ARD-Sonntagskrimi Der Köln-»Tatort« im Schnellcheck
Darsteller Behrendt (l.), Bär: In der Kinderfernsehhölle
Foto: Martin Valentin Menke / WDRDas Szenario:
In der Kinderfernsehhölle. Nachdem der Kameramann der TV-Sendung »Sachen und Lachen« ermordet wurde, offenbart sich den Kommissaren Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) das ganze Elend des Kinderbespaßungsgeschäfts: ein Starmoderator (Max Giermann), der sein Umfeld tyrannisiert. Ein Nebendarsteller, der in klobiger Tapir-Verkleidung um Aufmerksamkeit buhlt. Eine Praktikantin, die den aus Eitelkeiten und Eifersüchteleien entstandenen Psychomüll entsorgen muss.
Der Clou:
Wissen macht Grrrr. Das lustige fiktive Kinderbildungsprogramm, das hier unter menschenverachtenden Bedingungen entsteht, erinnert an reale Sendungen wie »Wissen macht Ah!« oder »Löwenzahn«. »Wissen macht Ah!« wird vom WDR mitproduziert, der auch den Köln-»Tatort« verantwortet. Sportlich, dass die Anstalt diese Satire mitträgt, obwohl es darin einige Spitzen gegen das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem gibt.
Erkan Acar im Tierkostüm: »Die Lage am Arbeitsmarkt für Tapire ist begrenzt«
Foto: Martin Valentin Menke / WDRDer Auftritt:
Erkan Acar als Tapir-Darsteller. Der Puppenspieler, der unter einem großen, flauschigen, schwer zu bugsierenden Tierkostüm schwitzt, ist genervt von seinem Job, der ihm so wenig Ruhm bringt. Auf die Frage der Ermittler, weshalb er das schon so lange mitmacht, antwortet das gebeutelte Huftier entwaffnend ehrlich: »Die Lage am Arbeitsmarkt für Tapire ist begrenzt.«
Das Bild:
Der King of Kinderfernsehen am Ausrasten. Max Giermann gibt den von den Kleinen geliebten Moderator als gespaltene Persönlichkeit. Ist die Kamera an, spielt er den sympathischen Clown. Ist die Kamera aus, ist er das Größte aller Scheusale. Einmal sieht man ihn, wie er bei Außenaufnahmen eine kleine Teilnehmerin der TV-Sendung zusammenbrüllt. Auch ansonsten reiht sich bei ihm Ausraster an Ausraster. Giermanns cholerischer Clown erinnert ein wenig an Martin Scorseses »The King of Comedy« , wo Jerry Lewis einen Sympathie-heischenden Komiker verkörperte, der hinter der Bühne kaltherzig agierte.
Der Song:
»Don’t Dream It’s Over« von Crowded House . Die Power-Ballade läuft, während in einer melancholischen Szene das Set-Dekor auseinandergeschoben wird. Desillusionierung de luxe.
Die Bewertung:
8 von 10 Punkten. Nach dem Opern-»Tatort« vom Januar ein weiterer böser Hinter-den-Kulissen-Krimi aus Köln, angemessen robust gespielt und inszeniert.
Die Analyse:
»Tatort: Showtime«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste
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