Neue Filme und Serien: »Etwas ganz Besonderes«, »Ingeborg Bachmann«, »The Death of Robin Hood« - DER SPIEGEL
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»Etwas ganz Besonderes«, »Ingeborg Bachmann«, »The Death of Robin Hood« Neue Filme und Serien

• aus SPIEGEL Bestseller 2/2026

Heimatfilm - »Etwas ganz Besonderes«

Darstellerin Hornemann

Darstellerin Hornemann

Foto: Pandora Film

Buch und Regie: Eva Trobisch. Mit: Frida Hornemann, Gina Henkel, Max Riemelt, Eva Löbau.; Kinostart: 9. Juli

Ins Leben treten

Eine Familie in der thüringischen Provinz, drei Generationen und viele unterschwellige Konflikte – daraus hat die 42-jährige Regisseurin Eva Trobisch einen komplexen Ensemblefilm gemacht. Im Februar hatte er im Wettbewerb der Berlinale Premiere. Die Geschichte spielt in dem Dorf Greiz, aus dem ein Großvater von Trobisch stammt. Wenn es so etwas wie eine Hauptfigur gibt, dann ist es die 17-jährige Lea (Frida Hornemann). Ihre Eltern (gespielt von Gina Henkel und Max Riemelt) haben sich getrennt, ihre Mutter ist von ihrem neuen Lebensgefährten schwanger. Die Großeltern stecken mit dem Hotel, das sie betreiben, in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Eines Tages beschließt Lea, sich als Sängerin bei einer TV-Castingshow zu bewerben. Von der Frage, was sie denn Besonderes habe, ist sie überfordert und weiß keine Antwort. Entspannt und geschmeidig bewegt sich die Regisseurin zwischen ihren vielen Charakteren und gibt jedem von ihnen Raum, ins Leben zu treten. Ja, es wird viel geredet, aber immer wieder sind es auch kurze Blicke der Figuren, die von ihren Sehnsüchten und Verlustgefühlen erzählen. Dabei vermeidet Trobisch die Klischees, die es über das vermeintlich dumpfe Leben in der ostdeutschen Provinz gibt. Geschickt gelingt es ihr, die politischen Auseinandersetzungen und Kämpfe, die dort stattfinden, in die Story einzuarbeiten. »Etwas ganz Besonderes« ist wahrhaftig, amüsant und bewegend. Lars-Olav Beier


Biopic: »Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war«

Star Hüller

Star Hüller

Foto: Elliott Kreyenberg / Weltkino

Regie: Regina Schilling. Mit: Sandra Hüller; Kinostart 25. Juni

Römische Geisterbeschwörung

Die Stimme, das Auftreten und die Sprache der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann sind bis heute großartig und herzergreifend – und deshalb ist es eine riskante Dreistigkeit, historische Bachmann-Aufnahmen mit Spielszenen der Erfolgsschauspielerin Sandra Hüller zu kombinieren. Der Film »Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war« tut genau das. Er zeigt Hüller in einer Wohnung in Rom, die der Wohnung ähnelt, die Bachmann dort viele Jahre lang bewohnte. Sie betreibe dort eine »Geisterbeschwörung«, heißt es. Und der Film schafft es, auf eindringliche, aber nie aufdringliche Art, von den Angstzuständen, den Obsessionen, dem privaten Glück und Unglück und der herausragenden Kunst der in Klagenfurt geborenen Autorin Bachmann (1926 bis 1973) zu erzählen.

Die Regisseurin Regina Schilling hat preisgekrönte Dokumentarfilme wie »Kulenkampffs Schuhe« und »Igor Levit – No Fear« gedreht und für ihren Bachmann-Film viele spektakuläre Aufnahmen aus Fotoalben und Radio- und Fernseharchiven zusammengetragen. Man staunt über den Frauenhass, der Bachmann unter anderem in der Schriftstellerclique der Gruppe 47 entgegenschlug, aber auch über ihre einzigartige Wirkung bei Leseauftritten. Zwischen den Archiv-Clips sieht man Hüller viele Zigaretten rauchen, Kleider anprobieren, Gedichte sprechen und am Ufer des Tiber tanzen. Die Songs der österreichischen Sängerin und Musikerin Anja Plaschg, die unter dem Namen Soap & Skin auftritt, und die Kraft von Hüllers Körperspiel sorgen für eine schöne, lässige Distanz. Und wenn Hüller Texte von Bachmann spricht, hören sie sich auf erfrischende Weise lebendig an. Wolfgang Höbel


