»Shrek«: Zum Jubiläum des besten Films – warum die Animationsreihe so gut ist - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Jubiläum des besten Films der Reihe Warum »Shrek« (noch immer) so gut ist

»Shrek« hat Kultstatus, der zweite Teil der Filmreihe feiert nun 20-jähriges Jubiläum. Warum begeistert der grüne Oger noch heute – und warum vor allem Erwachsene?
Shrek, der tollkühne Held: Gar nicht mal so grimmig
Shrek, der tollkühne Held: Gar nicht mal so grimmig

Shrek, der tollkühne Held: Gar nicht mal so grimmig

Foto: DreamWorks / Everett Collection / ddp images

Genau zwei Jahrzehnte ist es her, dass »Shrek 2« in die Kinos kam, die Fortsetzung des Märchens vom mutigen grünen Oger. Schon der erste Teil der Reihe hatte auch dank bahnbrechender Animationstechnik viele Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert, bei den Oscars wurde das Oger-Abenteuer als bester animierter Spielfilm ausgezeichnet. Obwohl das alles lange zurückliegt, ist Shrek bis heute Kult, und zwar nicht bloß unter Kindern.

In den sozialen Medien gehen Memes der Figur viral, der Oger trendet (immer noch). Als es vergangenes Jahr hieß, es gäbe vielleicht einen fünften Teil der Reihe, waren vor allem Erwachsene begeistert. Aber warum eigentlich?

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Für alle, die noch keinen der Filme gesehen haben: Die Reihe dreht sich um den namensgebenden Oger Shrek, den »tollkühnen Held«, der in einer mittelalterlichen Märchenwelt lebt. Von dieser will er aber zunächst reichlich wenig wissen, er genießt Ruhe und Einsamkeit in seinem Sumpf. Damit ist es vorbei, als er im ersten Teil – unfreiwillig – in das Abenteuer um die Befreiung von Prinzessin Fiona gerät.

Gleich daran sieht man, wie gut die Reihe mit Klischees spielt und diese umkehrt. Denn Fiona wurde als Kind in einen Turm gesperrt. Aus der Verbannung retten kann sie nur der »wahren Liebe erster Kuss«. So weit, so bekannt. Als Shrek und sein Begleiter, ein extrovertierter Esel, Prinzessin Fiona schließlich befreit haben und sie im Wald von einem schleimigen Robin Hood samt Entourage musikalisch und körperlich bedrängt werden, weicht das Märchen von den bekannten Vorlagen ab. Nicht ihre männlichen Retter, sondern die Prinzessin selbst knockt Hoods Ensemble mithilfe beeindruckender Kampfkunst aus, in Anspielung auf »The Matrix«.

Shrek und Esel sind angemessen beeindruckt, die Zuschauerinnen und Zuschauer auch. Es drängt sich die Frage auf: Käme Fiona nicht auch allein sehr gut zurecht? Braucht sie überhaupt einen Mann für ihr »Happy End«? Die Filme zeichnen sich durch eine erfrischend feministische Komponente und Kritik an klischeehaften, zementierten Genderrollen aus, die die bunte Disney-Märchenwelt bis dato eher missen ließ.

Die Anspielungen auf Disney sind zahlreich – und das Haus kommt dabei nicht gerade gut weg. Kein Wunder, »Shrek« war einer der ersten Filme des Dreamworks-Studios, mitgegründet von Filmproduzent Jeffrey Katzenberg, der Disney zuvor im Streit verlassen hatte. Die vermeintlich saubere, geordnete Disney-Welt wird etwa im ersten Teil durch das »perfekte« Königreich des Antagonisten Lord Farquaad parodiert – das in krassem Kontrast zu Shreks dreckigem, aber gemütlichem Sumpf steht.

Auch kindliche Charakterisierungen von »gut« und »böse« werden in Shreks Welt aufgebrochen, einfältige Kategorien von »schön« und »hässlich« gelten hier nicht. Die Moral von Shrek: Sei kein Arschloch, der Rest fügt sich schon. Menschlichkeit ist wichtiger als stupides Idealverhalten. So ist dann auch Prinz Charming, der klischeehaft hübsche Märchenprinz, gerade nicht der Held der Geschichte. Vielmehr ist er getrieben von seiner intriganten Mutter, der »Guten Fee«.

Die Botschaft auch hier: (Fast) niemand ist intrinsisch böse, (fast) alle haben ihr Päckchen zu tragen. Im dritten Teil – Shrek sucht den möglichen Thronfolger Artus und landet nach einer Schiffsreise mitten in einer Parodie auf Highschools samt Mobbing, Cheerleadern und Schuluniformen – bringt es der Oger folgendermaßen auf den Punkt: »Die Leute glaubten immer, ich wäre ein Monster – und die ganze Zeit habe ich ihnen geglaubt. Aber nach einer Weile lernt man, die Schmähungen zu ignorieren, mit denen man bedacht wird – und vertraut nur noch sich selbst.«

Satire auf Schönheitswahn und Konsumgesellschaft

Neben gelungener Situationskomik können die Filme darüber hinaus als Satire auf Schönheitswahn und Parodie auf die Konsumgesellschaft gelesen werden. Prinzessin Fiona, die durch einen Fluch nachts ebenfalls zum Oger mutiert, behält zum Beispiel durch den Kuss mit ihrer wahren Liebe Shrek dauerhaft diese grüne, vermeintlich hässliche Hülle. Es ist für sie okay, auf ihre märchenhaft schöne, menschliche Gestalt zu verzichten. Eine Wespentaille ist ihr schlicht nicht so wichtig.

All das wird gerahmt durch grandiose Musik, die die Handlung mitträgt. Die Figuren geben oftmals auch selbst Darbietungen zum Besten – wie etwa der depressiv verstimmte Captain Hook, der seinen Haken zu »Little Drop of Poison« von Tom Waits in die Tasten haut, oder die »Gute Fee«, die den Banger »Holding Out for a Hero« von Bonnie Tyler ins Mikrofon schmettert.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Oder Schneewittchen, die in vermeintlich biederer Disney-Manier vor sich hinträllert und die Tiere des Waldes zu sich lockt, plötzlich aber aus voller Kehle das Intro des »Immigrant Song« von Led Zeppelin zu schreien beginnt. Oder, oder, oder.

Mehr zum Thema

Zugegeben, der vierte Teil »Für immer Shrek« fällt hinter den anderen Filmen ab: Vielversprechend startend als ironisches Porträt des entmachteten, modernen Mannes, verkommt es eher zu einem seichten Krawallfilm (lesen Sie hier mehr). Trotz dieses Wermutstropfens: »Shrek« ist eine wunderbare Filmreihe, wertvoll auf gleich mehreren Ebenen. Sie glänzt durch cleveren Humor, einen exzellenten Soundtrack und smarte popkulturelle Referenzen. Dinge, die die eigentliche Zielgruppe wohl selten goutiert, Erwachsene (zumeist) umso mehr.

Einfach – Verzeihung, das stupide Wortspiel muss sein – shreklich gut.