Zum Tode von Peter Gülke Flaneur der klassischen Musik
Dirigent Gülke an der Kammeroper Schloss Rheinsberg 2021: »Das Wort kann das musikalische Phänomen nur einkreisen«
Foto: Soeren Stache / dpa / dpa-Zentralbild / picture allianceEr galt als intellektueller Flaneur, als Autor, der über klassische Musik schrieb, weil er sie liebte. In viel gelobten Büchern gelang es ihm, dem Publikum ein kritisches Verständnis auch für nicht ganz so populäre Komponisten wie Anton Bruckner oder für die Musik des Mittelalters zu vermitteln. Dafür wurde er 2014 mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis geehrt, der in der Branche als eine Art Nobelpreis gilt. Zudem arbeitete er als Kapellmeister. »Ich möchte beides so eng beieinanderhalten, wie es nur geht«, sagte er dazu 2015 in einem Interview. Schließlich erreichten Worte das, was Musik aussage, nie ganz. »Das Wort kann das musikalische Phänomen nur einkreisen.«
Geboren wurde Peter Gülke 1934 in Weimar als Sohn eines Arztehepaars. Er war, wie er gelegentlich erwähnte, über mehrere Ecken mit Goethes Ehefrau Christiane Vulpius verwandt.
Dissens über Beethoven
Gülke studierte unter anderem Musikwissenschaft und Germanistik und promovierte 1958. Im Dirigieren war er nie förmlich ausgebildet worden. Doch nach einer längeren Laufbahn an verschiedenen Theatern der DDR war Gülke, der den berühmten Dirigenten Igor Markevitch als Lehrer nannte, ab Anfang 1981 Generalmusikdirektor der Staatskapelle Weimar. Nach einem Gastspiel 1983 in Hamburg blieb er allerdings in der Bundesrepublik. Mit den Ideologen der DDR hatte er sich unter anderem bezüglich der Einschätzung Beethovens überworfen. Gülkes Familie konnte erst ein Jahr später ausreisen.
Bis 1996 wirkte er als Generalmusikdirektor in Wuppertal und setzte sich dort für zeitgenössische Musik ein. Noch bis 2020 war er dann Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker. Peter Gülke starb in Weimar.