Pop!: Auf Krawall gebürstet - DER SPIEGEL
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Pop!: Auf Krawall gebürstet

Foto: Michael Buckner/ Getty Images

Pop! Auf Krawall gebürstet

Darf man Radiohead-Clips verballhornen? Unbedingt! Hört Duffy auf zu singen? Na, hoffentlich! Macht aggressive Musik aggressiv? Eine Studie behauptet: Ja!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicht lachen

Radiohead

Das Online-Universum steht mal wieder Kopf, seit die Lichtgestalten von ihr neues Werk "The King of Limbs" unter das in heiliger Erwartung erstarrte Volk gebracht haben. Keine Band dieser Tage wird mit so religiöser Ehrfurcht vergöttert wie dieses Art-Rock-Quintett aus Oxford, das belegt der strenge Ernst, mit dem mal wieder die Klasse des Albums in den Blogs der Welt debattiert wird.

Thom Yorke

Fest steht, dass Radiohead für alles Mögliche stehen, aber ganz sicher nicht für vergnüglichen Quatsch. Umso herrlicher sind die unautorisierten Nachbearbeitungen des offiziellen Videoclips zur Radiohead-Single "Lotus Flower". Im Original tanzt Radiohead-Sänger mit Melone vor sich hin - was durchaus amüsant ist, aber viel unterhaltsamer sind die unautorisierten Nachbearbeitungen dieses Clips, sogenannte "Mash Ups" , für die Spaßvögel die Filmgeschwindigkeit manipulieren und die Musik austauschen. Mal rotiert Thom Yorke in Hochgeschwindigkeit zur Musik der "Benny Hill Show", mal eiert er in Zeitlupe zu einer brasilianischen Ballade von Caetano Veloso.

Nun zanken die Fans darüber, ob das lustig sei. Erregte Verehrer verbitten sich diesen respektlosen Quatsch mit einem "intelligenten" Künstler, entspanntere Fans sind begeistert. Wer mitlachen- oder -schimpfen will, sollte sich ranhalten, denn die Plattenfirma findet das alles nicht lustig und hat schon viele der tollen Clips gesperrt.

Nicht durchdrehen

Wenn die Jugend durchdreht und böse wird, kommt in schöner Regelmäßigkeit die Frage auf, ob Musik aggressiv macht. Es werden Plattensammlungen von Amokläufern seziert, und wenn da Rammstein und Slayer auftauchen, folgt die Debatte um die Verantwortung von Künstlern. Nun haben Spezialisten nachgeforscht, wie aggressiv aggressive Musik  macht.

So verhalten sich Kerle, die frauenfeindlicher Musik lauschen (als Beispiel dient hier "Sir Psycho Sexy" von den Red Hot Chili Peppers), angeblich unflätig gegenüber Frauen. Und wer "anti-soziale" Songs (als Beispiel dient hier Henry Rollins' alte Band Black Flag) mag, wird angeblich grimmig. Ungeklärt ist die Frage, ob Pop von Langweilern (Sting etc.) die Hörer langweiliger macht.

Nicht weitersagen

Was bei den Computer-Hipstern von Apple hinter den Kulissen passiert, wird normalerweise so geheim gehalten wie das Coca-Cola-Rezept. Nun hat ein Angestellter eines Apple-Stores ausgepackt, selbstverständlich anonym.

Britney Spears

Irre sind die Anekdoten  von Obdachlosen, die angeblich in den Laden kommen, um "sehr laut Death Metal" zu hören. Oder die Teenager, die zu aufgedreht durch den Laden tanzen.

Nicht aufgeben

Der Niedergang der alten Musikindustrie betrifft auch Aufnahmestudios. Berühmte Orte, an denen die Helden der Branche viele Klassiker produzierten, schließen reihenweise die Tore. Zu teuer! Legendäre Läden wie die "Abbey Road Studios" zu London, das ehemalige "Wohnzimmer" der Beatles, ist akut bedroht. Nun kommt eine überraschende Trendwende, denn - unglaublich aber wahr - die Unternehmen Red Bull und Converse eröffnen Studios in Amerika, Großbritannien und Südafrika. Klingt wie ein PR-Coup. Aber ein guter.

Nicht weitersingen

"Endlessly", das jüngste Album der Soul-Pop-Micky-Maus Duffy, ist anscheinend schwer abgeschmiert. Denn der "Daily Mirror" meldet, dass die Waliserin so enttäuscht sei, dass sie aufhören wolle, "sie will es nicht noch mal versuchen, kein Comeback starten. Sie will ein ruhiges Leben und von vorne anfangen". Das kann sie sich leisten, denn steinreich ist sie längst. Hoffentlich überlegt sie es sich nicht anders.