Niemand konnte Coverversionen singen wie sie - DER SPIEGEL
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Zum Tod der Jazzsängerin Niemand konnte Coverversionen singen wie sie

Die Jazzsängerin Cassandra Wilson war eine der großen Stimmen ihrer Generation.
• aus DER SPIEGEL 38/2026
Sängerin Wilson:
Sängerin Wilson:

Sängerin Wilson:

Foto: Nancy Kaszerman / ZUMA Press Wire / IMAGO

Sie war eine große Sängerin von Coverversionen, vielleicht die größte ihrer Generation. Zum Beispiel »Last Train to Clarksville«, im Original ein Lied der Retortenband The Monkees über einen jungen Mann, der ein Mädchen anruft, das er noch einmal treffen möchte, bevor sein Zug geht. Cassandra Wilson verwandelt es in eine große Tragödie – der junge Mann ist eingezogen worden, muss in den Krieg und weiß nicht, ob er noch einmal zurückkommt.

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Oder »Harvest Moon« von Neil Young, im Original ein Song, in dem sich ein Liebespaar zum Ende des Sommers unterm Vollmond trifft. Wilson macht einen Blues daraus, der klingt, als wäre diese Nacht die letzte Nacht vor dem Ende der Zeit. Es gibt Dutzende Lieder anderer Künstlerinnen und Künstler, die Wilson sich zu eigen machte.

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Geboren in Jackson im amerikanischen Bundesstaat Mississippi, war Wilson ein Kind des Delta-Blues und seines Gefühls für Tragik und Tragödie. Als sie ein Kind war, galt in ihrer Schule noch die sogenannte Rassentrennung, sie habe in der elften Klasse zum ersten Mal mit Weißen zu tun gehabt, erzählte sie später. Sie zog nach New York und landete im Umfeld des experimentellen M-Base-Collective, mit dem sie in den Achtzigern auch Platten aufnahm, wobei sie nach und nach ihre Vorliebe für den traditionelleren Jazzgesang entdeckte. »Blue Light ’til Dawn« (1993) und »New Moon Daughter« (1995) waren die beiden Alben, die sie berühmt machten. Sie schrieb auch eigene Songs, am besten war sie allerdings, wenn sie das Great American Songbook interpretierte, vom Blues eines Robert Johnson bis zum Folk Joni Mitchells. Cassandra Wilson starb im Alter von 70 Jahren.

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