Historienepos - »The Death of Robin Hood«

Schauspieler Jackman

Schauspieler Jackman

Foto: Aidan Monaghan / DCM

Regie: Michael Sarnoski. Mit: Hugh Jackman, Jodie Ciomer und Bill Skarsgård; Kinostart 18. Juni

Reise ins Höllenloch

Dieser Film über einen von vielen Menschen verehrten Helden ist ein krawalliger Denkmalssturz. Robin Hood, der vermeintliche Gentleman-Bandit, ist in »The Death of Robin Hood« ein brutaler Abschlachter von Männern, Frauen und sogar Kindern. In den ersten Szenen sieht man dem schauerlich grimmig, alt und kaputt hergerichteten Schauspieler Hugh Jackman in der Rolle des Titelhelden dabei zu, wie er Kehlen aufschlitzt und offenbar wahllos Leute absticht. Dann wird der Finsterling Robin selbst nahezu totgemetzelt und auf eine Insel verschifft, wo man ihn notdürftig gesund pflegt.

Der US-Regisseur Michael Sarnoski ist 31 Jahre alt und gilt als junges Kinogenie. Sein Spielfilmdebüt »Pig« über ein entführtes Trüffelschwein und dessen von Nicholas Cage gespielten Besitzer hat vor fünf Jahren die Filmwelt verblüfft und wurde dafür gelobt, dass es von einer »kosmischen Einsamkeit« erzähle. Danach hat Sarnoski einen erfolgreichen Horrorfilm gedreht. »The Death of Robin Hood« zeigt nun einen katastrophal einsamen Helden in einer apokalyptischen Horrorwelt.

Angeblich beruht der Film auf einer historischen und besonders gruseligen Robin-Hood-Legende aus dem 17. Jahrhundert, die Handlung spielt wie alle herkömmlichen Robin-Hood-Stories zur Zeit der Kreuzzüge im 13. Jahrhundert, hier exakt im England des Jahres 1247. Das Land ist ein Höllenloch, in dem es so blutig zugeht wie in »Games of Thrones«, kein kuscheliger Sherwood Forest weit und breit. Jackman und sein Kollege Bill Skarsgård, der hier als Robins alter Gefährte Little John die Zähne fletscht, sind zwei körperlich und seelisch mürbe Kampfmaschinenwracks. Ihre Bande hat nie den Reichen genommen und den Armen gegeben, sondern bestand aus ruchlosen Räubern und Totschlägern, sie ist längst Vergangenheit.

Robin lässt sich zu einem letzten Kampf an der Seite von Little John überreden, der übel endet. Der Held bekommt nahezu den Schädel eingeschlagen und wacht erst wieder auf, als man ihn zusammen mit einem kleinen Mädchen – offenbar Little Johns Tochter und sehr süß dargestellt von Faith Delaney – auf ein Kloster-Eiland vor der englischen Küste gebracht hat.

Die heitere Naturidylle der Klosteranlage, in der man den Helden hochpäppelt, steht in schroffem Gegensatz zu den düsteren, regengepeitschten Felstälern und Bergkuppen auf dem Festland, auf dem die archaischen Gesetze der Barbarei und Mordbrennerei herrschen. Die von der Schauspielerin Jodie Comer gespielte Klosteroberschwester nennt sich Brigid und tritt praktisch wie ein Engel in das Leben des Helden. Aber was löst sie wirklich aus? Jackmans Schauspielergesicht ist hier fast so zerfurcht wie die Felsküste des Festlands und schwer zu lesen. Möglicherweise ist der Mann, den er hier verkörpert, stolz auf seine Gräueltaten. Oder quält er sich vielleicht doch mit Schuldgefühlen, womöglich seiner eigenen Überraschung?

Der Regisseur Sarnoski beruft sich bei seiner kolossal blutrünstigen Dekonstruktion eines mythischen Männerhelden auf seine eigene Robin-Hood-Begeisterung in Kinderjahren. Sein Kino der grellen Überzeichnung und der fast physisch spürbaren Gewalt ist erkennbar geprägt durch die Ästhetik und die Effekte von Computerspielen. Manche Zuschauerinnen und Zuschauer werden angesichts von »The Death of Robin Hood« vermutlich sehnsuchtsvoll an die Robin-Hood-Filmerfahrungen ihrer jüngeren Jahre denken.

Dieses Sterbedrama ist ein knallhartes und durchaus verstörendes Kinoerlebnis. Aus der Sicht von Historikerinnen und Historikern, die sich mit dem Leben und Sterben im England des 13. Jahrhunderts beschäftigen, dürfte das hier dargestellte Grauen allerdings gar nicht so unplausibel sein. Wolfgang Höbel

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