Schweiz: KI-generiertes Kinderbuch sorgt für Proteste - DER SPIEGEL
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Aufregung in der Schweizer Buchbranche KI-generiertes Kinderbuch löst Protest aus

Das Kinderbuch »Die Monsterprinzessin« wurde ursprünglich für eine Werbekampagne der Swisscom von einer KI generiert. Nun sollen 6000 Exemplare kostenlos verteilt werden. Dagegen wehrt sich die Schweizer Buchbranche.
Ein Kind zieht ein Kinderbuch aus dem Regal
Ein Kind zieht ein Kinderbuch aus dem Regal

Ein Kind zieht ein Kinderbuch aus dem Regal

Foto: Hendrik Schmidt / picture alliance

»Die Monsterprinzessin« erzählt die Geschichte von Prinzessin Mia, die gern ein Monster werden will. Erdacht nicht von einer Autorin oder einem Autoren, sondern generiert und illustriert von einer künstlichen Intelligenz. Die neue Imagekampagne eines Schweizer Telekommunikationsunternehmens erzählt die Geschichte eines Vaters, der mithilfe der KI so für seine Tochter Mia eine individuelle Erzählung erstellt. Der Werbegag: Das Buch aus der Kampagne wird nun mit einer Auflage von etwa 6000 Exemplaren kostenlos in Swisscom-Shops verteilt.

Autoren, Verlage und Illustratoren werfen dem Unternehmen jetzt vor, mit der Kampagne die Buchbranche zu gefährden und sogar Kinder zu manipulieren.

Kritik von Autorinnen, aber auch Kinderärzten

In einem Protestbrief, den unter anderem der Schweizer Buchhandels- und Verlagsverband (SBVV) und der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz (A*dS) unterzeichnet haben, heißt es: »KI selbst schreibt oder malt mitnichten und ist auch darüber hinaus nicht zu Kreativität fähig«, man bediene sich an von Menschen geschaffenen und urheberrechtlich geschützten Werken – ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Berichtet hatten zuvor Medien wie das Branchenmagazin »Börsenblatt« und der Schweizer Rundfunk SRF.

Auch Ärzte äußern Bedenken. Der Verband Kinderärzte Schweiz kritisiert, dass das Buch Kinder dazu animiere, ihre Fantasie »einer Maschine zu delegieren«. Dies sei gefährlich für die Entwicklung und Gesundheit der Kinder. Zudem stehe die Kampagne im Widerspruch zu den eigenen Leitlinien der Swisscom für den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.

Swisscom verteidigt die Aktion. »Es ist uns wichtig, KI aktiv zu thematisieren, denn nur so können wir einen sinnvollen Umgang damit finden«, sagte Mediensprecher Armin Schädeli laut dem SRF. Die Geschichte sei in Zusammenarbeit mit mehr als 30 Personen entstanden und solle zeigen, wie Mensch und Technik gemeinsam kreativ sein könnten.

Buchbranche fürchtet noch schwierigere Arbeitsbedingungen

Vertreter der Buchbranche sehen das anders. »Mit dem Werbespot und dem KI-Bilderbuch werden zwei besonders vulnerable gesellschaftliche Gruppen direkt angegriffen: Kinder und die ohnehin prekären Arbeitsbedingungen einer ganzen Branche«, sagte Cornelia Mechler, Geschäftsführerin des A*dS, so berichtet das »Börsenblatt« . Die Unterzeichner des Protestbriefs fordern einen verantwortungsvollen und regulierten Umgang mit KI sowie ein persönliches Gespräch mit Swisscom-CEO Christoph Aeschlimann.

Warum einer Befragung zufolge von ChatGPT geschriebene Gedichte beliebter sind als die Originale von Shakespeare, lesen Sie hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes haben wir das Branchenmagazin »Börsenblatt« als Schweizer Medium bezeichnet. Das Magazin hat seinen Sitz aber in Frankfurt. Wir haben das korrigiert.

abi