Marian Goodman ist tot: Es war ihr Jahrhundert - DER SPIEGEL
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Zum Tod von Marian Goodman Es war ihr Jahrhundert

In der Kunstwelt New Yorks war die Galeristin Marian Goodman keine Marke, sondern der Maßstab – und machte deutsche Künstler wie Beuys und Richter groß.
• aus DER SPIEGEL 6/2026
Galeristin Marian Goodman: Fotografiert von Thomas Struth
Galeristin Marian Goodman: Fotografiert von Thomas Struth

Galeristin Marian Goodman: Fotografiert von Thomas Struth

Foto:

Thomas Struth / Courtesy MARIAN GOODMAN GALLERY

Die Einflussreichen in der New Yorker Kunstwelt der Siebzigerjahre waren Männer – und überzeugt davon, dass das so sein müsse. Marian Goodman war trotzdem mittendrin. Eine unerschrockene Frau, die schon mit ihrer ersten Ausstellung Geschichte schrieb.

1976 starb der belgische Künstler Marcel Broodthaers. Ein Jahr später zeigte sie seine in New York unbekannten Werke. Da war sie 49 Jahre alt und geschieden. Heute gilt Broodthaers als einer der wichtigsten artists’ artists.

Mit dieser Setzung begann Goodmans Zeit als der Galeristin von New York, genauer von Manhattan, wo sie aufgewachsen ist und blieb. Erst Jahrzehnte später gelang es ihrem Sohn, sie nach Los Angeles zu holen, in seine Nähe.

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Rund 50 Jahre arbeitete Goodman für ihre Künstler. »Strategische Pausen«, wie Galeristen sie zurzeit gern einlegen, wenn es nicht gut läuft, kannte sie nicht. Der Kunstmarkt war längst nicht so von den Preisen getrieben.

Wer sehen wollte, was in der europäischen Gegenwartskunst wichtig wurde, kam zu ihr. Ohne Goodman wären Gerhard Richter und Anselm Kiefer wohl nie in den USA verstanden und gefeiert worden. Als Galeristin pflegte sie keine eigene Handschrift, ihre Künstler reichten von der Farbfeldmalerei des Blinky Palermo bis zur Selbstbeschau Nan Goldins. Und genau diese Offenheit machte sie aus. Sie wollte keine Marke sein, sondern der Maßstab. Entscheidend war für sie nur eines: Qualität.

Und sie hatte die Besten: Jeff Wall für die Fotokunst, Maurizio Cattelan für die Provokation, Julie Mehretu für die Malerei, William Kentridge für die bewegten Bilder – und viele mehr.

Während andere New Yorker Kunsthändler nach Hongkong expandierten, hielt Goodman an der Nähe zum Museum of Modern Art in New York fest, in dem viele ihrer Künstler ausgestellt wurden. Sie zog nur einmal ein paar Häuser weiter – und agierte überlegt, als sie in den Neunzigern in Paris eine Galerie eröffnete.

Erst vor wenigen Jahren brachen ihre Nachfolger mit dieser Kontinuität und eröffneten einen pompösen Bau im New Yorker Stadtteil Tribeca. Mehrere ihrer wichtigsten Künstler verließen die Galerie, darunter auch Gerhard Richter und William Kentridge. Marian Goodman starb im Alter von 97 Jahren in Los Angeles.

swk
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