er später an der Städelschule Malerei studierte. Schon mit 17 hatte er seine erste Zeichnung an eine Münchner Illustrierte verkauft. In seiner ersten Buchveröffentlichung »Die Wahrheit über Hänsel und Gretel« (1963) berichtete er über die angebliche archäologische Ausgrabung des Lebkuchen-Hexenhauses – für die »Berliner Morgenpost« war es »der größte literarische Jux der letzten Jahre«. 1962 wurde er Mitbegründer der satirischen Zeitschrift »Pardon«.
Traxler-Bildgedicht
Foto: Hans Traxler / Caricatura Museum FrankfurtDifferenzen mit »Pardon«-Herausgeber Hans A. Nikel führten in den Siebzigerjahren dazu, dass sich Traxler gemeinsam mit den späteren Mitgliedern der »Neuen Frankfurter Schule« von dem Magazin trennte. 1979 gründete die Gruppe (unter anderen Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Chlodwig Poth) die »Titanic« und schuf sich damit ein Hausmagazin. Zusammen mit Texter Peter Knorr karikierte Traxler den Bundeskanzler Helmut Kohl immer wieder als »Birne«. Damit schuf Traxler in den Worten von Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef »eine ikonische Bildsprache für das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik«. 1982 erschien »Birne – das Buch zum Kanzler«.
Kohl-Karikatur von Traxler
Foto: Hans Traxler / Caricatura Museum FrankfurtIn dieser Phase arbeitete Hans Traxler auch für das »Zeit«-Magazin, für die Magazine der »FAZ«, der »SZ« und andere. Viele seiner Bildgeschichten und Bildgedichte sind hier zum ersten Mal publiziert worden. Als einer der ersten deutschen Cartoonisten schaffte er es mit »Aus dem Leben der Gummibärchen« von 1992 auf den amerikanischen Cartoonmarkt.
Traxler-Illustration
Foto: Hans Traxler / Caricatura Museum FrankfurtAus dem politischen Tagesgeschäft zog sich Traxler von den Neunzigerjahren an zunehmend zurück, blieb aber als Autor und Zeichner kreativ. Er veröffentlichte Kinderbücher und illustrierte literarische Texte anderer Autoren wie Mark Twain oder Kurt Tucholsky. Der Stadt Frankfurt schenkte er 2005 das »ICH-Denkmal«, für OB Josef »das vielleicht demokratischste aller Denkmäler«: Unter dem Motto »Jeder Mensch ist einzigartig« kann sich jeder auf dem Sandsteinsockel fotografieren und so zum eigenen Denkmal werden. Am Montag ist Hans Traxler im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main gestorben.