Japanischer Wissenschaftler Zum Tod von Susumu Tonegawa
Nobelpreisträger Tonegawa
Foto:AFP / dpa / picture alliance
Am 10. Dezember 1987 war er am Ziel angekommen. Als erster Japaner nahm er die Nobelpreis-Medaille für Physiologie oder Medizin vom schwedischen König entgegen. Er hatte erreicht, was ein Wissenschaftler erreichen kann. Doch wie sollte es weitergehen? Susumu Tonegawa war erst 48 Jahre alt. Er hatte das damals wohl größte Rätsel der menschlichen Immunabwehr geknackt und aufgeklärt, wie Immunzellen, obwohl der Körper nur über rund 20.000 Gene verfügt, viele Millionen verschiedene Antikörper herstellen können. Die Baupläne setzen sie nach dem Zufallsprinzip aus einzelnen Schnipseln zusammen, so kommt für fast jeden Erreger ein passender Antikörper heraus. Eine elegante Lösung von erstaunlicher Schönheit. Doch was nun? Tonegawa war inzwischen Professor am MIT, viel höher kann man in der akademischen Welt kaum steigen. Er brauchte eine neue Herausforderung, und die konnte ihm nur jenes Organ bieten, das noch wundersamer ist als das Immunsystem: das Gehirn.
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Tonegawa startete eine zweite Karriere. Er wandte sich den Geheimnissen des Gedächtnisses zu. Am Picower Institute for Learning and Memory, dem er als Direktor vorstand, lenkten Wissenschaftler vermittels Lichtblitzen die Gedanken von Mäusen; sie pflanzten den Versuchstieren falsche Erinnerungen ein, und sie entdeckten in der Amygdala eine Art Glücksskala, auf der Erfahrungen bewertet werden. Vorn in dieser Hirnstruktur sitzt die Angst, hinten das Vergnügen. Und beide, so fand Tonegawa heraus, stehen im steten Wettstreit miteinander: Wohlgefallen dämpft die Angst, Angst wiederum verhindert das Vergnügen. Susumu Tonegawa starb im Alter von 86 Jahren im kalifornischen San Mateo.