Suche nach »Maulwurf« »SZ«-Chefredaktion bedauert Überprüfung der eigenen Redaktion
SZ«-Chefredakteur Wolfgang Krach in München 2017
Foto:Sachelle Babbar / ZUMA Press / IMAGO
Der Chefredakteur der »Süddeutschen Zeitung«, Wolfgang Krach, hält die Suche nach einem Leak in der Redaktion im Rückblick für einen Fehler. Er habe in der Redaktionskonferenz von diesem Mittwoch sein Bedauern darüber ausgedrückt, bestätigte Krach dem SPIEGEL. »Die Verletzung des Redaktionsgeheimnisses ist für uns nicht hinnehmbar. Trotzdem war es nicht verhältnismäßig, mithilfe technischer Mittel nach demjenigen zu suchen, der diese Informationen nach außen weitergegeben hat.«
Krach hatte – abgestimmt mit dem Betriebsrat – die E-Mail- und Telefonverbindungen nach Kontakten zum Portal »Medieninsider« prüfen lassen, nachdem dort detailliert über die Redaktionssitzung vom 20. Dezember 2023 berichtet worden war. In der damaligen Runde war es darum gegangen, wie die »SZ« sich dazu verhalten soll, dass ihrer Vizechefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid vom »Medieninsider« vorgeworfen wurde, in mehreren Texten abgeschrieben zu haben. Krach befürchtete, dass die Konferenz abgehört oder aufgezeichnet worden war.
Die »SZ« erklärte damals, man habe lediglich überprüfen lassen, »ob es Datenverkehr zwischen den IP-Adressen der Redaktion und des Branchendienstes gegeben habe« und weder »E-Mail-Postfächer von Journalisten durchsucht« noch Telefonate abgehört. Auch auf Handyverbindungsdaten sei nicht zugegriffen worden.
Krach beurteilt das eigene Vorgehen mit dem Abstand von einigen Wochen kritisch: »Wir haben damals aus dem Augenblick heraus gehandelt und aus der Empörung darüber, dass jemand das Herz unserer Redaktion abgehört hat. Aber wir haben zu wenig im Blick gehabt, dass uns als investigativem Medium vorgeworfen werden kann, mit zweierlei Maß zu messen: dass wir einerseits von Leaks journalistisch profitieren, aber andererseits versuchen, das Leck zu finden, wenn wir selbst Opfer eines solchen Angriffs geworden sind.«