Zum Tod von Moritz de Hadeln Mister Filmfestival
Berlinale-Chef Moritz de Hadeln
Foto:J. Vespa / WireImage
Als »Mister Filmfestival« wurde er von seinem Biografen bezeichnet, dabei wären die Titel Signore, Monsieur oder Meister ebenso angemessen gewesen: Der Schweizer Moritz de Hadeln war nicht nur polyglott, er wirkte als Kurator und Festivalleiter auch zeitlebens international und prägte so die Filmszene weltweit. Geboren 1940 in Exeter, wuchs de Hadeln in Florenz auf und studierte in Paris. Nach anfänglichen Tätigkeiten als Fotograf, Dokumentarfilmer und Regieassistent verlegte er sich 1969 auf die Festivalarbeit. Zusammen mit seiner Frau Erika gründete er 1969 das bis heute bestehende Dokumentarfestival von Nyon (Schweiz). Nach fünf erfolgreichen Jahren an der Spitze des Festivals von Locarno übernahm de Hadeln 1980 die Leitung der Berlinale. 21 Jahre sollte er den Filmfestspielen letztlich vorstehen und sie maßgeblich prägen. In seiner Amtszeit öffnete er das Festival für das asiatische Kino, gründete den European Film Market als wichtigen Branchentreff und nutzte den Mauerfall geschickt dafür, die Berlinale als aufregenden Ort des Umbruchs zu inszenieren. Den Umzug an den Potsdamer Platz, das vermeintliche Zentrum des neuen wiedervereinigten Berlins, verantwortete er noch, bevor er 2001 von Dieter Kosslick als Intendant abgelöst wurde. Im Anschluss leitete de Hadeln als erster Nichtitaliener zwei Jahre die große Konkurrenz von Venedig. Später verlegte er sich zunehmend auf beratende Positionen und engagierte sich in der Schweizer Lokalpolitik. Moritz de Hadeln starb nach Komplikationen durch einen medizinischen Eingriff im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus in Nyon.