Zum Tod von Otto Köhler Der harte Linke
Journalist Köhler
Foto: Christian Ditsch / IMAGOSeinen 80. Geburtstag feierte er 2015 auf der XX. Rosa-Luxemburg-Konferenz: »Ja, ich bin es, Thersites – Schmäher aller Kriege, ihrer Feldherren, ihrer Propagandisten und ihrer Professoren«, rief er den Genossen entgegen. Otto Köhler war ein harter Linker der alten Schule. Der in Schweinfurt geborene selbstbewusste Publizist galt als der erste Medienjournalist der Bundesrepublik. Er studierte Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft und war ab 1963 Redakteur bei dem Satiremagazin »pardon«, 1966 kam er zum SPIEGEL. Sein Chef Rudolf Augstein ernannte ihn zum Medienkolumnisten, und in dieser Eigenschaft kritisierte Köhler vor allem die Springer-Presse, die für Linke damals den Klassenfeind schlechthin verkörperte. Im Februar 1967 schrieb Köhler süffisant über den ehemaligen Springer-Mitarbeiter Paul Carell, der unter seinem Geburtsnamen Paul Karl Schmidt als Pressesprecher für den Nazi-Außenminister Joachim von Ribbentrop gearbeitet hatte. Peinlich nur, dass genau dieser Mann bereits auch für den SPIEGEL geschrieben hatte, wie die »Bild« in einer Retourkutsche bemerkte. 1992 veröffentlichte Köhler in »Konkret« den Artikel »Offizielle Mitarbeiter« über die Verstrickungen früherer SPIEGEL-Redakteure mit dem Naziregime. »Ein Leben für Deutschland«, seine 2002 erschienene Biografie über Rudolf Augstein, gilt als die bisher kritischste. Köhler, 2007 mit dem Kurt-Tucholsky-Preis geehrt, war im PEN aktiv, wo er mit seinen Beiträgen manchmal nervte und manchmal erregte Diskussionen auslöste. Seine Artikel wurden für ihre Bissigkeit und Präzision gerühmt. Otto Köhler starb im Alter von 91 Jahren in Buchholz.